Südamerika dominiert bei Heim-WM

Arturo Vidal ist mit seinen Chilenen zufrieden - vorzeitig im Achtelfinale, jetzt geht's gegen die Niederlande sogar um den Gruppensieg. Foto: dpa

Keine zwei Wochen ist die Fußball-WM alt und dennoch hat das Turnier in Brasilien bislang vieles gehalten, was sich die Millionen von Fans gewünscht haben: Überraschungen wie...

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. Von Ali Reza Houshami

Zahlreiche Fußballanhänger durften sich über ihre Tickets zu den WM-Spielen freuen, auch viele Ehemalige, Fußball-Funktionäre und Promis wie Leonardo Di Caprio fanden den Weg in die Stadien. Dennoch gibt es auch Leute, wie im prominenten Fall Franz Beckenbauer, welchen der Eintritt leider verwehrt blieb. Schade, sorgt doch die WM bislang für genügend Unterhaltung - so die spannenden Duelle oder das Schmunzeln über den gesprühten "Rasierschaum" bei den Standardsituationen - sowie für reichlich Diskussionsstoff, etwa bei zweifelhaften Elfmeterentscheidungen und der neu eingeführten Torlinien-Technik.

Superstars überzeugen, Fußballnationen scheitern

Während viele WM-Teilnehmer stets auf das Kollektiv schwören, Jogi Löw gar von den "ersten 14" statt der ersten Elf sprach, wiegt vor allem den erklärten Superstars eine schwere Last auf den Rücken: Neymar weiß als personifizierte Hoffnung Brasiliens anscheinend damit umzugehen und steuerte mit zwei Treffern viel zum Auftaktsieg der Seleção gegen Kroatien und dem voraussichtlichen Achtelfinaleinzug bei, Portugals "CR7", Cristiano Ronaldo, blieb beim 0:4-Debakel gegen Deutschland ungefährlich, scheiterte selbst an der Ein-Lahm-Mauer und gegen die USA gelang ihm wenig. Viermaliger Weltfußballer Lionel Messi war bei seinen zwei Partien zwar abgemeldet, dennoch schoss er mit jeweils einem Treffer die Argentinier in der Gruppe F quasi im Alleingang zu ihren beiden Siegen und ins Achtelfinale.

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In der Gruppe B sind die Oranjes und General Louis van Gaal zu wahren Feierbiestern geworden, dank der vorzeitigen Qualifikation sowie vor allem dem 5:1-Erfolg gegen die Furia Roja, die das Rückflugticket nach Madrid schon gebucht hat. Stattdessen spielt Geheimfavorit Chile im direkten Duell gegen die Niederlande um den Gruppensieg. Spanien ist aber nicht die einzige große Fußballnation, die vorzeitig ausgeschieden ist - auch das Mutterland des Fußballs, England, hat den Anschluss an die Elite trotz Rooneys' erstem WM-Treffer verpasst. Die Trauer bei der Queen wäre jedoch geringer, sollten auch die Italiener beim "Endspiel" gegen Uruguay vorzeitig scheitern. Dann wäre in der Gruppe D die Sensation nach dem Überraschungscoup Costa Ricas perfekt. Die Südamerikaner, keineswegs überraschend, sind also bärenstark unterwegs.

Afrikanischer Rausch

So auch in der Gruppe C, wo Kolumbien bereits weiter ist, während Griechenland, das 2004 mit "Rehakles" auf den europäischen Fußballolymp gestiegen war, ebenso auf das Weiterkommen hofft wie die punktgleichen Japaner. Die größten Chancen besitzt aber die Elfenbeinküste, der ein Remis reicht. Während Ghana in der Gruppe G noch um das Achtelfinal-Ticket bangt (Sieg gegen Portugal nötig), kann Nigeria mit einem Unentschieden (gegen Argentinien) in der Gruppe F in die K.o.-Phase einziehen - ebenso wie die Wüstenjungs aus Algerien, die nach dem starken 4:2-Sieg gegen Südkorea an der Sensation schnuppern. Vier afrikanische Teams im Achtelfinale - das wäre eine historische Marke für den Schwarzen Kontinent. Aus der Traum hingegen für Kamerun, das - statt um Prämien zu handeln - nur noch zum Schaulaufen gegen den Gastgeber antritt.

Die kroatischen Bundesliga-Legionäre Olic und Mandzukic fiebern in der Gruppe A dem Match gegen Mexiko entgegen, um mit einem Sieg ins Achtelfinale zu marschieren. Ihr ehemaliger Vereinskollege Franck Ribery verfolgt die WM zwar von daheim, freuen darf er sich dennoch: Frankreich ist nicht nur furios mit zwei Siegen gestartet, Angreifer Benzema geht zudem in die Annalen ein, kam doch bei seinem zunächst zweifelhaften Treffer gegen Honduras erstmals die Torlinien-Technik zum Einsatz. Die Schweiz könnte in der Gruppe E mit einem Sieg (gegen Honduras) der Équipe tricolore folgen, da die punktgleichen Ecuadorianer die gleichen Chancen besitzt, aber mit der Frankreich die deutlich schwerere Aufgabe vor der Brust haben.

Pessimismus trifft Realität

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Und Deutschland - nach dem typisch vorherrschenden Pessimismus vor einem Turnier wuchs nach dem hohen Sieg gegen Portugal schnell die Hoffnung auf den ersehnten WM-Titel und des Selbstbewusstsein im Land, ehe das hart umkämpfte Remis gegen die "Black Stars" aus Ghana die Anhänger von Trainer Löw und seine "Hausmeister" Mertesacker, Lahm und Co, die überlaufende Euphorie zur richtigen Zeit dämpfte und die Deutschen auf den Boden der Tatsachen brachte. Klar ist, Deutschland ist ein Titelanwärter! Aber, wie es Manuel Neuer nach dem Sieg gegen Portugal bereits auf den Punkt brachte, "es geht nicht von alleine." Nun kommt es gegen den Ex-Bundestrainer und Wahlamerikaner Klinsmann zum Showdown. Ein Remis genügt beiden Teams, aber wer spielt schon auf Unentschieden? Außerdem gilt für den DFB: Möglichst Gruppenerster werden, um den favorisierten Belgiern aus dem Weg zu gehen, die in Gruppe H beste Chancen auf den Gruppensieg haben.

Ob das von der FIFA an Beckenbauer ausgesprochene Stadionverbot wieder ausgesetzt wird und der Kaiser eventuell doch noch Schwarz-Rot-Gold auf dem Rasen live miterleben darf, ob "Jogger" Löw mit seiner Truppe bis ins Finale "müllert", das bleibt abzuwarten.