Rehberg: Testspiel gibt Hinweise auf erste Elf

Karim Onisiwo und Jonas Hector beim Testspiel zwischen Mainz 05 und dem 1. FC Köln. Foto: hbz / Jörg Henkel

Wie wird sie aussehen, die Startaufstellung von Mainz 05 zum Auftakt der Bundesliga-Rückrunde? Reinhard Rehberg hat sich nach dem Testspiel gegen den 1. FC Köln seine Gedanken...

Anzeige

. Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit, das sollte nicht zur Gewohnheit werden. Da stellen die 05er ihren einzigen Winter-Zugang in einem Test gegen einen Bundesligakonkurrenten vor. Und außer ein paar Vorstandsleuten, ein paar Ordnern und rund 30 Journalisten (die am Eingang sehr gewissenhaft kontrolliert worden sind) darf keiner zuschauen. Weil die Organisationskosten zu hoch sind? Den Polizisten, die vielleicht drei bis vier Dutzend Kölner Ultras zu bewachen gehabt hätten, sei ihr freies Wochenende aber auf jeden Fall gegönnt.

Die 05er haben die Samstagpartie im Bruchwegstadion gegen den 1. FC Köln bei eklig nasskaltem Wetter mit 1:0 gewonnen. Martin Schmidt hat keine mögliche Startelf präsentiert. Man darf davon ausgehen, dass der Chefcoach in der letzten Woche vor dem Mainzer Rückrundenstart in Ingolstadt noch mal Spannung haben will im Training. Keiner der Profis soll sich sicher, keiner der Profis soll sich zu früh chancenlos oder ausgeschlossen fühlen. Dieser Plan geht immer dann auf, wenn bisherige Reservisten im Testernstfall tatsächlich Druck ausüben auf bisherige Stammspieler. Das hat funktioniert. Gegen eine Kölner Mannschaft, die bekanntlich sehr unangenehm zu bespielen ist wegen ihrer defensiven Disziplin und Geschlossenheit, wegen ihrer Laufstärke, Aggressivität und Kontergefährlichkeit. Bis auf die offensive Umschaltqualität hatte der in Bestbesetzung angetretene FC am Bruchweg auch sämtliche Qualitäten am Start.

Gemischte Aufstellung zum Start

Die 05er demonstrierten mit ihrer „gemischten“ Aufstellung, dass die das System tragenden Säulen stehen. Erkennbar war: In der Spieleröffnung und im Aufbau hat sich die Mannschaft deutlich verbessert. Das führte zu einer Spielkontrolle, die den Gegner in langen Phasen unter Druck hielt. Schaut man auf das Chancenverhältnis, dann hätten die 05er dieses in den Mittelfeldzonen hart umkämpfte Spiel auch mit 3:1 gewinnen können. Ein sehr ordentlicher Test. Fußballerisch haben die Mainzer mehr Potenzial als die im flachen 4-4-2 eng verteidigenden, aber bieder aufbauenden und überschaubar gefährlich angreifenden/konternden Kölner.

Anzeige

Wer hat auf sich aufmerksam gemacht im 05-Team? Zunächst einmal die beiden Innenverteidiger. Leon Balogun spielte stark, aber drei Stellungs- und Stoppfehler in Zweikämpfen mit dem sperrigen Mittelstürmer Anthony Modeste verdarben dem Kämpfer eine noch bessere Note. Ganz nah dran sein dürfte inzwischen Alexander Hack. Der junge Mann ist auf dem besten Weg, Souveränität auszustrahlen. Der beste Spieleröffner in dieser Abteilung ist er heute schon: Serienweise sandte der lange Bayer mit einer beeindruckenden Ruhe am Ball öffnende Flachpässe ins Mittelfeldzentrum und präzise Diagonalpässe auf die Seiten ab. Dem kopfballstarken Hünen fehlt nur noch ein Schuss mehr Kompromisslosigkeit in den Zweikämpfen am Boden.

Baumgartlinger und Latza stark im Zentrum

Überzeugend präsentierten sich im Mittelfeldzentrum Julian Baumgartlinger und Danny Latza. Das Wechselspiel zwischen dem defensiveren Sechser Baumgartlinger, der seine Stärken in der Balleroberung hat, und dem offensiveren Sechser Latza, der an diesem Tag nicht nur der Siegschütze, sondern auch der beste Fußballer auf dem Feld war, funktioniert. Der junge Suat Serdar als Arbeitszehner, das wird dann eine Option, wenn der extrem giftige Entwicklungsspieler seinen beeindruckenden Balleroberungen auch ein ruhigeres, überlegteres, präziseres Passspiel folgen lässt.

Und dann gibt es da noch diesen Karim Onisiwo. Der vom SV Mattersburg gekommene Winter-Zugang ist auf jeden Fall ein sehr interessanter Außenstürmer. Der 23-Jährige bringt mit seiner enormen Antrittsschnelligkeit und physischen Präsenz Wucht ein im Angriffsspiel. Unerschrocken lieferte sich der 05-Debütant intensive Duelle mit dem deutschen Nationalspieler Jonas Hector. Dreimal kam der in den ersten 45 Minuten eingesetzte Österreicher vorbei, dreimal lieferte er harte und flache Hereingaben in Richtung langen Pfosten. Onisiwo ist koordinativ noch nicht ausgereift, er muss für das Spiel in engen Räumen technisch noch sicherer werden. Aber diese Leistung deutete Bundesligapotenzial an. Auch, weil Onisiwo die Abläufe gegen den Ball schon erstaunlich gut verinnerlicht hat. Da war erkennbar: Mit diesem laufbereiten und aggressiven Hünen kann man auch ein wirkungsvolles Angriffspressing praktizieren.

Abschied von Gonzalo Jara

Anzeige

Verabschiedet hat sich Gonzalo Jara. Der Chilene kehrt nach Vertragsauflösung in seine Heimat zurück. Prinzipiell schade. Diesen emotional auftretenden Kämpfer, eine Alternative auf sämtlichen Defensivpositionen, musste man mögen. In der Innenverteidigung sind die 05er breit aufgestellt. Das gilt auch für das Mittelfeld. Dort hat der Stratege Fabian Frei schon Mühe, in die Startelf zu rücken - und das Talent Suat Serdar rückt in dieser Abteilung jetzt einen Rang nach vorne. Links hinten klafft ohne Jara qualitativ eine Lücke. Gaetan Bussmann ist in der Rückrunde der Vertreter von Pierre Bengtsson. Der physisch starke Franzose hat sich taktisch gesteigert, fußballerisch könnte es eng werden in der Bundesliga.

Und was passiert, wenn sich Yunus Malli bis Ende Januar tatsächlich nach Dortmund verabschieden sollte? Yoshinori Muto als Zehner, Jhon Cordoba als Mittelstürmer. Ein paar Minuten war das schon zu sehen in der Köln-Partie nach der Wechselorgie in der zweiten Halbzeit. Auch das kann klappen. Der flinke Japaner sollte nicht weniger torgefährlich sein auf dieser Position als Malli. Ob auch der am Ball geschickte Cordoba Tore schießen kann, diese Frage ist noch nicht beantwortet. Gegen die Kölner scheiterte der Kolumbianer nur knapp, da rettete ein Kölner Abwehrspieler noch kurz vor der Torlinie.