Schierstein und die alten Griechen

Die gesperrte Schiersteiner Brücke. Foto: dpa

Der Begriff "Absacker” hat gerade in der Fastnacht herausragende Bedeutung. Aber wenn es blöd läuft, geht alles den Bach runter.

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. Während der Fußballer Marco Reus seinen Vertrag bei Borussia Dortmund verlängert, weil der BVB ihm einen Führerschein druckt, drohten die Griechen jetzt, ihren Vertrag mit der EU fristlos zu kündigen, weil die EU nicht mehr so viel Geld für Griechenland drucken will. Viel schlimmer ist aber, dass die Schiersteiner Brücke ausgerechnet kurz vor Fastnacht ihre Kooperation mit Mainz und Wiesbaden aufkündigt, weil sie den fastnachtlich gefärbten Begriff "Absacker" offenbar missverstanden hat. Wenn das mal nicht ausufert. "Himmelfahrt" und "Brückentag" waren bis jetzt ein positiv besetztes Wortpaar, das könnte sich ändern. Auch Zahnärzte sind schon unruhig. "Brücke" ist auch eine Defensivstrategie beim Ringen, obwohl Autofahrer gerade auf Brücken bislang nicht zwischen Freistil und griechisch-römisch unterscheiden. * Vielleicht sollte man künftig für Brückenbau-Ingenieure den Erwerb des Freischwimmerzeugnisses verlangen. "Panta rhei", sagte der griechische Philosoph Heraklit, alles im Fluss. Keine angenehme Vorstellung. * Im Ernst. Die Griechen drohen der EU, mit Krawallmachen waren sie schon immer flott bei der Hand. Wir sagen nur: Trojanischer Krieg. Das soll so um 1300 vor Christus gewesen sein, Otto Rehhagel war also noch nicht griechischer Fußballnationaltrainer, es gab aber schon entsprechende Überlegungen. Die Vorgeschichte: Die Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite waren zusammen bei einer Hochzeit eingeladen, und wie das dann so ist: drei Frauen auf einer Hochzeit, das wird nix. Nicht zutreffend sind allerdings Gerüchte, Aphrodite habe aus Frust Aphrodisiaka erfunden und unters Volk gestreut. Richtig ist vielmehr: Eris, die Göttin der Zwietracht (bitte nicht verwechseln mit Eintracht Frankfurt) warf einen Apfel mit der Aufschrift "für die Schönste" in die Runde. Zeus sollte entscheiden, aber der alte Schlawiner hielt sich raus und schickte Hermes, Inhaber eines bekannten Versandhandels, der Hera, Athene und Aphrodite zum Königssohn Paris brachte. Der war leider korrupt. Er votierte für Aphrodite, weil sie ihm als Gegenleistung Helena versprach, die schönste Frau auf Erden, ein Angebot, das man(n) nicht ablehnen kann. Blöderweise war Helena aber noch mit Menelaos verheiratet. Egal, sagte sich Paris, und anstatt nach Frankreich zu ziehen und schon mal den Eiffelturm zu bauen, floh er mit Helena nach Troja.

Folge: Menelaos attackierte mit einem Heer von Griechen Troja. Das Gemetzel währte zehn Jahre, und zeitweise nahmen so berühmte Leute wie Brad Pitt alias Achilleus an der Schlacht teil, wie man in dem Film von Wolfgang Petersen aus dem Jahr 2004 erkennen kann. Schließlich fanden die Griechen die Achillesferse von Troja. Sie taten so, als würden sie sich zurückziehen, hinterließen den Griechen als Abschiedsgeschenk ein riesiges Holzpferd, das innen hohl war, und das deshalb nicht an offiziellen Championatsspringen teilnehmen konnte. Im Hohlraum innen waren griechische Kämpfer, und die Leute von Troja waren so hohl, das angebliche Geschenk in ihre Mauern zu holen. Seitdem spricht man, kein Scherz, computermäßig vom "Trojaner". Einfachere Gemüter rezipieren aus der Geschichte immerhin noch den Slogan: "Erzähl‘ mir keinen vom Pferd." * Wenn wir das lesen, wird uns klar, wie das mit der Schiersteiner Brücke in Wahrheit ist. Um die verwaltungstechnisch zu Wiesbaden gehörenden Mainzer Stadtteile Amöneburg, Kostheim und Kastel zurück zu erobern, versuchten die Mainzer einst, zwecks Angriff auf die Festung Wiesbaden ein trojanisches Pferd nach Hessen einzuschleusen. Der Coup flog aber auf, weil findige Wiesbadener auf dem berühmten Pfingst-Reitturnier versuchten, das trojanische Pferd zu satteln und zu füttern. Daraufhin änderten die Mainzer ihre Strategie, und deshalb saßen viele Jahrzehnte lang Mainzer Ranzengardisten in Wechselschicht im Inneren der Schiersteiner Brücke, um von dort aus Wiesbaden irgendwann mal zu unterwandern. Als sie jetzt ermüdet ihr Feldlager auflösten, verlor die Brücke natürlich ihre inneren Werte und brach, vor allem mental, ein. So war das in Wahrheit.