Rehbergs Birmingham-Tagebuch: Die Liebe der Engländer zur...

Das noble Mannschaftshotel des FSV Mainz 05 liegt auf dem Gelände des St. George´s Park. Foto: René Vigneron

Einige Journalisten aus Mainz begleiten das 05-Trainingslager in England von Burton-upon-Trend aus. Ein kleines Midlands-Städtchen, das 12 Kilometer entfernt liegt vom...

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. Einigen der aus Mainz angereisten Journalisten ist das noble Mannschaftshotel des FSV Mainz 05 auf dem Gelände des St. George´s Park zu teuer. Wir begleiten das Sommertrainingslager der Bundesligafußballer von Burton-upon-Trent aus. Ein Midlands-Städtchen, etwa 12 Kilometer entfernt vom Übungscamp. Wir wohnen in einem kleinen Landhotel mit einem typisch englischen Pub, dessen weitläufiger Garten begrenzt wird von den direkt in den Fluss ragenden Trauerweiden. Der Trent, der als drittgrößter Fluss Englands der einzige ist, der in nördliche Richtung fließt, erinnert in seiner Breite, Fließgeschwindigkeit und Uferlandschaft an die Lahn, behauptet einer der Kollegen, einer anderer kontert mit der Nidda. Egal. Schön ist es hier, ruhig, idyllisch. Wir befinden uns in der Grafschaft Staffordshire, in der Teile des Naturschutzgebiets "National Forest" liegen.

Gigantisches Gelände mit zwei Hotels

Mitten hinein in diese Naturidylle nahe Städten wie Birmingham, Coventry, Derby, Leicester, Luton, Nottingham, West Bromwich oder Wolverhampton hat der Englische Fußballverband (FA) den St. George´s Park platziert, das Ausbildungszentrum für die 24 Nationalmannschaften. Ein gigantisches Gelände mit zwei Hotels, einem FA-Bürokomplex, zwei Fußballhallen (eine davon mit einem Kunstrasen in Originalgröße und Zuschauertribünen) und mit 12 grandios gepflegten Trainingsfeldern. Viele der Plätze sind benannt nach ehemaligen Fußballgrößen wie Sir Alf Ramsey, David Beckham, Gary Lineker, Alan Shearer oder Michael Owen. Bei einem ersten Rundgang am Sonntagvormittag ist uns klar geworden: Ja, die Engländer lieben ihren Rasen, die emotionale Beziehung der Menschen zu diesen kultivierten Grasflächen muss man zweifellos ansiedeln zwischen Leidenschaft und Besessenheit.

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Also, die 05-Profis werden hier sechs Tage lang üben auf einem mit der Nagelschere geschnittenen Premiumnaturgras, dessen Untergrund nicht die kleinste Unebenheit ausweist. Teppichqualität. Schaut man den Platzwartathleten nur ein paar Minuten bei ihrer laufintensiven Arbeit zu, dann spürt man: Verständnis, Hingabe, Opferbereitschaft. Wir vermuten: An dieses Gras dürfen nur Fanatiker ran, Einstellungsvoraussetzung sind neben einem abgeschlossenen Gartenbaustudium und einem Esoterikkurs ("Der Pflanzenflüsterer") noch 85 Länderspiele. Auf den grünen Hinweisschildern für übereifrige Touristen steht (übersetzt): "Gras wächst in Zentimetern, Füße töten es." In Deutschland würde diese Beschriftung schnöde bellen: "Betreten verboten!"

Lauwarmes Bier aus großen Kelchen

Land und Leute werden wir in unserem Landgasthof "The Riverside" intensiv kennen lernen in den nächsten Tagen. Nach unserer Ankunft nach 12 Stunden Autofahrt (inklusive der 75 Minuten auf der Fähre zwischen Calais und Dover) gerieten wir im herrlichen Garten am Trent direkt in eine Doppelhochzeit-Gesellschaft. Die beiden Bräute in ihren champagnerfarbenen Kleidern tranken das lauwarme Bier aus den ganz großen Kelchen, und schon am frühen Abend standen die rau-herzlichen Damen ebenso wie die Männer kurz vor dem Verlust ihrer Muttersprache. Beim Frühstück am Sonntagmorgen war den Bräuten dann aber, im Gegensatz zu ihren Vätern, überhaupt nichts anzumerken von den Gartenexzessen im strömenden Gewitterregen. Respekt.

Wir haben hier unsere ersten Lektionen gelernt: Der Engländer liebt seinen Rasen, er ist trinkfest und er kann sehr gut mit Regen leben. Sie werden sagen: Das ist bekannt. Stimmt. Aber man weiß es erst so richtig, wenn man es erlebt hat. Zum Beispiel im St. George´s Park und im "The Riverside" in Burton-upon-Trent.