Weiterer Impfstoff gegen Corona ab September im Test

Forscher aus Marburg, München und Hamburg arbeiten bei der Entwicklung zusammen. Doch auch die Konkurrenz schläft nicht.

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MARBURG, HAMBURG, MÜNCHEN. (epd/son). Möglichst ab September soll nach Angaben der Universität Marburg ein weiterer potenzieller Impfstoff gegen das neue Coronavirus in ersten klinischen Versuchen am Menschen getestet werden. „Der Bauplan für den Impfstoff ist fertig. Jetzt muss der Impfstoff für die klinischen Tests noch produziert werden“, sagte der Marburger Virologe Stephan Becker am Montag. Becker ist Koordinator des Bereichs „Neu auftretende Infektionskrankheiten“ im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). Finanziell und logistisch habe man alles zusammen, um bald die klinische Prüfung der Phase I zu starten. In Marburg soll dabei vor allem überprüft werden, wie die Antikörper-Antwort auf den Impfstoff ausfällt. Bereits seit Ende April ist zudem auch das Mainzer Unternehmen Biontech dabei, seinen genbasierten Impfstoff gegen das neue Coronavirus in ersten klinischen Tests zu prüfen.

Der von Stephan Becker angekündigte Impfstoff wird nun zunächst für die erste klinische Phase von der Firma IDT Biologika in Dessau hergestellt, teilte die Universität Marburg weiter mit. Die Produktion werde voraussichtlich in drei Monaten abgeschlossen sein, so dass die klinischen Tests im September starten könnten. Dennoch werde in diesem Jahr noch kein Impfstoff zur Verfügung stehen. Die Entwicklung eines Impfstoffs sei „ein langwieriger, mühsamer Prozess“, erklärte Becker.

Der Impfstoff, der für die Tests verwendet wird, sei unter der Leitung des Virologen Gerd Sutter von der Ludwig-Maximilians-Universität München entwickelt worden. Die klinische Prüfung werde von der Virologin Marylyn Addo vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf geleitet. Addo sei bereits maßgeblich an der Entwicklung des Ebola- und des Mers-Impfstoffs beteiligt gewesen.

Bei dem Impfstoff handelt es sich um einen „Vektor-Impfstoff“. Bei diesem nutzt man einen seit 30 Jahren bekannten und gut getesteten Basisimpfstoff als Plattform und kombiniert dessen genetische Information mit dem Bauplan eines wichtigen Teils des neuen Coronavirus. Auf diese Weise hofft man nach der Impfung auf eine entsprechende Immunantwort, die das Coronavirus bekämpfen kann. Der Basisimpfstoff, der hierfür verwendet wurde, wurde bereits als Impfstoff gegen die Pocken genutzt und im DZIF erfolgreich für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Mers-Coronavirus verwendet, für den die ersten klinischen Tests bereits abgeschlossen sind.