Gesundheitsexperte fordert weniger Kliniken in Deutschland

Der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Josef Hecken. Archivfoto: epd

Deutschland hat 700 Krankenhäuser zuviel, meint Gesundheitsexperte Josef Hecken. Es sei eine umfassende Strukturreform nötig.

Anzeige

BERLIN. Deutschland hat nach Ansicht des Chefs der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, Josef Hecken, zu viele Krankenhäuser. "Wir haben zurzeit 1900 Krankenhäuser, 1200 wären genug", sagte der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).

Der Bundesausschuss ist mit Vertretern von Ärzten, Kliniken und gesetzlichen Krankenkassen besetzt. Er ist das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen und entscheidet beispielsweise darüber, welche Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

Umfassende Strukturreform notwendig

Die Kliniken müssten künftig die Arbeit klüger untereinander aufteilen, forderte Hecken. Kleinere Krankenhäuser auf dem Land sollten sich auf einfache Eingriffe beschränken, während anspruchsvolle Operationen nur in darauf spezialisierten Zentren durchgeführt werden sollten. "Das wäre gut für die Wirtschaftlichkeit und für die medizinische Qualität." Um den zu erwartenden weiteren Anstieg der Krankenhauskosten zu bremsen, sei eine umfassende Strukturreform nötig.

Anzeige

Im Sommer 2019 hatte die Bertelsmann-Stiftung mit einer Studie zur Krankenhausdichte in Deutschland für Wirbel gesorgt. Darin wurde vorgeschlagen, die Zahl der Kliniken auf unter 600 zu reduzieren. Die Bündelung von Ärzten und Pflegepersonal sowie Geräten in weniger Krankenhäusern würde zu einer höheren Versorgungsqualität führen, hatten die Autoren argumentiert. Ärztevertreter und Kliniken hatten mit massiver Kritik reagiert.

Von Jörg Ratzsch