Dippegucker: Steakhouse Bueno in Griesheim

Junior-Chef Dalwin Hodzic im Service. Foto: Andreas Kelm

Am Rande von Griesheim bietet das Steakhouse Bueno alles, was Fleischliebhaber schätzen.

Anzeige

Griesheim. Würde es nur nach der Lage gehen – das Steakhouse Bueno in Griesheim hätte vermutlich kaum Chancen: Eher unauffällig liegt es am Rande der mit rund 27.000 Einwohnern größten Stadt des Kreises Darmstadt-Dieburg an einem Hotel und zwischen ungemütlichen Hochhäusern. Doch um es vorwegzunehmen: Die ungünstige Lage wird wettgemacht durch eine überzeugende Küchenleistung rund ums Steak, die sich keineswegs zu verstecken braucht. Wohnlich-warm ist die Atmosphäre in dem rund vierzig Plätze bietenden Lokal mit weinroten Stühlen und Pflanzabtrennungen, die für die Anordnung der Tische Flexibilität garantieren – ob größere Gruppen oder zu zweit, es wird passend gemacht. Was hingegen nicht passt: Die Speisekarte steckt in Klarsichthüllen auf einem Klemmbrett, was eher an einen Bürogroßhandel als an Fleischgenuss erinnert. Doch schließlich geht es um den Genuss, und da punktet das Steakhouse in der Griesheimer Hochhaussiedlung. Zunächst löscht ein Bier aus der Stuttgarter Familienbrauerei Dinkelacker den ersten Durst (Pils 0,3 Liter für 2,70 Euro) und es schmeckt der trockene Silvaner (0,2 Liter, 4,90 Euro) vom Weingut Dahlem aus Oppenheim. Zur Vorspeise gibt es sechs Weinbergschnecken in einer gut abgestimmten Kräutersoße (8,90 Euro), das fein geschnittene Rindercarpaccio ist ein Gedicht mit Ruccola, Pilzen, Tomaten und Parmesan (12,90 Euro). Herzhaft das Rumpsteak Chorizo (200 Gramm, medium, 14,40 Euro), dessen typischer Fettrand für besten Geschmack sorgt, die Bratkartoffeln (2,90 Euro) dazu waren kross gebacken und von würzigen Speckwürfeln begleitet. Serviert wird das Fleisch auf heißen Gussplatten – und mit einer hausgemachten Steaksoße, um die das freundliche Personal ein großes Geheimnis macht: Ein Volltreffer, über dessen gelungene Rezeptur beim Besuch der Dippegucker auch auf hartnäckiges Nachfragen nichts zu erfahren war. Das Geheimnis lohnt sich jedenfalls. Vollends überzeugt hat die Dippegucker auch der „Mixed Grill Bueno“ (19,50 Euro): Je hundert Gramm Hüft-, Rump- und Filetsteak beweisen, dass in der Küche des Bueno echte Experten am Werk sind: Das Fleisch hat seinen individuellen Charakter behalten, ob fein gemasert von kräftig-würzigem Geschmack (Hüftsteak), das Chorizo-Rumpsteak oder das zarte Filetsteak ohne jedes Fett, sehr fein im Geschmack. Ohne Fehl und Tadel auch das Entrecote-Steak (250 Gramm, 19,50 Euro): Medium Rare (außen kräftig gebräunt, innen noch roh) bestellt und auf den Punkt genau so serviert, zart, fast schon wie ein Filet war das Fleisch so gebraten, dass die heiße Gussplatte dem Gargrad des Fleisches nicht geschadet hat. Dazu einen saftigen, gegrillten Maiskolben (2,90 Euro) mit wohldossierten Röstaromen und einen trockenen Dornfelder aus Edenkoben (0,2 Liter, 4,90 Euro) rundeten den Hochgenuss zwischen Hochhäusern ab – wie auch das Filet Steak & Meer (200 Gramm Filetsteak und zwei Riesengarnelen mit Knoblauchsoße, 25,50 Euro). Dabei waren die Garnelen so vorbereitet, dass das Schälen am Tisch problemlos möglich war. Dazu gab es eine Kartoffel mit Sour Cream, gut gewürzt und mit besonderer Pfeffernote, auch das Grillgemüse war einwandfrei. Steigerungspotenzial bietet aber das Salatbuffet bei Auswahl, Qualität und Frische. Außergewöhnlich hingegen: Das Steakhouse hat auch Vegetarisches im Angebot. Zum Nachtisch schließlich der Klassiker: Vanilleeis mit heißen Himbeeren (oder Kirschen, je 5,20 Euro), serviert in schönen Coppagläsern, doch leider mit Sprühsahne. Das aber mindert nicht das rundum positive Bild dieses versteckt gelegenen Steak-Juwels, wo es die Küche versteht, die schwierige Lage zwischen Hochhäusern am Rande der Stadt vergessen zu machen.

Von Frank Horneff