Knuff von der E-Klasse kann Leben retten

aus Im Auto Mobil

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Dank kaum noch zu zählender Einzelsysteme soll man in einem Fahrzeug der neuen E-Klasse so sicher unterwegs sein wie nie zuvor. Foto: Daimler

Wenn im Frühjahr 2016 die neue E-Klasse auf den Markt kommt, werden für das Mercedes-Erfolgsmodell so viele Sicherheits- und Komfortsysteme erhältlich sein wie für kein...

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. Bei welcher Gelegenheit kommt man eigentlich auf so eine Idee? Beim entspannten Chillen mit Kollegen im Biergarten? Kurz vor dem Einschlafen? Oder wenn bei einer langweiligen Präsentation die Gedanken abschweifen? Es gibt da also - und das sollten Sie sich vielleicht für den Fall merken, dass Sie bei Günther Jauch die Millionenfrage beantworten müssen - einen Stapedius genannten Muskel im Ohr, der sich bei lauten Geräuschen reflexartig zusammenzieht. Dadurch verändert sich kurzzeitig die Ankopplung des Trommelfells an das Innenohr, das dadurch besser gegen hohe Schalldrücke geschützt wird.

Danke an den Stapedius

Was das mit der neuen E-Klasse zu tun hat? Es leuchtet ein, dass besagte hohe Schalldrücke bei so ziemlich jedem Unfall auftreten, sei es durch den Aufprall des Fahrzeugs auf ein anderes, sei es durch den Auslöseknall des Airbags. Mercedes nutzt bei der Pre-Safe Sound genannten Neuheit die Empfindlichkeit des Stapedius in ebenso einfacher wie idealer Weise: Erkennt das Auto durch seine kaum noch zu zählenden Sensoren und Sicherheitssysteme, dass ein Unfall bevorsteht, wird über die Lautsprecher ein Geräusch eingespielt, das den Stapedius stimuliert - mit der Folge, dass der Schalldruck des eigentlichen Unfalls nur gedämpft an das Innenohr weitergegeben ist.

Kein Pfeifen im Ohr

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Das mag wie eine Spielerei klingen, spiegelt tatsächlich aber die Philosophie von Mercedes wider. Das Unternehmen will durch immer mehr, immer ausgefeiltere Sicherheitssysteme Unfälle vermeiden oder deren Folgen abmildern. Durch die Fülle der Einzelkomponenten des Pre Safe genannten Sicherheitssystem kann man sich ohne großen Aufwand auch vermeintlich nebensächlichen Unfallfolgen widmen: Der Schalldruck eines ordentlichen Crashs kann dazu führen, dass die Beteiligten tagelang ein Pfeifen im Ohr wahrnehmen. Das ist sicherlich nicht lebensbedrohend, muss aber jetzt nicht mehr sein.

Jeder Millimeter zählt

Um Leib und Leben geht es bei einer anderen Neuheit, die unter dem Namen Pre-Safe Impuls Seite ihre Premiere in der E-Klasse feiert. Der Neuentwicklung liegt die traurige Erkenntnis zugrunde, dass sämtliche Knautschzonen vor und hinter den Fahrzeuginsassen nur wenig nützen, wenn es zu einem seitlichen Aufprall eines anderen Fahrzeugs kommt - hier sind die Passagiere nur durch etwas Blech geschützt, das die enorme Energie bei einem Zusammenstoß nur unzureichend aufnehmen kann. Bei Pre-Safe Impuls Seite erkennen Sensoren einen drohenden Seitenaufprall und geben dem Fahrer (oder natürlich dem Beifahrer) gewissermaßen einen Knuff: Das System bläst in Sekundenbruchteilen Luftkammern in den Seitenwangen der Vordersitze auf, wodurch die Personen seitlich von der Tür wegbewegt werden. Das mag nach verzichtbarem Aktionismus klingen, aber, so Mercedes-Ingenieur Ralf Bogenrieder, "bei einem derartigen Unfall zählt jeder Millimeter, den man sich auf der Aufprallregion entfernt". Ein verstärkender Nebeneffekt sei, dass die Person dank ihrer Bewegung zur Fahrzeugmitte hin die Relativgeschwindigkeit, mit der sich das andere Auto nähert, etwas reduziert.

Autonomes Parken

Bisher war in Bezug auf Sicherheits- und Komfortsysteme die vor zwei Jahren auf den Markt gekommene S-Klasse das Maß aller Dinge. Wenn die E-Klasse im Frühjahr 2016 Premiere feiert, wird sie ihre große Schwester jedoch in vielerlei Hinsicht alt aussehen lassen. So lässt sich das Mittelklassemodell der Stuttgarter anders als deren Flaggschiff autonom ein- oder ausparken, also ohne dass jemand am Lenkrad sitzt. Das geht mit einer Smartphone-Steuerung, wobei das Auto nicht mehr als zwei km/h schnell ist. Das mag quälend langsam erscheinen, wer aber jemals zu seinem im Parkhaus abgestellten Wagen zurückkehrte und feststellen musste, dass der gnadenlos eingeparkt war, wird das Feature zu schätzen wissen, ebenso Besitzer von schmalen Garagen - und Freunde der großen Show. Wer vor der Eisdiele das Auto lässig in zweiter Reihe abstellt, aussteigt und den seitlichen Einparkvorgang mit seinem Smartphone steuert, dürfte sich der Aufmerksamkeit aller Augenzeugen sicher sein.

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Nachricht von der Wanderbaustelle

Von dieser Spielerei zu den ernsten Dingen des Autofahrerlebens. Erstmals kommt in der E-Klasse die Car-to-X-Kommunikation zum Einsatz. Entsprechend ausgerüstete Autos melden Gefahrenstellen auf ihrer Route (Unfälle, Nebel) an eine Leitstelle, die wiederum die Fahrer im Umkreis über das Display warnt. Je mehr Wagen mit Car-to-X ausgestattet sind, desto vollständiger wird das Bild der Verkehrssituation. Doch nicht nur die Autos steuern Daten für Car-to-X bei. In Hessen gibt es ein Projekt, bei dem Wanderbaustellen ihre jeweilige Position melden. In Städten könnten sich irgendwann einmal Ampeln beim Wechsel von Grün auf Rot nach dem tatsächlichen Verkehrsgeschehen richten und nicht mitten in der Nacht einer autoleeren Nebenstraße Vorfahrt gewähren, nur weil das Steuerungsprogramm das so vorsieht.