Vor dem Achttausender

Schon im Hinrundenspiel in Berlin machte Ex-05er Sami Allagui (im Bild mit Ramos und auf Kobiaschvilis Schultern) eine gute Figur. Jetzt heißt es für Mainz trotz Euphorie Obacht. Foto: dpa

Wer glaubt, Mainz 05 befinde sich nach vier Punkten aus den Spielen in Schalke und Leverkusen in einer Erfolgs-Endlosschleife, ist auf dem Holzweg. Mit Hertha kommt am Sonntag...

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. Weil’s so schön ist und so rund läuft und so viel Laune macht und einen immer wieder zum Staunen bringt und man als Freund des gepflegten Mainzer Fußballs nicht genug davon kriegen kann, könnte es immer so weitergehen. Der kommende Bundesliga-Monat lädt dazu ein, mag man meinen. Was nach dem erfolgreich bewältigten Doppelpack gegen die Champions-League-Achtelfinalisten Schalke 04 und Bayer Leverkusen kommt, das regeln die 05er mit ihrer Leichtigkeit des Seins. Ein Selbstläufer. Und wer waren noch mal diese Bayern, die am 22. März die Punkte in Mainz abgeben?

Stopp, Vollbremsung! Genug damit. Kurz runterkommen, den Puls senken, sich besinnen und die - wie Trainer Thomas Tuchel es gerne formuliert - Antennen ausfahren. Besoffen vor Freude über die starken Vorstellungen der Tuchel-Elf sollte man nicht den Fehler machen, zu denken, dass sich die 05er in einer Erfolg-Endlosschleife befinden. Man darf auf eine Fortführung der positiven Erlebnisse und Serien hoffen, erwarten sollte man sie nicht. Die Hürden, die sich da auftürmen, sind gewaltig hoch. Schon am Sonntag stellt sich einAchttausender in den Weg. Wer bei Hertha BSC nur an das A wie Aufsteiger denkt, sollte es ganz schnell gegen das A wie auswärtsstark austauschen. Die Berliner sind alles andere als gern gesehene Gäste, weil sie nicht nach der Pfeife der Gastgeber tanzen und sie darüber hinaus die Frechheit besitzen, sich zu krallen, was sie kriegen können.

Nur Bayern und BVB sind in der Fremde erfolgreicher

Fünf Siege und drei Remis (bei nur drei Niederlagen) machen die Hertha nach Bayern München und Borussia Dortmund zur drittbesten Bundesliga-Mannschaft in der Fremde. Dort holt die "alte Dame" mehr Punkte als zu Hause; was sie mit Blick auf die jeweils besten Zehn der europäischen Topligen nur mit Manchester United und den Tottenham Hotspur gemeinsam hat. Die Berliner Basis: Ein Bollwerk, das in elf Auswärtsspielen nur 14 Gegentore zugelassen hat (auch das ist der drittbeste Liga-Wert). Wer durch will, muss viele Löcher bohren und noch schneller sein, um durch eines zu schlüpfen. Der Hertha-Mörtel ist oft flugs angerührt und trocknet blitzschnell. Wo war da noch mal die Lücke? Wer da die Geduld verliert, verliert.

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Die kommenden Wochen, sie stecken voller Möglichkeiten und gleichzeitig voller Tücken und das Anforderungsprofil der Aufgaben, die nun kommen (Hertha, Hoffenheim, Bayern, Braunschweig), könnte unterschiedlicher nicht sein. Deshalb macht es Sinn, den Blick nicht zu weit schweifen zu lassen. Und die Emotionen zu zügeln. Damit die gute Laune nicht allzu schnell verdorben ist, wenn es mal nicht so rund läuft.

Ulrich Gerecke