Mein erstes Mal - unterwegs in einem Defender

aus Im Auto Mobil

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Der Defender ist eindeutig nicht gemacht für eine entspannte Langstreckenfahrt auf der Autobahn. Foto: Chowanetz

Das war knapp! Ende 2015 wird nach fast 70 Jahren die Produktion des Land Rover Defender eingestellt. Die Möglichkeiten, eine solche Autoikone als Neufahrzeug zu testen,...

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. Es gibt da in meinem Umfeld eine Person, die, seitdem ich sie kenne, davon spricht, dass sie sich irgendwann einmal einen Landy, also einen Land Rover Defender, zulegen werde. Diese Person, deren Identität ich an dieser Stelle schütze (würde ich ein Foto veröffentlichen, wäre über der Augenpartie ein dicker, schwarzer Balken zu sehen, bei einem Audio-File wäre die Stimme verfremdet und diese Person würde sich anhören wie Mickey Mouse oder Darth Vader), bekommt also hektische Flecken im Gesicht, als ich erwähne, dass ich dazu eingeladen wurde, einen Defender zu fahren. Mitkommen möchte der Landy-Fan zwar nicht - das Datum liegt ungünstig (was, meine bescheidene Meinung, Rückschlüsse auf den Begeisterungsgrad zulässt: Wenn mir jemand zum Beispiel die Gelegenheit böte, einmal mit einem Mustang zu fahren, würde ich das auch an meinem Hochzeitstag machen - obwohl, stimmt ja, ich bin ja gar nicht verheiratet), dafür bekomme ich aber die Bitte mit auf den Weg, doch alles an Prospekten, Preislisten, Broschüren mitzubringen, was mir in die Finger gerät. Und, bitte, bitte, keine Eselsohren, keine Flecken und schon gar keine Notizen auf dem Material!

Letzterer Wunsch ist der Grund dafür, dass ich über meine Fahrt mit dem Land Rover Defender aus dem Gedächtnis berichten muss. Fahrimpressionen hätte ich wie gewohnt auf der Rückseite der Pressemitteilung festgehalten - da das aber zu größeren diplomatischen Verwicklungen geführt hätte, verzichtete ich lieber darauf.

Rustikales Fahrerlebnis

Macht aber nichts. Auch so prägten sich mir die wesentlichen Eindrücke ein. Allen voran dieser: Was für ein rustikales Fahrerlebnis. Land Rover gibt sich beim Defender offensichtlich nur bedingt Mühe, den Fahrkomfort zu optimieren. Wer hier einsteigt, so scheint´s, macht das nicht, um möglichst bequem von Hamburg nach München zu fahren, sondern um einen harten Job zu erledigen, im Wald nach dem Rechten zu sehen, zwei geschossene Wildschweine nach Hause zu bringen oder vielleicht beim Bau eines Wasserkraftwerks mit anzupacken.

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Höchstgeschwindigkeit: 145 km/h

Besagte Fahrt von München nach Hamburg würde auch ihre Zeit dauern. Der Defender dürfte aufgrund seines hohen Gewichts und seines hohen Aufbaus einen Luftwiderstandsbeiwert haben, der, meine Schätzung, in etwa dem eines Scheunentors entspricht. Entsprechend liegt die vom Hersteller angegebene Höchstgeschwindigkeit mit 145 km/h in einem Bereich, der lange Strecken, nun ja: noch länger wirken lässt. Nicht, dass ich diese Höchstgeschwindigkeit tatsächlich bei meinen Testfahrten hätte erleben wollen. Wenn sich das Tempo der Dreistelligkeit nähert, schwillt der Lärmpegel im Fahrzeuginneren schon ganz ordentlich an. Das ist natürlich eine Untertreibung! Ich würde mir ein Briefing ähnlich dem in einem Flugzeug, bei dem über Druckverluste und Sauerstoffmasken gesprochen wird, wünschen: "Beim Erreichen von 100 km/h fällt automatisch ein Lärmschutzkopfhörer aus dem Handschuhfach. Setzen Sie diesen auf und drücken ihn fest auf ihre Ohren."

Immer verlässlich

Um nicht unfair zu sein: In seinem natürlichen Tempobereich, der so bei 50 bis 80 km/h liegen dürfte, ist das Fahrerlebnis durchaus eindrucksvoll. Da übermäßige Geräuschdämmung anderen Fahrzeugreihen von Land Rover vorbehalten bleibt, kann man dem Motor und Getriebe sozusagen bei der Arbeit zuhören. Irgendwelche mechanischen Geräusche gibt es immer - und sie wirken, seltsam für mich als Fan des möglichst lautlosen Fahrzeuginnenraums, durchaus angenehm. Vielleicht liegt es daran, dass der Defender nicht vorgibt, irgendetwas anderes zu sein als ein Nutzfahrzeug. Er vermittelt, anders als viele andere Autos, den Eindruck, dass man sich auf ihn verlassen kann. Immer.

Der Rücken hat etwas gegen eine Freundschaft mit dem Defender

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Freunde werden der Defender und ich dennoch nicht werden. Ich müsste dafür nämlich die viel langjährigere Freundschaft mit meinem Rücken, dem die Fahrt mit dem Landy gar nicht zusagte, in Frage stellen. Und das möchte ich nicht. Nach dem Kennenlernen des Defender kann ich aber wenigstens diejenigen verstehen, für die der Besitz und die Nutzung eines Landys eine Weltanschauung widerspiegelt. Es ist zwar nicht meine Weltanschauung, aber das macht rein gar nichts.