WM-Einwurf: Brasilien verliert Favoritennimbus

Brasilien (gelbe Trikos) beißt sich an Guillermo Ochoa (blaues Trikot) die Zähne aus. Foto: dpa

Ein überragender Keeper, ein souveräner Schiedsrichter, ein paar pfeifende Zuschauer - und schon ist der selbsternannte Topfavorit Brasilien einen Großteil dieser Bürde los....

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. Von Björn-Christian Schüßler

Der Gastgeberbonus ist definitiv aufgebraucht. Brasilien muss gegen Mexiko richtig hart arbeiten. Fiel der Schiedsrichter im ersten Duell mit Kroatien noch auf Freds Schwalbe herein, hatte diesmal der Türke Cüneyt Cakir nicht nur den Überblick, sondern auch in allen strittigen Entscheidungen den richtigen Riecher. Dass es Marcelo kurz vor Schluss nach einem leichten Griff seines Gegenspielers dennoch versuchte und unnötig im Strafraum fiel, zeigt dabei auch die Hilflosigkeit, mit der die Seleçao immer wieder gegen das brillant von Rafael Marquez organisierte mexikanische Bollwerk anlief. Mann des Abends war diesmal nicht Neymar, sondern Mexikos Torwart Guillermo Ochoa, der seinen Kasten auch im zweiten WM-Spiel mit überragenden Paraden sauber hielt.

Dass auch Brasilien hinten die Null hielt, ist zwar schön für Keeper Julio César, doch das ist es dann auch schon. Die Pfiffe der Zuschauer, für den ungeliebten Fred, aber auch für das eines Titel-Topfavoriten ungenügende Ergebnis, belegen, wie es um das Team von Luiz Felipe Scolari bestellt ist. Denn der Eindruck, dass eben auch eine Portion Gastgeberbonus im Spiel war beim Auftakt gegen Kroatien, erhärtet sich: technisch versiert reicht nicht, ein bisschen mehr Treffsicherheit darf es auf dem Weg durch das Turnier schon sein.

Sensation lag in der Luft

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Klar, Brasilien hatte die besseren Chancen. Mehrfach bot sich die Möglichkeit, aus kurzer Distanz zur Führung zu kommen. Doch auch Mexiko spielte munter mit, erarbeitete sich annähernd ein Gleichgewicht an Ballbesitz und hätte in der Schlussphase aus der Überraschung durchaus eine Sensation machen können.

Es ist nicht zu vermuten, dass Brasilien sich nun gegen Kamerun vor Angst in die Hosen macht. Doch ein bisschen Respekt dürften die Südamerikaner doch haben, denn vier Punkte werden wohl in Gruppe A nicht zum Weiterkommen ausreichen. Der selbsternannte Topfavorit steht also auch öffentlich viel deutlicher unter Druck, als das alle erwarten konnten. Neymar und Co. werden sich das Duell der Afrikaner gegen Kroatien deshalb genau anschauen, um im Endspiel um die nächste Runde nicht auf Elfmeterglück und Heimbonus vertrauen zu müssen.

Einen Hintergrundtext aus dem WM-Blog zu Brasilien finden Sie HIER.