Rehbergs Birmingham-Tagebuch: Trainerteam mit Masterplan

Mit 05-Urgestein und Torwarttrainer Stephan Kuhnert (hinten links) sowie Bo Svensson wollen Keld Bordinggard, Kasper Hjulmand und Flemming Pedersen (v.l.n.r.) die Mannschaft auf die Erfolgsspur bringen. Archivfoto: hbz / Kristina Schäfer

Kasper Hjulmand und seine Kotrainer Keld Bordinggaard und Flemming Pedersen verstehen sich als Team. Die 05-Trainercrew, zu der auch Ex-Profi Bo Svensson gehört, hat eine...

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. Wir sitzen in einem der Caferäume des Hotels auf dem St. George´s Park und sprechen mit Kasper Hjulmands Kotrainern Keld Bordinggaard und Flemming Pedersen. Plötzlich springt Pedersen von seinem Sessel auf. Der 51-Jährige springt auf dem Teppich umher und demonstriert, welchen Fehler Julian Baumgartlinger macht, wenn ein Pass auf ihn zukommt. Der 05-Mittelfeldspieler öffne bei der Ballannahme seinen Körper nicht direkt in die nach vorne gewandte Spielrichtung, das mache ihn anfällig für Pressingattacken, da bleibe dem Österreicher nur der Sicherheitspass zurück oder bestenfalls zur Seite.

Bordinggaard lächelt. Die Dänen-Crew ist verliebt in das Passspiel, das wichtigste nonverbale Kommunikationsmittel im Fußball. Sender und Empfänger. Wenn das nicht funktioniert, wenn die Kugel nicht präzise und schnell innerhalb des Kollektivs bewegt wird - hartes und präzises Zuspiel, saubere Annahme, sichere Mitnahme, kreative Weiterleitung mit Raumgewinn -, dann stockt das Spiel. Pedersen strahlt über das gesamte Gesicht. In Fußballdetails kann der passionierte Langläufer baden.

"Keine Revolution, nur eine Weiterentwicklung"

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Über die Arbeit der drei Dänen kann man sich nach wie vor kein Urteil erlauben. Die Trainingseinheiten sind anders als bei Thomas Tuchel. Darin steckt keine Wertung. Viele Weg führen nach Rom. "In Mainz braucht es keine Revolution, sondern eine Weitereintwecklung", sagt Bordinggaard. Der 51-Jährige ruht ins sich. Der Mann, der vier Jahre Kotrainer des dänischen Nationaltrainers Morten Olsen war und der fünf Jahre das U21-Team seines Heimtlandes verantwortet hat, ist die Mensch gewordene Gelassenheit.

"Als ich bei Morten Olsen angefangen habe, da hat sich für mich ein neues Buch geöffnet", erzählt Bordinggaard, der als ehemaliger Spieler (unter anderem Profi bei Panionios Athen) heute noch mit beiden Füßen exzellent schießen und flanken kann. "Morten hat mir eine neue Perspektive gegeben von Offensive." Respekt für die Grundidee des Fußballs, so Bordinggaard: Den Ball haben, Tore schießen, Mut haben, etwas zeigen wollen, attraktiv nach vorne spielen. "Morten war der Schlüssel in meiner Karriere." Pedersen hat einst den Ballbesitzfußball von Ajax Amsterdam unter Johan Cruyff studiert, Bordinggaard hat vom ehemaligen Ajax-Trainer Olsen gelernt und er hat sich ebenso wie Kasper Hjulmand von Pep Guardiola und dem FC Barcelona inspirieren lassen.

"Die Ideen von Kasper wirken"

Wir sind mal ganz ehrlich: Das tägliche Passtraining der Dänen macht einen deutschen Journalisten, der in Mainz inspiriert ist von Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, etwas nervös. Wir vermissen in den Spielformen das Tempo, die Aggressivität, die wilde Balljagd, die Balleroberungsgier, die Intensität in den Zweikämpfen, die Umschaltdynamik. Wir leben von der Vorstellung, dass Mainz 05 ohne diese Basis vielleicht ganz nett mitspielen, aber keine Bundesligaspiele gewinnen kann.

"Wir sind jetzt in einer Entwicklungsphase", sagt Bordinggaard. "Die Ideen von Kasper wirken, das hat sich gezeigt", ergänzt Pedersen. Bordinggaard: "Wir entwickeln gerade einen Plan, mit dem man konkurrenzfähig ist auch gegen größere Klubs. Und da fahren wir auf zwei Gleisen: Das eine ist das Resultat, das andere ist die Entwicklung."

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Man müsse inhaltlich einen ganz bestimmten Weg gehen, "und dann kommen die Resultate automatisch". Wie nenne das Kasper immer gerne, so Bordinggaard: "The Scoreboard takes care of itsself.” Wir übersetzen das mal so: Die Anzeigentafel mit dem Spielergebnis ist das Resultat von Leistung. Oder: Leistung in den physischen, spielerischen und taktischen Inhalten vergrößert die Wahrscheinlichkeit, gute Resultate einzufahren. Der Weg muss stimmen, sagt Pedersen.

"Unser erstes Ziel ist es, Spiele zu gewinnen, jedes Spiel"

Man spürt: Die drei Dänen, die sich gemeinsam mit Ex-Profi Bo Svensson als Kooperative verstehen mit dem Teamleiter Kasper Hjulmand, haben einen Entwicklungsplan. Der braucht aber, das ist eindeutig, von Beginn an Ergebnisse. Weiterkommen in der Europaliga, nächste Runde im DFB-Pokal. Dann kommt die Bundesliga. Die ist definitiv kein Experimentierfeld, da bekommt man ohne Starterfolge keine Zeit für Entwicklungen. Da kommen die Ergebnisse für Mainz 05 nur, wenn von der Bereitschaft und von der Defensivqualität her sehr viel stimmt. "Da müssen wir natürlich auch pragmatisch denken", versichert Bordinggaard. "Wir respektieren die Bundesliga. Alle Spiele sind eng und immer offen. Wir werden Spiele erleben, in denen von unserer Grundphilsophie vielleicht nicht viel zu sehen sein wird. Unser erstes Ziel ist es, Spiele zu gewinnen, jedes Spiel. Wir brauchen Punkte." Klingt schlüssig. Das atmet eine von inhaltlicher Überzeugung getragene Selbstsicherheit.

"Wir geben den Spielern im Moment unsere Ideen vom Spiel. Wir schreiben ein Manuskript, um später kreativ sein zu können in unserem Spiel", sagt Keld Bordinggaard. Und irgendwann werde man hoffentlich sagen können: "Da stimmt alles, da hat man Lust zu tanzen." Die Neugier auf den Masterplan ist geweckt, die Spannung steigt.