Wenn der Treibstoff im Motor saubermacht

aus Im Auto Mobil

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Zur Markteinführung der neuen Benzin- und Dieselsorten hat die deutsche BP-Tochter bei Berlin die Aral-Kraftstoffwelt aufgebaut. Ob es ein Zufall ist, dass die Bremssättel des Wagens in Aralblau lackiert sind? Foto: Chowanetz

Forscher und Wissenschaftler, die bei Mineralölfirmen ihre Brötchen (oder Tankgutscheine???) verdienen, sind nicht zu beneiden. Bei Otto(kraftstoff)normalzapfer herrscht ja...

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. Der vor Jahrzehnten in einer Werbung verbildlichte Wunsch, dass ein wegen Spritmangel liegengebliebener Autofahrer zur Musik von Fats Dominos „I´m walking“ mit dem leeren Reservekanister beinahe verächtlich an allen Tankstellen vorbeimarschiert, bis er auf eine mit Aral-Logo trifft, ist eben in den meisten Fällen das: ein Wunsch. Der typische Autofahrer tankt dort, wo es am billigsten ist, wo er das beste Kundenbindungsprogramm hat, den besten Kaffee bekommt, vielleicht sogar am wenigsten lange wartet. In den seltensten Fällen aber wird der Blinker nach rechts zu jenen Stationen gesetzt, an denen es den (vermeintlich oder tatsächlich) qualitativ besten Sprit gibt. Weil: „Ist doch eh alles das Gleiche.“

Geheimnisvolle Formel

Nichtsdestotrotz werden die Mineralölkonzerne nicht müde zu betonen, dass ihre jeweiligen Kraftstoffe viel, viel besser seien als die der Konkurrenz. In diesen Tagen macht Aral hierzulande den ganz, ganz großen Aufschlag. Die gesamte Benzin- und Diesel-Produktpalette wird ausgetauscht. Die neuen Kraftstoffe enthalten, so Aral, eine „Anti-Schmutz-Formel“. Das klingt geheimnisvoll, soll es sicher auch sein (zumindest werden bei der Pressekonferenz Fragen nach Details zu der Zusammensetzung des neuen Additivs nur mit einem Lächeln beantwortet). Etwas redseliger werden die Mitarbeiter der blauen Marke im Besitz des Mineralölkonzerns BP, wenn es um die Vorteile des neuen Sprits geht. Sowohl Diesel als auch Superbenzin wären nun in der Lage, den Motor nicht nur vor der Ablagerung von Schmutz besser als bisher zu schützen, die Kraftstoffe würden auch bereits bestehende Verunreinigungen bis zu einem gewissen Grad beseitigen.

Griff zu den Premium-Kraftstoffen

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Bislang waren solche Nebeneffekte bei Aral dem Nonplusultra der Angebotspalette, den Ultimate-Kraftstoffen, vorbehalten. Jetzt also gibt es die Errungenschaften moderner Kraftstoffforschung auch für Kunden von Superbenzin und regulärem Diesel. Warum dann aber noch den nicht gerade geringen Ultimate-Aufschlag zahlen? Dr. Peter Sauermann, Aral-Forschungsleiter, erklärt, warum sein Unternehmen nicht das fürchtet, was in der Autobranche wohl Kannibalisierungseffekt hieße: Die optimale Wirkung der „Anti-Schmutz-Formel“ setze bei Ultimate-Kraftstoffen viel früher ein, positive Effekte seien schon nach der zweiten Tankfüllung erkennbar. Die Kunden in den Märkten, in denen der neue Kraftstoff bereits eingeführt sei, folgen dieser Sichtweise offensichtlich. In Spanien sei der Absatz von Ultimate spürbar angezogen, so Aral-Geschäftsführer Patrick Wendeler. In Deutschland ist hier noch Luft nach oben. Erst vier bis fünf Prozent der Aral-Kunden bedienen sich an den Ultimate-Zapfsäulen.

Bauteile werden immer filigraner

Warum aber gibt es überhaupt eine Notwendigkeit für neue Kraftstoffe? Aral-Techniker Thomas Bartsch begründet das mit dem technischen Fortschritt bei der Motorenentwicklung. Die ohnehin teilweise schon mikroskopisch kleinen Teile beispielsweise im Bereich der Treibstoffinjektion würden immer filigraner. Die Austrittsöffnung der Einspritzdüse ist nur noch etwas mehr als ein Viertel so groß wie vor 25 Jahren. Die Schmutzpartikel, die beim Motorbetrieb entstehen könnten, bleiben aber genauso groß. Folge: Die Relation von Bauteil zu verschmutzendem Element verändert sich, die Partikel können schneller als früher eine unangenehme Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit, den Verbrauch und den Schadstoffausstoß des Fahrzeugs haben. Möglich sei etwa, dass sich bei verschmutzten Einspritzdüsen das Mischungsverhältnis von Treibstoff und Luft verändert oder dass die Zündung nicht mehr punktgenau erfolgt.

Und die Konkurrenz?

Zwar bleibt die Anti-Schmutz-Formel geheim, zumindest bis zum Aral-Leaks (scherz). Folgende Erklärung der Funktionsweise findet sich aber in der Pressemitteilung zum Start des neuen Kraftstoffs: Aktive Moleküle (whatever that is) würden den Schmutz von kritischen Motorbauteilen lösen und einfach mitverbrennen lassen. Wenn die Sache so einfach ist, stellt sich erstens die Frage, warum 150 Techniker weltweit fünf Jahre lang in rund 50.000 Teststunden den neuen Kraftstoff entwickelten – und ob sich die gelbe und rote Konkurrenz grün und schwarz ärgert angesichts der Erfolgsmeldungen bei Aral.

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Upgrade ohne Preiserhöhung

Einen Verdacht gilt es aus dem Weg zu räumen: Der neue Kraftstoff, der auch noch die Reichweite erhöhen soll, wird bei Aral nicht teurer verkauft als die Sprit-Vorgänger. Die vermeintlich noble Geste des Treibstoff-Upgrades hat aber ihren Grund. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden die Autofahrer auch weiterhin Benzin und Diesel dort kaufen, wo es am billigsten ist, „Anti-Schmutz-Formel“ hin oder her.