„Er hat seinen Mut mit dem Leben bezahlt“

aus Der Mordfall Walter Lübcke

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Die Auszeichnung wurde (v. l.) von Lübckes Ehefrau, Irmgard Braun-Lübcke, sowie seinen Söhnen Christoph und Jan-Hendrik entgegengenommen. Rechts: Ministerpräsident Volker Bouffier. Foto: dpa

Er war ein Mann, der mutig für seine Überzeugungen einstand – und von einem Rechtsextremisten ermordet wurde. Jetzt ist Walter Lübcke mit der Leuschner-Medaille geehrt worden.

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WIESBADEN. „Walter Lübcke hat sich aus voller Überzeugung für Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit eingesetzt, er pflegte das offene Wort, war mutig und stand zu seinen Überzeugungen. Für seine aufrichtige und unerschrockene Einstellung hat er mit seinem Leben bezahlen müssen.“ Mit diesen Worten hat der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier am Sonntag in Wiesbaden die Verleihung der Wilhelm-Leuschner-Medaille an den früheren CDU-Politiker und Kasseler Regierungspräsidenten begründet. Die höchste Auszeichnung des Landes wurde traditionell am 1. Dezember, dem Verfassungstag des Landes vergeben. Sie wurde in diesem Jahr erstmals posthum vergeben.

Lübcke war am 2. Juni in seinem Haus im Landkreis Kassel erschossen worden. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Der Hauptverdächtige Stephan Ernst hatte die Tat zunächst eingeräumt, dann aber sein Geständnis widerrufen. Vor wenigen Tagen kündigte sein Anwalt ein neues Geständnis an.

Der Mord an Lübcke habe ganz Hessen fassungslos gemacht, sagte der Regierungschef. Die Bekämpfung von Rechtsextremismus, von Aufrufen zu Hass und Gewalt obliege nicht alleine den Sicherheitsbehörden, sondern sei Aufgabe der ganzen Gesellschaft. „Dazu brauchen wir keine Helden mehr, sondern engagierte Demokraten“, meinte Bouffier. Die Auszeichnung wurde vor etwa 350 Gästen von Lübckes Ehefrau, Irmgard Braun-Lübcke sowie seinen Söhnen Jan-Hendrik und Christoph entgegengenommen.

In einer bewegenden Rede sagte Jan-Hendrik Lübcke, die Gefühle seien kaum zu beschreiben, wenn einem der Ehemann und Vater genommen werde. Wie Wilhelm Leuschner habe sein Vater sich nicht einschüchtern lassen. Es sei schwer zu begreifen, dass Rechtsextremismus in Deutschland wieder Raum finde. „Wir müssen dieser Unkultur von Hass und Hetze entgegenwirken. Wir müssen uns einmischen, anstatt wegzusehen“, sagte Lübcke, dem während der Danksagung immer wieder die Stimme stockte.

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Bouffier gab im Anschluss an die Ehrung offiziell die Stiftung des Walter-Lübcke-Demokratiepreises bekannt, der künftig alle zwei Jahre verliehen werden soll. Damit sollten Einzelpersonen, Vereine, Projekte oder Initiativen ausgezeichnet werden, die sich in besonderer Weise für die Werte der Demokratie einsetzten. „Damit wollen wir das Vermächtnis Walter Lübckes lebendig halten“, so der Regierungschef.

Musikalisch gerahmt wurde die Feier vom Blechbläserensemble der Heeresmusikkorps Kassel – und angesichts des Anlasses überraschenden Klängen: beispielsweise dem Udo-Jürgens-Schlager „Immer wieder geht die Sonne auf“. Musik, die nach Bouffiers Worten allerengsten Bezug zum zuversichtlichen Naturell Walter Lübckes hat. Oder dem „Waldecker Lied“ („Unter allen Landen deutscher Erde preis ich Waldeck, mein lieb Heimatland“), das die Gäste am Ende der Verleihung zu Ehren des sein Leben lang überzeugten Nordhessen Lübcke gemeinsam anstimmten.

Die Wilhelm-Leuschner-Medaille ist benannt nach dem Gewerkschafter, Sozialdemokraten und ehemaligen hessischen Innenminister Wilhelm Leuschner, der am 29. September 1944 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde. Die Medaille wird seit 1965 jährlich verliehen.