Rehberg zum FC Ingolstadt: Partie gegen Mainz 05 ist die...

Maik Walpurgis. Foto: dpa

Auch der nächste Gegner des FSV Mainz 05, der FC Ingolstadt, steht mit dem Rücken zur Wand. Anders als die Mainzer, rangiert die Elf von Maik Walpurgis bereits in der...

Anzeige

. Die Gefahren, die in einer engen Anbindung an ein Wirtschaftsunternehmen stecken, hat nun auch der FC Ingolstadt auf dem Tisch. Der örtliche Autogigant ist mit 19,94 Prozent beteiligt an der FC Ingolstadt 04 Fußball GmbH. Das Bundesliga-Unternehmen steht mit sieben Punkten Rückstand auf den Relegationsrang vor dem Abstieg in die Zweite Liga. Der Autobauer hat seit drei Wochen die Staatsanwaltschaft im Haus. Auch die VW-Tochter Audi soll in den Skandal mit manipulierten Diesel-Abgaswerten verstrickt sein.

Mit diesem Thema werden sich die Fußballprofis in ihrer Freizeit nicht überragend intensiv beschäftigen. Aber sollte nun auch noch die VW-Abteilung Audi zu horrenden Strafgeldern in Milliardenhöhe verdonnert werden, dann kann das, ähnlich wie am Standort Wolfsburg, auch in Ingolstadt Auswirkungen haben auf die künftige finanzielle Ausstattung des Fußballbetriebs. Und wenn der künftig nur noch zweitklassig sein sollte, dann senken die Automanager - die haben dem FC Ingolstadt unter anderem die komplette Infrastruktur mit Stadion, Trainingsgelände und Nachwuchsleistungszentrum bezahlt - womöglich noch entschiedener den Daumen.

Harald Gärtner plant längst zweigleisig. Der Fußball-Geschäftsführer hat mit Trainer Maik Walpurgis verlängert, der Vertrag gilt auch für die Zweite Liga. Walpurgis, der am 12. November den glücklosen Markus Kauczinski beerbt hat, hat in Ingolstadt für eine Aufbruchstimmung gesorgt. Der 43-Jährige hat seiner Mannschaft ein klares Spielkonzept vermittelt, er hat mit seiner impulsiven Art dem Kader Leben eingehaucht, er hat anfänglich ein paar Überraschungserfolge organisiert. Aber seit Februar haben die Ingolstädter aus sieben Spielen nur noch vier Punkte rausgequetscht. Dem 2:0 in Frankfurt und dem 2:2 zu Hause gegen den 1. FC Köln stehen fünf Niederlagen gegenüber. Am kommenden Sonntag schlagen die 05er im Audi-Sportpark auf. Die Ingolstädter werden sich sagen: Gegen wen wollen wir noch gewinnen, wenn nicht gegen die angeschlagenen Mainzer?!

Trainerlaufbahn hatte immer Vorrang bei dem ehrgeizigen Einzelgänger

Anzeige

Beim jüngsten 0:1 in Dortmund hat der FC dem haushohen Favoriten einen großen Kampf geliefert. Die Ingolstädter waren kämpferisch und taktisch hervorragend eingestellt, sie bereiteten dem BVB große Probleme - aber sie machten aus einen halben Dutzend klarer Chancen kein Tor. Mittelstürmer Dario Lezcano, ein Arbeitertyp wie Jhon Cordoba, hat viele Strafraumszenen. Aber der Mann aus Paraguay trifft selten. Vier Saisontreffer weisen keinen Torjäger aus. Und der kleine Mathew Leckie, der überragende Läufer und Sprinter in der Startelf, hat noch überhaupt kein Tor geschossen. Das ist die Schwäche der Ingolstädter, die ansonsten leidenschaftlich rennen, gut organisiert die Räume zustellen, quer über das Feld pressen, Zweikämpfe gewinnen und Druck machen. An der mangelnden Effizienz scheitern bessere Ergebnisse.

Walpurgis stammt aus Herford. Wegen diverser Verletzungen musste er schon im Alter von 18 Jahren seine Fußballerkarriere beenden. Der Sohn eines millionenschweren Unternehmers aus der Sicherheitsbranche stürzte sich auf den Trainerberuf. Zwischendurch beendete er noch sein Studium zum Diplom-Kaufmann. Doch die Trainerlaufbahn hatte immer Vorrang bei dem ehrgeizigen Einzelgänger. Fünf Jahre hat er den Aufstieg des Dorfvereins Sportfreunde Lotte begleitet. Als Regionalligameister ist er 2013 in der Relegation an RB Leipzig gescheitert.

Mainz-Partie ist schon so etwas wie die letzte Ausfahrt

Später berief er sich auf eine mündlich vereinbarte Ausstiegsklausel und wechselte nach einigem Getöse zwischen den beiden Klubs zum Drittligisten VfL Osnabrück. Das funktionierte überhaupt nicht. Nach einem verpatzten Saisonstart flog der menschlich eigenwillige, im Umgang unbequeme Walpurgis raus. Dass den Hobby-Klavierspieler nach dieser Vorgeschichte ein Bundesligist von der Couch geholt hat, das war eine große Überraschung. Aber der rothaarige Polterer hat seine Ambitionen nie hinter einen Vorhang versteckt. Der Perfektionist, der seinen Rasen im heimischen Vorgarten nicht minder akribisch pflegt wie der Grünflächenmann das Spielfeld im Stadion, wollte immer ganz nach oben. Seine Lieblingslektüre: Die Biografien von Ottmar Hitzfeld und Carlo Ancelotti.

Aktuell sieht es danach aus, als müsste Walpurgis zunächst noch mal einen Umweg über die Zweite Liga einbauen. Die Mainz-Partie ist schon so etwas wie die letzte Ausfahrt. Sollten die Ingolstädter diese drei Punkte nicht ziehen, dann könnte der Abstand zum HSV - der empfängt an diesem Spieltag den 1. FC Köln - uneinholbar werden. In dieser Konstellation steckt auch eine Chance für die 05er: Der Gegner hat mehr Druck. Walpurgis weist das von sich. Bisher habe man in der Rückrunde überwiegend gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte spielen müssen, erklärte der FCI-Coach dieser Tage. „Wir spielen jetzt gegen Gegner aus der unteren Tabellenhälfte. Da haben wir die Chance, jede Woche drei Punkte zu holen. Warum soll uns das nicht gelingen?“ Na ja, weil möglicherweise schon die Mainzer etwas dagegenzusetzen haben.