Mein erstes Mal...bei einem Global Rallyecross-Rennen

aus Im Auto Mobil

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Die Trendsportart Global Rallycross zieht in den USA immer mehr Zuschauer an. Foto: Axel Keldenich

Wer sagt denn, dass ein Rallyelauf den ganzen Tag dauern muss und sich über viele Kilometer erstreckt? Beim Globval Rallyecross reicht ein großer Parkplatz, der zum...

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. Von Axel Keldenich

Zurückhaltung ist nicht angesagt beim Finale der Global Rallycross Serie. "The greatest event ever in all sports history" oder zu deutsch "Das größte Ereignis der gesamten Sportgeschichte" wirbt Ford im Programmheft für das Spektakel in Las Vegas. "Wo sonst", ist man geneigt, diesen Slogan zu kommentieren. Tatsächlich genießt diese Sonderform des Rallye-Sports gerade in den USA und dort vor allem bei den jungen Fans große Popularität. Und wieder kommt der Gedanke auf: "Klar doch, steckt ja auch viel Amerikanisches drin." Zum Beispiel Regeln, die simpel und für jeden verständlich sind.

Überschaubare Starterfelder

Anders als bei der klassischen Rallye fährt nicht jeder einzeln gegen die Zeit, sondern es gibt mehrere Rennen mit überschaubaren Starterfeldern, in denen gegeneinander gekämpft wird. Die Besten kommen weiter, die anderen haben in einer Art Hoffnungslauf noch eine Chance. Oder die Strecke: Es geht einerseits auf Asphalt im Kreis herum, hinzu kommt eine Art "Infield", wo loser Untergrund Drifts ermöglicht, und nicht zu vergessen: ein Sprunghügel. Schließlich die Location: Solch eine Strecke lässt sich wie in Las Vegas auf dem Parkplatz eines Hotels herrichten. Man nehme reichlich Mutterboden, einige Bulldozer, ein paar Bodenmarkierungen, rundherum Stahlrohrtribünen und stabile Fangzäune.

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Bis zu 600 PS unter der Haube

Und ab geht die Post, die übrigens wie so viele spektakuläre Sport- und Pseudo-Sport-Veranstaltungen unter dem Patronat eines österreichischen Energydrinks stehen, der auch Sebastian Vettel fünf Jahre lang Flügel verliehen hat. Apropos Vettel und Formel1: die kleinen Flieger der Marken VW, Ford, Subaru, Hyundai und seit Jüngstem auch Chevrolet haben bis zu 600 PS unter der Haube und beschleunigen schneller als ein Formel-1-Auto. Das heißt bei den Kursen der kurzen Wege, dass fast immer alle Mann in der ersten Kehre noch dicht beieinander - meist sogar nebeneinander - sind. Und das heißt dann auch, dass spätestens hier die Kaltverformung so ziemlich aller Karosserieteile beginnt.

Viel Altmetall auf der Strecke

Im Finale gleich neben dem neuesten Hotel "The Linq" und im Schatten des Wolkenkratzer-Riesenrades war die Feindberührung dann gar so heftig, dass das Rennen abgebrochen und neu gestartet wurde. Zwischendurch raffte der "Lumpensammler" so viel Altmetall von der Strecke, dass man vom Erlös einen schicken Kurzurlaub hätte finanzieren können. In den Boxen, zu denen übrigens jedes Eintrittsticket Zugang gewährleistet, begann die Zeit der Künstler an den Rollen mit Panzerbändern. Vernünftiges Tape hält die wichtigsten Teile auch gerade so lange zusammen, wie für die restlichen Runden nötig.

Eine Jokerrunde für jeden

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Kurz durchgeschnauft also und dann auf ein Neues. Kurve eins ohne Crash, zwei auch, abbiegen auf den "Rallye-Untergrund" und schon rudern zwei Konkurrenten deutlich abseits der Ideallinie durchs Gelände und verabschieden sich aus dem Kreis der Siegkandidaten. Kurz vor dem Sprunghügel ist die Phalanx aber immer noch so breit, dass nie und nimmer alle gleichzeitig da hoch kommen können. Wollen sie auch gar nicht. Drei Kameraden verlassen die Truppe und passieren den Hügel zu ebener Erde. Hä? Ja, das geht, aber nur einmal. Weil nämlich das Reglement jedem eine Jokerrunde zugesteht, bei der der Berg nicht ruft.

Nach zehn Minuten ist alles vorbei

Ehe sich der Rookie unter den Zuschauern all das einprägen kann, ist das Rennen nach rund zehn Minuten auch schon vorbei. Und weil es das letzte und entscheidende war, feiern gleich zwei Fahrer. Der Tagessieger heftig und der Gesamtsieger frenetisch. Zu erkennen an der Anzahl der Donuts, die sie in Kurve eins - da wo es eben noch gescheppert hat - auf den Asphalt brennen. Noch während sich die Tribünen leeren, schieben hinter uns die Bulldozer den Dreck wieder vom Parkplatz.

Sieger aus Finnland

Ja übrigens: der Gesamtsieger heißt Joni Wiman, ist gerade 21 geworden und stammt aus Finnland, dem Land also, das auch im wahren Rallyesport schon manches Ass hervorgebracht hat.

(Axel Keldenich, der Autor dieses Blogeintrags, arbeitet als freier Journalist für Tageszeitungen und Magazine)