Das Smartphone dockt sich ans Auto an

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Moritz Silzer von der VW-Produktkommunikation demonstriert, wie sich das Smartphone via Connect-App mit der Boldelektronik verbinden lässt. Die Symbole der einzelnen Apps erscheinen anschließend auf dem Display des Autos. Foto: Chowanetz

Der junge Mann kommt ins Autohaus. Er hat lange gespart, bekam zusätzliches Geld von Eltern und Großeltern, will sich jetzt seinen Traum von einem Neuwagen erfüllen....

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. Szenen wie diese sind natürlich allen Autoherstellern ein Dorn im Auge - und alle Unternehmen sinnen auf Abhilfe. VW hat eine Lösung entwickelt, die jetzt in immer mehr Modelle aller Konzernmarken integriert wird. Es ist, bei Licht betrachtet, eher eine Holzhammermethode als ein filigraner Ansatz (wobei das keinesfalls negativ gemeint ist). VW entschied sich, die drei derzeit erfolgreichsten Schnittstellen zum Auto-Entertainmentsystem zusammenzufassen und als eine gemeinsame Option bei der Konfiguration eines Neuwagens anzubieten. Connect-App heißt diese Lösung, hinter der sich die Konnektivitätsansätze Mirrorlink (für Geräte mit Android- und Symbian-Betriebssystem, Carplay (für Apple-Smartphones) und Android Auto (für Android-Mobiltelefone) verbergen. Dass die Android-Welt teilweise doppelt abgedeckt wird, hat drei Gründe: Zum hatte VW frühzeitig auf die Mirrorlink-Lösung als "Solisten" gesetzt und will den Standard eines Herstellerkonsortium nun nicht ohne Grund "kippen. Zweitens unterstützt Mirrorlink auch einige Smartphones, die nicht Android-kompatibel sind und drittens - besonders wichtig - muss VW global denken. Auf einem Markt wie dem chinesischen beispielsweise sei, so Pressesprecher Christian Buhlmann, der Einsatz des Android-Auto-Standard, hinter dem der in China unbeliebte Google-Konzerns steht, nicht wirklich empfehlenswert.

Völlig neue Welten eröffnen sich

Mit der Anbindung des Smartphones an die Bordelektronik eröffnen sich völlig neue Welten. Das Konzept der drei genannten Schnittstellen geht weit über das hinaus, was Fahrer bislang im Wagen mit ihrem Smartphone veranstalten konnten. Jetzt wird der Handy-Inhalt auf das Display des Autos gespiegelt. Gleichzeitig nutzt das Fahrzeug die Rechenpower des angeschlossenen Smartphones. Beispiel Routenplanung: Die Zeiten fest im Fahrzeug installierter Navigationsgeräte dürfte nun endgültig zu Ende gehen. Der Fährtensucher befindet sich nun auf dem Smartphone, Karte und Route werden aber auf dem Autodisplay angezeigt, als würde sich das Navi in der Bordelektronik befinden. Auf den neuesten Stand wird der Fajrtensucher zu Hause gebracht, Anwendungen wie das von Nokia entwickelte "Here" bieten kostenloses Kartenmaterial für die ganze Welt, das sich auch im Offline-Modus nutzen lässt.

Interessante Perspektiven für den Flottenmarkt

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Auch für den enorm wichtigen Flottenmarkt hat die neue Dimension der Konnektivität große Vorteile. Christian Buhlmann: "Die für den jeweiligen Nutzer eines Fahrzeugs relevanten Daten befinden sich nicht mehr im Auto, sondern auf dem persönlichen (Dienst-)Handy." Wenn der Mitarbeiter heute mit Fahrzeug A und morgen mit Fahrzeug B unterwegs sei, müsse er nicht jedes Mal umständlich seine Kontakte und seine Fahrziele ins Auto überspielen, um etwa unterwegs Termine auszumachen oder zu bestätigen.

Wie verhält es sich mit dem Datenschutz?

Parallel dazu ergeben sich neue Möglichkeiten der Telemetrie - theoretisch zumindest, denn längst nicht alle Fragen des Datenschutzes sind bereits geklärt. Technisch wäre es jedoch möglich, dass das Auto Informationen zu auftretenden Anomalien beim Motor direkt an die Werkstatt weiterleitet. In anderen Ländern, die es mit dem Datenschutz nicht so genau nehmen, gebe es, so Buhlmann, bereits Apps, mit denen sich die gefahrene Geschwindigkeit überwachen lässt. Ein denkbarer Ansatz sein, dass ein Vater seinem Sohn den Golf R unter der Bedingung leihe, dass der Fahranfänger nicht schneller als 130 lm/h unterwegs sein dürfe. Hält sich Sohnemann nicht an diese Auflage, erfährt es der Vater anschließend.

Kein Videostreaming während der Fahrt

Buhlmann gibt zu, dass solche Anwendungen nicht ohne Gefahr seien: "Sowohl die Autohersteller als auch die Kunden müssen sich fragen: Wie viele Informationen wollen wir austauschen - und mit wem?" Die Anfälligkeit für Datenmissbrauch werde sonst immer größer. Deshalb sieht der Nutzer von Connect-App auch nicht sämtliche Apps seines Smartphones auf dem Display im Auto. Über eine Art Whitelist wird definiert, welche Anwendungen in Hinsicht auf den Datenschutz ungefährlich sind - und natürlich auch, welche Apps den Fahrer nicht von seinen eigentlichen Aufgaben am Steuer ablenken. Eine Netflix-App beispielsweise hat nun einmal nichts im Fahrzeug zu suchen - oder muss zumindest deaktiviert werden, wenn das Auto nicht stillsteht.

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(Ein Bericht zum neuen Sharan, in dem Connect-App erstmals bei einem Fahrzeug der VW-Kernmerke zum Einsatz kommt, erschien in den Ausgaben der Rhein Main Presse im MotorJournal am 27. Juni. Ein Text zum neuen Touran, der ebenfalls mit Connect-App geordert werden kann, wird im MotorJournal vom 4. Juli zu lesen sein)