Rehberg: Zweiter Europapokal-Block hat Spuren hinterlassen

05-Verteidiger Giulio Donati (l.) im Zweikampf mit dem Leipziger Marcel Halstenberg. Foto: dpa

In diesem zweiten Saisonblock mit elf Spielen binnen drei Wochen zahlen die 05er für den physischen und mentalen Stress und auch für die Verletztensituation auf wichtigen...

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. Stellen wir die beiden einzigen positiven Aspekte voran. Nach desaströsen ersten 45 Minuten haben die Mainzer in Leipzig die zweite Halbzeit mit 1:0 gewonnen. Anteil daran hatte der Debütant Ramalho. Der in der 67. Minute für Jean-Philippe Gbamin eingewechselte Brasilianer zeigte kämpferisch und spielerisch gute Ansätze als zweiter defensiver Mittelfeldspieler.

Die Entscheidung ist in der ersten Halbzeit gefallen. Da stimmte im 05-Team gar nichts. Auch nicht der strategische Ansatz. Weit nach vorn verschoben verteidigen und im Mittelfeld nahezu alle Bälle hergeben, das kann gegen eine Pressing- und eine Sprintabteilung, wie sie die Leipziger am Start haben, nicht funktionieren. Die Elf von Martin Schmidt ist in der ersten Halbzeit sehenden Auges in die bekannte Pressing- und Umschaltfalle des Rasenballsportklubs getappt. Die 05er ließen sich in der Mitte des Spielfeldes die Bälle klauen. Und dann eröffneten sie - mit ihrer unabgestimmten, ohne Absicherung organisierten Defensivstruktur - dem Gegner riesige Angriffsräume in der Tiefe. Genau das, was die technisch hervorragenden Turbosprinter Timo Werner, Yussuf Poulsen, Marcel Sabitzer und Emil Forsberg benötigen für ihre Überfallattacken.

Die ausgeruhten Leipziger, emotional gerade auf eine Welle als Überraschungszweiter in der Tabelle, nutzten den fehlerhaften Horchrisikoansatz der Gäste brutal aus. Dieser Geschwindigkeit im direkten Passspiel auf geraden Bahnen in die Tiefe plus den entsprechenden Tempoläufen mit dem Gesicht zum gegnerischen Tor waren die 05er in dieser Verfassung nicht gewachsen. Da mag auch das frühe Gegentor eine Rolle gespielt haben. Mit drei Gegentreffern binnen der letzten fünf Minuten hatte das Schmidt-Team die düstere Anderlecht-Nacht beendet. Und nach nicht mal drei Spielminuten in der Leipzig-Partie lag die Kugel schon wieder im eigenen Netz. Das zwang den 05ern die Ballbesitzrolle auf. Und das liegt dieser Umschalt-Mannschaft nicht.

Die mühsamen Versuche, irgendwie über ein mehr oder weniger konstruktives, letztlich unpräzises und von wenig Überzeugung getragenes Positionsspiel in die Partie zu finden, weideten die aggressiven Leipziger lustvoll und gierig aus. Strategisch wäre es klüger gewesen, ab dem 0:1 zunächst einmal in einer tiefer angelegten Ordnung Stabilität aufzubauen, Konter zu vermeiden, den Gegner kommen zu lassen, einen höheren Rückstand zu vermeiden und die Aufholjagd auf später zu verschieben. Aber so weit ist diese junge Mannschaft im Gespür für taktische Erfordernisse noch nicht. Schon gar nicht mit einem 1:6 im Rücken, mit matten Beinen und mit einem müden Kopf. Und mit dem erst 19 Jahre alten Suat Serdar auf der Zehnerposition und mit dem hauptberuflich als Außenbahnläufer angestellten Daniel Brosinski im zentralen Mittelfeld.

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Balogun-Blackout

Im Pokalspiel in Fürth und zu Hause gegen den FC Ingolstadt hatten die Mainzer die gegnerischen Konterversuche schon in den Mittelfeldzonen aggressiv gefressen. In Leipzig gelang das, ebenso wie in Anderlecht, überhaupt nicht. Zwei Pässe von der Mittellinie aus genügten den RB-Profis zum 1:0 durch Timo Werner. Ein Sprint über die rechte Außenbahn und ein Querpass genügten den RB-Profis, um beim 2:0 von Forsberg im Mainzer Strafraumzentrum eine Situation herzustellen, in der Giulio Donati, der Rechtsverteidiger (!), zwei Stürmer abzudecken hatte. Die Innenverteidiger? Weit weg. Längst überlaufen. Ein Sprint über die linke Außenbahn und ein Querpass genügten, um beim 3:0 erneut Werner frei vors Tor zu stellen. Dabei erlebte Leon Balogun einen Blackout, als er den Überblick verlor, seinen Lauf abstoppte und den sprintenden Forsberg für einen kurzen Moment ziehen ließ.

Die Variante mit drei Innenverteidigern und mit den beiden nach vorn verschobenen, das Mittelfeld verstärkenden Außenverteidigern griff besser. Ob das vom Anpfiff weg die bessere Lösung gewesen wäre, darüber lässt sich nur spekulieren. Lassen wir das. Die Leipziger hatten viel Kraft gelassen bis zur Pause. Das Team von Ralph Hasenhüttl musste in der Aggressivität und im Umschalttempo nach gut einer Stunde zwei Gänge zurückschalten. Auch das half den Mainzern, stabiler zu werden.

Wobei man nicht vergessen darf: Die Leipziger ließen vor Stefan Bells Eckball-Anschlusstor zwei prächtige Konterchancen liegen für ein mögliches 4:0. Aber: Ab der Einwechslung des mit Frische, Aggressivität und Übersicht gesegneten Ramalho haben sich die 05er gewehrt. In der nun anstehenden Länderspielpause geht es darum, die Batterien neu aufzuladen. Dieser zweite Europapokalblock hat körperlich und mental Spuren hinterlassen.