Rehberg: Spekulationen und das Wesentliche

05-Trainer Martin Schmidt. Foto: Sascha Kopp

Nehmen wir mal an, nehmen wir dann weiter an und hätte, hätte, Walliser Bergenkette. Spekulationen wie diese um 05-Coach Martin Schmidt unter der Woche sind längst Usus in...

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. Nehmen wir mal an, Bayer Leverkusen will im Sommer tatsächlich seinen menschlich nicht überragend kompatiblen und sportlich nur bedingt erfolgreichen Trainer Roger Schmidt loswerden. Und nehmen wir mal an, die Führungsriege hat eine Liste erstellt mit den Namen von drei, vier möglichen Nachfolgern. Warum sollte auf dieser Liste nicht der in Mainz durchweg in sicheren Gewässern segelnde Martin Schmidt stehen? Weil er noch eineinhalb Jahre Vertrag hat am Bruchweg? Bitte. Diese scheinheilige Debatte muss niemand führen in der Wildwest-Gesellschaft Profifußball.

Nehmen wir also weiter an, die Bayer-Verantwortlichen wollten mal wissen, ob sich der seriöse, sympathische und fachkundige Mainzer Cheftrainer einen solchen nächsten Schritt überhaupt vorstellen könnte.

Angenommen, dass...

Wen hätte Rudi Völler denn dann anrufen sollen? Die Bergwacht im Wallis? Oder Gianni Infantino, den Fifa-Boss, der aus selbigem Tal stammt wie Martin Schmidt? Letzterer arbeitet nun mal ohne Mentor, ohne Berater, ohne Management. Nehmen wir also weiter an, Völler hätte mal beim 05-Coach angeklingelt. Was wäre schlimm daran? Nichts. Nur sollte sich Völler, der Bayer-Stratege aus Hanau, sicher sein, dass das niemand aus seinem Umfeld ausplaudert. Schwamm drüber. Martin Schmidt sagt, da ist nichts dran. Weiter geht´s.

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Davon abgesehen: Diese Hintergrundgespräche mit anderen Klubs führte der junge und aufstrebende Übungsleiter Jürgen Klopp zu seiner Mainzer Zeit beinahe halbjährlich. Mit Vertretern des VfL Wolfsburg kreiste er bei einem Geheimtreffen in einer kleinen Propellermaschine mal eine Stunde über einem deutschen Mini-Flugplatz - da hätte er knapp unter den Wolken auf einem fertigen Vertrag nur noch seine Wunschgehaltszahl eintragen müssen. Dennoch blieb die Kultfigur siebeneinhalb Jahre am Bruchweg. Klopp hat später mal erzählt, er wäre beleidigt gewesen, wenn er diese Anfragen nicht ab und zu mal bekommen hätte…

Ramalho und Gbamin stehen für den fighting spirit

Zum Wesentlichen. Fußball. An diesem Samstag kommt Werder Bremen in die Opel Arena. Die 05er haben sich mit dem jüngsten Heimerfolg gegen den FC Augsburg Ruhe verschafft. Beim Gegner klappert nach vier Niederlagen hintereinander der Deckel auf dem dampfenden Kochtopf. Alexander Nouri hat das Gefühl, dass er liefern muss in Mainz. Sein Trainerstuhl hat nur noch drei Beine. Wer nun aber Perfektion verlange, sagt Nouri, der müsse in den chinesischen Staatszirkus gehen. Seine Spieler seinen keine Roboter. Abstiegskampf-Rhetorik.

Nun geht es darum, wer in diesen ungleichen Situationen beider Klubs mehr PS mobilisiert bekommt. Die 05er haben aktuell mehr Vertrauen in ihr Potenzial. Die Bremer werden sich darauf besinnen, dass Bereitschaft und Kampf den Weg weisen in dieser bedrohlichen Lage auf dem Relegationsrang. Man darf davon ausgehen: Der giftigen Zweikampfführung wird in diesen 90 Minuten eine hohe Bedeutung zukommen. Und auf diesem Gebiet haben sich die 05er gegen den FCA ein neues Gefühl erarbeitet: Aggressivität und Dynamik, Willen und Leidenschaft produzieren in der Arena eine mitreißende Kampfstimmung.

Picken wir uns nur mal zwei Spieler heraus, die für diesen fighting spirit stehen: André Ramalho und Jean-Philippe Gbamin. Der Brasilianer geht als Innenverteidiger direkt auf den Körper seines Gegenspielers. Der aggressive Franzose sammelt im Mittelfeld die Bälle ein. Darüber hinaus ist Ramalho ein guter Passspieler. Und Gbamin ist zusätzlich ein dynamischer Antreiber. Diese Qualität tut den Mainzern gut. Das gefällt auch den Leuten auf den Rängen. Wenn dann noch Jhon Cordoba im Angriffszentrum gegen die zuletzt wackligen Bremer Stopperhünen seine wilden offensiven Zweikämpfe führt, wenn Levin Öztunali seine langgezogenen Spurts anzieht, wenn Jairo seine Tempodribblings ansetzt, dann sind die Anhänger da. Das wird dann ein klassisches Mainz-05-Heimspiel. Unangenehm für einen Gegner, dem es gerade nicht sonderlich gut geht.