Impf-Anmeldung in Hessen legt Telefonleitungen lahm

aus Coronavirus-Pandemie

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Alten- und Pflegeheime haben beim Impfen Priorität. Foto: Sascha Kopp Foto: Sascha Kopp

Die Telefon-Hotline und auch das Online-Portal waren kurz nach dem Start der Services nicht mehr erreichbar. Viele Hessen zeigen sich verärgert.

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WIESBADEN. Ab 8 Uhr morgens waren am Dienstag die Telefonleitungen und Online-Portale für die Reservierung eines Impftermins in Hessen geöffnet. Allerdings hieß es für viele der Anmeldewilligen den Morgen und den Vormittag über: „Kein Durchkommen“. Sowohl bei den Telefon-Hotlines als auch den Internetseiten für die Buchung von Corona-Impfterminen legte ab 8 Uhr der enorme Ansturm aus Hessen die Server und Leitungen lahm. Und schließlich ging einfach nichts mehr. Laut Innenministerium erfolgten innerhalb kürzester Zeit mehrere Millionen Zugriffsversuche auf die freigeschaltete Webseite und die Hotline.

Anmelden konnten sich Personen der „höchsten Priorität“, insbesondere über 80-Jährige, die dann zwischen 19. Januar und 5. Februar in den regionalen Impfzentren in Kassel, Gießen, Fulda, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt durchgeführt werden. Das sind in Hessen rund 400.000 Personen.

Im ersten Schub können 60.000 Impftermine vergeben werden. Hessen werden ab dem 18. Januar wöchentlich 49.000 Impfdosen zugeteilt und geliefert. Das Land hofft auf größere Impfstofflieferungen in den kommenden Wochen. Dann würde sich auch die Terminvergabe entspannen. Denn das Prozedere am Dienstag hat zu zahlreichen wütenden Wortmeldungen in den sozialen Netzwerken sowie an die Redaktion geführt. Vor allem war Geduld gefragt – aber auch die wurde nicht immer mit einem Impftermin belohnt. Unter der Nummer 116117 hieß es bereits früh per Bandansage, dass man es aufgrund der zahlreichen Anrufer zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen sollte. In den sozialen Netzwerken zeigten sich viele Hessen auch darüber verärgert, dass die Bandansage auf Englisch erfolgte. Für die Zielgruppe der Über-80-Jährigen sicher nicht das Richtige. Zahlreiche Anrufer erhielten zudem von der Telefon-Hotline zwischenzeitlich fälschlicherweise die Auskunft, dass bereits alle Impftermine vergeben worden seien.

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Auch im Internet war für viele kein Durchkommen: „Zur Zeit wird der Online-Service von sehr vielen Antragstellern gleichzeitig genutzt“, hieß es auf dem Portal ebenfalls am Morgen sowie am Vormittag. „Um die fehlerlose Bearbeitung sicherstellen zu können, haben wir die Anzahl der gleichzeitigen Online-Anträge begrenzt.“ Hier hieß es ebenfalls: Bitte später die Seite noch einmal aufrufen. Viele Nutzer kamen aber gar nicht bis zu diesem Punkt, bekamen sie doch direkt eine Fehlermeldung.

Im Laufe des Vormittags wurden rund 4000 Impftermine für hessische Bürger vereinbart. Aufgrund der millionenfachen Abfrage der Webseite kam es aber laut Innenministerium zu einer Überlastung der IT-Infrastruktur. Ab 15 Uhr war es wieder möglich, telefonisch Termine zu buchen. Wegen der anfänglichen Störungen wurden die Hotlines am ersten Tag zwei Stunden länger geschaltet, sodass am Dienstag noch bis 22 Uhr Termine telefonisch vereinbart werden konnten.

Opposition fordert schriftliche Einladungen

Die Oppositionsfraktionen kritisierten das Anmelde-Prozedere. FDP-Fraktionschef René Rock erklärt: „In einer Art Windhundrennen haben nicht unbedingt diejenigen einen Termin ergattert, die die Impfung am dringendsten brauchen. Besser ist, die Bürger schriftlich zu einem konkreten Impftermin einzuladen und dabei zu beachten, wer besonders schützenswert ist.“ Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Daniela Sommer, hielte dies für das bessere Verfahren: „Eine Einladung zu einem Impftermin hätte dieses Chaos verhindern können – zumal es bereits etablierte Einladesystematiken gibt“, und verweist dabei auf die Einladung für die Mammographie.