Rehberg: Vereine sollten Verantwortung übernehmen

Einsatzkräfte der Polizei im Stadion. Foto: fotosr52 / adobe.stock

Die Kosten für Polizeieinsätze bei Risikospielen im Fußball werden weiterhin diskutiert. Unser Kolumnist Reinhard Rehberg meint hierzu: Die Vereine sollten endlich...

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. Gesamtgesellschaftlich betrachtet verhält sich der deutsche Profifußball in der Diskussion um die Finanzierung von Polizeieinsätzen nicht klug. Die Summen, um die da gerade gestritten wird am Fallbeispiel Werder Bremen, bewegen sich nicht in Dimensionen, die den Profifußball überfordern.

Wenn die als Risikospiele bezeichneten Fußball-Veranstaltungen zusätzliche Polizeieinheiten notwendig machen, dann kosten diese organisatorischen Kraftanstrengungen Geld. Aus der Staatskasse. In Zeiten, in denen sich wieder vermehrt „Problemfans“ rund um die Stadien und in den Stadien austoben mit Gewaltaktionen, mit Böller und Feuerwerk oder mit Zerstörungswut, in diesen Zeiten sollten die Veranstalter Verantwortung übernehmen. Auch vor dem Hintergrund, dass so mancher Verein sich damit schwer tut, klare Grenzen zu ziehen zwischen dem Klub und den Randalierern. Immer wieder gibt es Funktionäre, die diese gewaltbereiten Ultra-Gruppierungen nicht verprellen wollen. Und dann wird direkt oder indirekt miteinander paktiert.

Die Idee, unter der Leitung der DFL einen Polizeikosten-Fonds aufzustellen, der Zusatzkosten bei Risikospielen abdeckt, ist vernünftig. Und das wäre gesamtgesellschaftlich betrachtet auch ein Zeichen für: Übernahme von Verantwortung. Nur ein Beispiel: Würde jeder Bundesligist pro Saison die lächerliche Summe von einer Million Euro in diesen Fonds stecken, dann könnten die Polizeieinsätze bei Risikospielen schon mit 18 Millionen Euro unterstützt werden. Nicht zu vergessen: Das Bundesverwaltungsgericht hat die Forderung nach Beteiligung des SV Werder an Zusatzkosten von Seiten der Polizei im Bundesland Bremen bereits als legitim eingestuft.

Nun werden manche Vereine reklamieren: Wir haben gar keine gewaltbereiten Anhänger – warum sollen wir dann dafür zahlen? Es dürfte kein Problem sein, einen Schlüssel aufzustellen, welche Klubs wie oft auffällig werden mit „Problemfans“, und dann zahlt der eine Verein eben ein paar Euro mehr ein in den Fonds als der andere. Entsprechende Statistiken für die Berechnung einer zu erstellenden „Gebühren-Ordnung“ liegen ja bereit.

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Auch Stunden nach Spielende noch im Einsatz

Vergleiche hinken immer. Aber wenn wir betrachten, welche Summen pro Saison und pro Klub in die Taschen wandern von mal mehr, mal weniger gierigen bis windigen Berateragenturen, deren tatsächlicher Aufwand bei Spielertransfers sich recht übersichtlich darstellt, dann lässt sich festhalten: Ein Polizeikosten-Fonds im zweistelligen Millionenbereich wäre dagegen eine zu vernachlässigende Größenordnung für die Vereine.

Man muss auch bedenken, wie viele Stunden Polizeibeamte auch nach Spielen noch vor dem Bildschirm verbringen, um Filmaufnahmen aus den Stadien zu sichten und Einzeltäter herauszufiltern. Landen Einzeltäter vor Gericht, dann sind die Klubs zur Stelle, dann werden die Täter (ab und zu) haftbar gemacht für entstandene Schäden im Stadion oder für von der Sportgerichtsbarkeit ausgesprochene Strafzahlungen.

Bislang hat nur das Bundesland Bremen finanzielle Unterstützung eingefordert. Aber andere Bundesländer werden dem Beispiel folgen, das ist nur eine Frage der Zeit. Der DFL und den deutschen Profiklubs würde es gut zu Gesicht stehen, proaktiv tätig zu werden.