WM-Analyse: Portugal - Ronaldos großer Schatten

Cristiano Ronaldo kann allein ein Spiel entscheiden. Doch wehe Portugal, wenn er ausfällt. Foto: dpa

Cristiano Ronaldo überstrahlt alles in der portugiesischen Nationalmannschaft - und auf der Insel Madeira, wo er mit drei Jahren das Kicken lernte. Doch dass Superstar CR7...

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. Von Pascal Affelder

Ankunft am „Christiano Ronaldo Airport“, Besuch des „Ronaldo-Museums“ und Übernachtung im „Hotel CR7“. So könnte ein Urlaubstrip nach Madeira aussehen. Hier wurde der als „CR7“ bekannte, fünffache Weltfußballer Cristiano Ronaldo geboren. Hier, auf der Insel im Südwesten Portugals, wird er regelrecht vergöttert. Weil er sie auf die Karte brachte und weil er ihren Bewohnern eine Identifikationsfigur gab.

Heute ist Ronaldo 33 Jahre alt - das Fußballspielen begann er im Alter von drei, in den Straßen von Santo António, im Kreis Funchal. Dort machen kleine Jungen und Mädchen heute ihre ersten Balltritte mit dem Traum, mal so zu werden wie Ronaldo. Seinem ersten Fußball-Verein, dem Amateurklub CF Andorinha, trat Ronaldo mit acht Jahren bei, weil sein Vater dort als Zeugwart arbeitete. Nur zwei Jahre später buhlten mit Nacional Funchal und Marítimo Funchal bereits die beiden führenden Vereine auf der Insel um das Ausnahmetalent. Weil der Vertreter von Marítimo nicht zum vereinbarten Treffen mit Ronaldos Berater erschien, fiel die Wahl auf Nacional, wo er direkt eine Jugendmeisterschaft gewann.

Weitere zwei Jahre später folgte, nach einem dreitägigen Probetraining, bereits der Wechsel zur U15 von Sporting Lissabon. Seinen Durchbruch schaffte Ronaldo 2002, als er für das Profiteam Lissabons debütierte und in den portugiesischen Kader für die U17-Europameisterschaft berufen wurde, bei der er sein Können schließlich der ganzen Fußballwelt demonstrierte.

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Bei Manchester United und Real Madrid reifte er zu einem der besten Fußballer der Geschichte. Ein Ausnahme-Kicker, dessen Strahlkraft den restlichen Kader der portugiesischen Nationalmannschaft völlig in den Schatten stellt. Bezeichnend ist das Bild, als er das Team nach seiner verletzungsbedingten Auswechslung im Finale der Europameisterschaft 2016 zum Titel peitschte. Als könnte er auch am Spielfeldrand den Unterschied machen. Nun soll CR7 seine Nation auch zum WM-Titel führen. Doch was, wenn der 33-Jährige mal seine Karriere in der Nationalmannschaft beendet?

Ohne Ronaldo wird aus dem ICE eine Regionalbahn

Wenn CR7 geht, fehlt es den Portugiesen definitiv an Star-Power. Ricardo Quaresma mit 34 und Pepe mit 35 Jahren werden wohl beide ihr letztes großes Turnier spielen. Bernardo Silva absolvierte eine starke Saison bei Manchester City, ist aber sicher kein Leader. Gleiches gilt für Gelson Martins von Sporting Lissabon. Nach der Europameisterschaft 2016 in Frankreich freuten sich die Südeuropäer über einen neuen Hoffnungsträger: Mittelfeld-Talent Renato Sanches spielte ein riesiges Turnier. Prompt folgte der Wechsel zum FC Bayern München, der internationale Durchbruch stand bevor.

Doch Schnitt: Sanches enttäuscht auf ganzer Linie und wird an Swansea City ausgeliehen, wo er komplett in der Versenkung verschwindet. Jetzt kehrt der 20-Jährige zum Rekordmeister zurück. Dass er sich dort plötzlich durchsetzen wird, ist unwahrscheinlich. Klar: Mit 20 Jahren hat der Youngster noch seine ganze Karriere vor sich. Aber nach einem neuen Hoffnungsträger für Portugal sieht derzeit nichts aus. Schon viele Jahre sonnen sich die Fußballer von der iberischen Halbinsel im Antlitz ihres schillernden Mega-Stars Ronaldo. Jetzt müssen sie aufpassen, dass sie nicht in dessen Schatten von der Bildfläche verschwinden.