Von der Leyen will schnell Impfstoffe gegen Corona-Mutanten

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Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, setzt vor einem Treffen ihren Mund-Nasen-Schutz auf. Foto: dpa

Die EU-Kommissionspräsidentin kündigt eine schnelle Reaktion auf Mutationen an. Der deutsche Gesundheitsminister stellt derweil kostenlose Schnelltests ab März in Aussicht.

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BRÜSSEL/BERLIN. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat einen Aktionsplan im Kampf gegen die gefürchteten Varianten des Coronavirus vorgelegt. Ziel ist, rasch angepasste Impfstoffe gegen die mutierten Viren in großen Mengen zur Verfügung zu haben. "Neue Varianten des Virus entwickeln sich schnell, aber wir müssen in unserer Reaktion noch schneller sein", erklärte von der Leyen am Mittwoch in Brüssel.

Der Plan namens "Hera Incubator" setzt an drei Stellen an: Entdeckung der mutierten Viren, schnelle Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen und Ausbau der Impfstoffproduktion in der EU.

Um die mutierten Corona-Viren gezielter aufzuspüren, schlägt die Kommission die Entwicklung spezialisierter Tests und die verstärkte Nutzung der sogenannte Genom-Sequenzierung vor. Dafür sollen 75 Millionen Euro EU-Gelder bereit stehen, zur Erforschung der Virusvarianten noch einmal 150 Millionen Euro. Ein Netzwerk aus 16 EU-Staaten und fünf weiteren Ländern namens "Vaccelerate" soll klinische Tests beschleunigen, auch bei Kindern und Jugendlichen.

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Regeln für Impfstoffe sollen einfacher werden

Der zweite Punkt ist die rasche Zulassung von Impfstoffen, die an die Virusmutationen angepasst wurden. Dazu sollen die Regeln vereinfacht werden. Zudem sollen Genehmigungsverfahren für neue oder umgewidmete Impfstofffabriken beschleunigt werden. Die Kommission bringt darüber hinaus eine gemeinsame Notfallzulassung auf EU-Ebene ins Gespräch, bei der die EU-Staaten das Haftungsrisiko gemeinsam tragen würden. Bisher gibt es Notfallzulassungen in der EU nur auf Ebene der Mitgliedsstaaten und auf eigenes Risiko. Die USA und Großbritannien hatten nach Notfallzulassungen ihre Impfkampagnen mehrere Wochen früher gestartet als die EU.

Dritter Schwerpunkt des Aktionsplans ist der rasche Ausbau der Impfstoffproduktion in der EU. Künftige Lieferverträge sollen einen detaillierten Lieferfahrplan enthalten sowie den Nachweis an verlässlichen Produktionskapazitäten. Die Kommission will helfen, mögliche Lieferengpässe unter anderem bei Rohstoffen zu entdecken und zu beheben. Zur Debatte stellt die Kommission einen "freiwilligten Lizensierungsmechanismus" zum Technologietransfer.

Spahn: Ab März kostenlose Schnelltests für alle Bürger

Bald sollen alle Bürgerinnen und Bürger in Testzentren oder Apotheken kostenlose Schnelltests auf das Corona-Virus machen lassen können. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Mittwoch in Berlin, von März an wolle man "jedem, der möchte, einen Antigen-Schnelltest anbieten können". Die Kosten würden aus dem Bundeshaushalt finanziert, erklärte Spahn. Auf Nachfrage erklärte er, Schnelltests seien ausreichend verfügbar, allerdings könne er nicht garantieren, dass es sie immer, an jedem Ort und zu jeder Zeit gebe.

Spahn zufolge sollen Anfang März auch die ersten Selbsttests für Laien erhältlich sein. Die Zulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte stehe bevor. Die PCR-Tests blieben aber "der Goldstandard", sagte der Gesundheitsminister und forderte alle Menschen mit Symptomen wie Husten oder Fieber auf, sich einen Termin für einen PCR-Test geben zu lassen. Auch jeder positive Schnell- oder Selbsttest müsse durch einen PCR-Test bestätigt werden.

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Bisher werden die Antigen-Schnelltests vor allem in Pflegeheimen und in Krankenhäusern verwendet, um Personal, Patienten, Bewohner und Besucher zu testen. Die Testungen müssen von geschultem Personal vorgenommen werden. Ein positives Ergebnis sollte laut Empfehlung des Robert-Koch Instituts durch einen PCR-Test bestätigt werden, da die Schnelltests als nicht so zuverlässig gelten wie ein PCR-Test, der im Labor ausgewertet wird.

Von dpa