Rehberg: Überraschungen im Pokal? Das war einmal

Der DFB-Pokal. Foto: dpa

Erste Runde im DFB-Pokal. Wird es Überraschungen oder Sensationen geben? Bestimmt. Die eine oder andere. Aber wahrscheinlich nicht viele, meint unser Kolumnist Reinhard Rehberg.

Anzeige

. Seit gut zehn Jahren gibt es eine Tendenz: Insbesondere die Bundesligisten leisten sich im DFB-Pokal nur noch selten die für das Image wenig förderlichen Ausrutscher gegen unterklassige Klubs.

Woran das liegen mag? Die Erstligisten wissen, dass der Underdog nur dann eine Chance hat, wenn der physisch, spielerisch, taktisch und von der individuellen Klasse her hoch überlegene Favorit mental schlampig auftritt. Das lassen die Erstligatrainer nicht mehr zu. Der „kleine“ Gegner wird beobachtet, anaylsiert, der eigenen Mannschaft per Video vorgestellt mit seinen Stärken und Schwächen, der Matchplan wird ausgetüftelt, die Gefahren werden besprochen, das Motivationsprogramm läuft – da wird nichts mehr dem Zufall überlassen. Und dann ergeben sich für die Außenseiter immer seltener die Chance, fußballerische Unterlegenheit zu kompensieren mit Laufstärke, Zweikampfgift, Konterstärke, grenzenloser Emotionalität und Spielglück.

Eigentlich schade. Die Zeiten, in denen unterklassige Mannschaften sogar das Finale erreicht haben, sind lange vorbei. 1992 hat letztmals ein Zweitligist den goldenen Pokal in die Höhe gestemmt. Hannover 96 hatte im damaligen Wettbewerb nach dem 4:3 n. E. im Endspiel gegen Borussia Mönchengladbach fünf Bundesligisten bezwungen. Heute kaum mehr vorstellbar.

Damals hatten Sensationen Tradition. 1993 zogen die Amateure von Hertha BSC ins Finale ein (0:1 gegen Bayer Leverkusen). 1994 zog der wirtschaftlich marode Regionalligist RW Essen ins Finale ein (1:3 gegen Werder Bremen). 1997 stand der Regionalligameister Energie Cottbus im Endspiel (0:2 gegen den VfB Stuttgart). 2001 spielte der Zweitligist Union Berlin das Finale (0:2 gegen Schalke). 2004 schaffte das der Zweitligist Alemannia Aachen (2:3 gegen Werder). Die bis heute letzte ganz große Überraschung: 2011 schaffte der Zweitligist MSV Duisburg den Sprung bis nach Berlin (0:5 gegen Schalke).

Anzeige

Seitdem? DFB-Pokal-Endspiele mit Bundesligabesetzung. Bayern München, Borussia Dortmund, VfB Stuttgart, VfL Wolfsburg, Eintracht Frankfurt, VfB Leipzig. Das war´s. Und wir dürfen davon ausgehen, dass das im Wettbewerb 2019/20 nicht anders aussehen wird. Sportlich spricht das für die Ernsthaftigkeit der Erstligisten. Der DFB-Pokal ist wirtschaftlich zumindest interessant, eine Final-Teilnahme oder der Sieg stärken die Marke und damit die Vermarktungsmöglichkeiten. Dazu kommt der mögliche Einzug in den Europapokal. Was man daraus machen kann, das hat in den vergangenen beiden Jahren die Frankfurter Eintracht demonstriert.