Ein Kurztrip nach Basel im Advent

Das Schaufenster von Johann Wanner in der Baseler Altstadt zieht Kinder magisch an. Foto: Liudmila Kilian

Die Schweizer Stadt im Dreiländereck verzaubert im Dezember mit funkelnden Weihnachtsmarkt-Buden, lockt mit leckeren Düften und lädt zum Shopping bei Dekorateur Johann Wanner ein.

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. Der Duft von Holzkohle, Glühwein und Bienenwachskerzen lockt Besucher zum Barfüsserplatz in Basel. Dort, im Zentrum der mittelalterlichen Stadt, haben Künstler und Handwerker ihre liebevoll dekorierten Holzbuden aneinandergereiht – auf einer Erhebung dreht sich die große Holzpyramide über dem Weihnachtsmarkt.

Im festlichen Trubel vermischen sich französische und deutsche Sprachfetzen – die Nähe zu beiden Nachbarn im Dreiländereck lockt viele Besucher in die Schweiz. Und spätestens, wenn man Hunger bekommt, merkt man, dass man angekommen ist. Neben den üblichen Weihnachtsmarktspezialitäten wie Bratwurst und Kartoffelpuffer gibt es in Basel Anisbrötli, Raclette und das Fondue – alles Spezialitäten, die einen in die kulinarische Welt der Alpenrepublik abholen. Eine hippere Variante des Schweizer Nationalgerichts ist der Fondue-Dog: Ein ausgehöhltes Brötchen, in das warmer Fonduekäse gegossen wird – garniert mit Röstzwiebeln, da wird einem gleich ganz warm ums Herz.

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Frisch gestärkt lohnt sich noch der Besuch auf dem Münsterplatz nur wenige Laufminuten vom Barfüsserplatz entfernt, wo der Weihnachtsmarkt seine Fortsetzung findet. Der „Märchenwald“ ist dort insbesondere für die kleinen Besucher eine riesige Spielwiese, wo sie einem echten Schmied begegnen, Kerzen ziehen oder Fackeln basteln können. Und andere – die haben nur Augen für die kleine Eisenbahn, die den zauberhaften Ort tutend umrundet. Gegenüber schmückt ein riesiger Tannenbaum den Platz vor den Toren des Baseler Münsters. Er ist mit goldenen Kugeln, glänzenden Engeln und Tausenden von Lämpchen verziert. Eine wahre Baseler Weihnachts-Ikone hat diese Dekoration zusammengestellt: Johann Wanner. Der 79-Jährige bezeichnet sich selbst als „Couturier (also etwa Designer) des Tannenbaums“, seit fast 50 Jahren führt er sein „Weihnachtsimperium“, wie er selbst sagt, mit der klingenden Bezeichnung „Weihnachtsbaumschmuckausstattungsspezialgeschäft“, in der Basler Innenstadt. Seine Leidenschaft hat sich weit über die Schweizer Grenzen herumgesprochen. Er dekorierte schon den Baum auf dem Petersplatz in Rom oder jenen vor dem Rockefeller Center in New York. Popstars, Schauspieler und Königshäuser gehören zu seinen Kunden. Lady Di kannte Wanner persönlich. „Sie war eine sehr emotionale Person, wirkte sehr fragil. Man merkte, was für ein Druck auf ihr lastete“, erinnert sich Wanner an seine royale Kundin, die sich vorzugsweise für eine rot-grün-goldene Deko entschied.

Dass es nicht immer prominent sein muss, zeigt Wanners warme Erinnerung an einen kalten Ort – einmal schmückte er einen Baum in einer Gletscherspalte in Grindelwald, gänzlich verborgen vor staunenden Bewunderern. „Die Umgebung strahlte in einem eisigen Blau, dieser Augenblick war magisch. Es war ganz allein mein Baum und ein wunderschöner Rückzugsort“, erinnert er sich. Irgendwie ist Wanner für immer Kind geblieben. „Ich lebe auf einer Kindheitsinsel“, sagt er, immer an seiner Seite ist sein gutmütiger Hund Gorbo.

Tatsächlich sind es insbesondere auch die Kinder, die ihn neben der Mode- und Designwelt für seine Kreationen inspirieren. Zum Beispiel am üppig gestalteten Schaufenster seines Ladens: „Dort, wo auf dem Glas die meisten Nasenstupser und Fingerabdrücke von Kindern sind, schaue ich genauer hin“, denn das sind die Stellen, die die kleinen Betrachter besonders verzaubert haben.

Dabei muss es für den Fachmann selbst gar nicht immer üppig sein: „Manchmal genügt eine einzige Kerze, am richtigen Ort“. Irgendwie überraschend, dass das Fest des Überflusses sich im Detail dann doch auf das Wesentliche reduziert. Auch die Herzenswünsche der Menschen sind bescheiden. Um diesen einen Raum zu geben, gibt es in Basel mehrere Möglichkeiten. Gleich um die Ecke von Wanners Laden steht ein Tannenbaum, am dem Hunderte handgeschriebene Wunschzettel hängen. An einer weiteren Stelle, im Innenhof des Baseler Rathauses, liegt das Baseler Buch, in das sich Menschen ebenfalls mit einem Weihnachtswunsch verewigen können. Was die beiden Orte gemeinsam haben, sind nicht etwa Äußerungen von materiellen Gütern. Die Menschen wünschen sich überwiegend Glück, Gesundheit und Frieden – für sich, ihre Liebsten und die Welt. Einfach und doch so bedeutsam.

Einen Moment des inneren Friedens zumindest, kann die Stadt sofort bieten. Zum Beispiel bei einer Fahrt mit der „Vogel Gryff“ Fähre nach Kleinbasel, also auf die andere Rheinseite. In der Adventszeit ist das motorlose Boot, das nur durch die Kraft der Rheinströmung bewegt wird, stimmungsvoll mit Tannenzweigen und Lichtern geschmückt. Besonders in der Dämmerung eröffnet sich vom Wasser aus ein romantischer Blick auf die festlich beleuchtete Stadt.

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Nicht weit von der Anlegestelle lockt noch ein weiterer Weihnachtsmarkt, in der „Adväntsgass im Glaibasel“. Hier in der Rheingasse wird Basel richtig bunt. Buden mit lokalen Köstlichkeiten treffen auf internationale Spezialitäten – und doch wirkt der „Gässli-Märt“ irgendwie familiär und schon fast dörflich, vor der Kulisse alter Häuschen. Er ist nicht so überfüllt und weniger populär als die größeren Märkte doch gleichzeitig sehr stimmungsvoll und gemütlich. Und wie Johann Wanner es auf den Punkt bringt: „Jeder muss eben seinen eigenen Ort finden, an dem es einem gut geht“, und dieser muss gar nicht ganz weit oben in einem Reiseführer stehen.

Von Liudmila Kilian