Verdi kündigt weitere Warnstreiks im ÖPNV an

Ein Streikender trägt eine Warnweste mit dem Verdi-Logo und eine rote Trillerpfeife.  Foto: dpa

In mehreren Städten Hessens werden Fahrer des öffentlichen Nahverkehrs am Samstag nicht zum Dienst antreten. Weitere ÖPNV-Beschäftigte streiken bereits am Donnerstag und Freitag.

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WIESBADEN / FRANKFURT. Neue Warnstreiks im Öffentlichen Nahverkehr: Mit ihrem Streikaufruf in mehreren hessischen Städtenwill die Gewerkschaft Verdi Druck in den laufenden Tarifverhandlungen machen. Am kommenden Samstag wollten die Fahrer von Bussen und Bahnen mit Beginn der Frühschicht die Arbeit niederlegen, teilte die Gewerkschaft mit. In Kassel seien Bahnen und Busse betroffen, in Marburg Busse, in Wiesbaden Busse und in Frankfurt U-Bahnen und Straßenbahnen.

„Der Streikaufruf liegt uns vor“, bestätigte der Sprecher von Eswe Verkehr, Christian Giesen. „Wir werden uns bemühen, den Betrieb so gut wie möglich aufrecht erhalten.“ Wenn am Samstag das komplette Unternehmen bestreikt werde, könne es jedoch sein, dass gar keine Busse fahren. Möglichweise werde es auch schon am Freitag Beeinträchtigungen im Betriebsablauf geben. Das werde auf allen Kanälen von Eswe Verkehr bekannt gegeben und auch auf den digitalen Fahrgastinformationsanzeigern zu lesen sein.

S-Bahnen und Busse sind kein vollwertiger Ersatz

S-Bahnen und Busse würden in Frankfurt dagegen fahren, betonte ein Sprecher der städtischen Verkehrsgesellschaft. Ein vollwertiger Ersatz für die wegen des Streiks nicht verkehrenden Linien könnten sie aber nicht sein. Den Fahrgästen werde empfohlen, möglichst kurz vor Fahrtantritt noch einmal aktuelle Informationen zu ihren Verbindungen einzuholen.

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In Kassel werden nach Angaben einer Sprecherin der Verkehrsgesellschaft KVG die RegioTrams auf ihren drei Linien am Donnerstag und Freitag von 6 Uhr bis 20 Uhr nur bis zum Hauptbahnhof Kassel fahren, die Runden durch die Kasseler Innenstadt entfallen. Am Samstag verkehren die RegioTrams der drei Linien nur in der nordhessischen Region. Sie fahren nicht in der Kasseler Innenstadt. Fahrgäste könnten auf die Busse des NVV ausweichen, die auch in Kassel unterwegs sein werden.

Schulbetrieb soll nicht gestört werden

Bereits an diesem Donnerstag und Freitag sei das Personal in der Technik, den Werkstätten und Verwaltungen zum Warnstreik aufgerufen. Dies könne zu Verzögerungen führen, da Störungen an Weichen oder Bahnen nicht repariert würden, sagte ein Verdi-Sprecher am Mittwoch. „Wir haben extra die Fahrer noch nicht an den normalen Wochentagen zum Streik aufgerufen, damit die Busse im Schüler- und Berufsverkehr nicht noch voller werden“, sagte Mathias Venema von Verdi Hessen.

Weitere Warnstreiks auch an den Samstagen im Advent behalte sich die Gewerkschaft jedoch vor. Verdi bezeichnete die Tarifverhandlungen mit dem kommunalen Arbeitgeberverband Hessen (KAV) über einen Spartentarifvertrag Nahverkehr als festgefahren. Beschäftigte im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Hessen erhielten im Schnitt rund 180 Euro pro Monat weniger Vergütung als ihre Kolleginnen und Kollegen in den umliegenden Bundesländern. Die Verhandlungen für die rund 4500 Beschäftigten sollen am 24. November fortgesetzt werden. Verdi verlangt neben mehr Geld eine Covid-Prämie.

Sie untermauern mit dem Streik die Forderung, dass in Hessen die bestehenden Entgeltgruppen angehoben und die Corona-Prämie unabhängig davon im Dezember ausgezahlt wird. „Hessen hat mit die niedrigsten Gehälter und dabei sind etwa im Rhein-Main-Gebiet die Lebenshaltungskosten sehr hoch“, kritisierte Venema. Die Arbeitgeberseite habe jedoch nur eine Gesamtlösung angeboten mit einer sehr kleinen Entgelterhöhung. „Die hessischen Busfahrer verdienen aber rund einen Euro weniger pro Stunde als viele ihrer Kollegen in Deutschland.“

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Von dpa / lhe