Italien abseits ausgetretener Pfade

Die Kirche Santa Maria dell’Isola in Tropea. Foto: adobe stock – mRGB

Vulkane, kunstvollen Mosaiken, Renaissance-Bauwerke, Stracciatella-Eis und Jazz: Sieben Städte, die das Land von einer weniger populären, jedoch nicht minder schönen Seite zeigen.

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. Das Kolosseum oder den schiefen Turm hat wohl schon jeder, zumindest auf einem Foto, mal gesehen. Wer Italien wirklich neu erleben will, ist mit diesen Tipps bestens aufgehoben.

Die Kirche Santa Maria dell’Isola in Tropea. Foto: adobe stock – mRGB
Die Altstadt von Ferrara. Foto: Peter Schatz
Mosaiken in der Basilica von Aquileia. Foto: Pablo Boris Debat

Aquileia: Antikes Juwel mit Mosaiken in Strandnähe

Cäsar nannte sie „Hafen und Festung Italiens“ und Cicero schwärmte von ihr als der „Blume Italiens“: Im Römischen Reich war Aquileia eine der größten Städte mit mehr als einer halben Million Einwohner. Hier wurden Bernstein, Glas, Bronze, Eisen, Holz und Korn gehandelt – was Ruhm und Reichtum brachte. Hier lebte nach dem Papst das ranghöchste Mitglied der katholischen Kirche, der Bischof von Aquileia. Mit nur noch 3300 Einwohnern ist Aquileia heute auf Mini-Größe geschrumpft, doch mit seinen gut erhaltenen Bauwerken kommt das oberitalienische Städtchen in der Provinz Udine immer noch ganz groß heraus. Die Basilika, die im 11. Jahrhundert auf Resten einer Kirche aus dem 4. Jahrhundert erbaut wurde, verfügt über monumentale Ausmaße, ihr Glockenturm ist 73 Meter hoch. Die Sensation liegt jedoch im Inneren – der Fußboden, der mit kunstvollen Mosaiken bedeckt ist, die Tiere, Pflanzen und Szenen aus der Bibel darstellen. Aquileia ist aber nicht nur aufgrund seiner Ausgrabungen, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören, so faszinierend, sondern auch wegen seiner guten Lage für Strandliebhaber: Zur Laguneninsel Grado sind es gerade einmal zehn Kilometer.

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Belluno: Die Preisgekrönte am Fuße der Dolomiten

Alpenstadt des Jahres und vorbildlich in puncto Nachhaltigkeit: Belluno darf sich mit vielen Auszeichnungen schmücken. Kein Wunder, denn die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Nordosten Italiens bietet einen spannenden Mix aus Natur und Kultur. Da wären einmal die Dolomiten, zu deren Füßen Belluno liegt. Oder die vielen Sportmöglichkeiten für Aktivurlauber, die von Skifahren, Wandern, Mountainbiken über Klettern bis hin zu Paragleiten reichen. Außerdem überzeugt die spektakuläre Lage der 35 000-Einwohner-Stadt hoch über dem Fluss Piave. Und natürlich die venezianische Architektur in der Altstadt mit dem prächtigen Dom, eleganten Palästen, engen Gassen und gemütlichen Plätzen, auf denen sich Einheimische auf ein Gläschen Prosecco treffen. Wer sich vom Panoramablick auf die umliegende Bergwelt mit ihren bis zu 3000 Meter hohen Gipfeln losreißen kann, sollte unbedingt eines der Museen von Belluno besuchen.

Bergamo: Bergkuppen und venezianische Schönheiten

Sie ist uneinnehmbar und doch relativ unbekannt: Bergamo liegt im Schatten des nur 50 Kilometer entfernten Mailand, wunderschön am norditalienischen Alpenrand, auf einer Höhe von 250 Metern. Ihr Herz, die „Citta Alta“ (Oberstadt) ist komplett von einer mächtigen Stadtmauer umringt, die sechs Kilometer lang und teils bis zu 50 Meter hoch ist. Eine Seilbahn führt von der geschäftigen Unterstadt in die denkmalgeschützte Oberstadt. Hier dürfen keine Autos fahren, was das Schlendern durch die vier Stadttore und die engen Gassen mit ihren prunkvollen Palästen, kirchlichen Prachtbauten und dem Dom im Barockstil so reizvoll macht. Über der Oberstadt thront die alte Festung „San Vigilio“ auf einem Hügel, von der sich bei gutem Wetter ein spektakulärer Blick bietet: von den Alpen bis in die Po-Ebene. Ein Besuch des naturwissenschaftlichen Museums lohnt sich ebenso, denn hier gibt es ein 700 000 Jahre altes Hirschskelett sowie das älteste Exemplar eines Flugsauriers zu bestaunen. Für alle Liebhaber von italienischem Eis hält Bergamo eine Spezialität parat: Hier soll Anfang der 1960er-Jahre das Stracciatella-Eis erfunden worden sein – in der Konditorei La Marianna, die es noch immer gibt.

Ferrara: Weltkulturerbe-Stadt für Radfahrer

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Ihre Gassen gelten als die schönsten der Region Emilia Romagna. Rund 50 Kilometer nördlich von Bologna, in der östlichen Po-Ebene liegt die Renaissance-Stadt Ferrara. Sie ist Weltkulturerbe-Stadt aufgrund ihrer gut erhaltenen Renaissance-Bauwerke, die zum großen Teil von der Herrscherfamilie Este im 14. Jahrhundert errichtet wurden. Noch ein Superlativ ist die Liebe der Einheimischen zum Fahrrad. Eher untypisch für Italien, fährt in der Universitätsstadt fast jeder mit dem Fahrrad. Ferrara gilt als fahrradfreundlichste Stadt Italiens – und verfügt über viele Radwege und -verleihe. So macht das Erkunden des neun Kilometer langen Stadtwalls, der die Altstadt umgibt und mit Alleen gesäumt ist, des Schlosses mit seinen Zugbrücken, der Kathedrale und all der netten Plätze besonderen Spaß. Wer Entspannung braucht, geht in eines der vielen Museen, die unterstreichen, welch große Bedeutung Kunst und Kultur in Ferrara seit Jahrhunderten hat.

Gradara: Mächtige Burg mit Mega-Blick aufs Meer

Mit nicht einmal 5000 Einwohnern ist sie kleiner als eine Kleinstadt. Gradara, die eine gute halbe Stunde südlich von Rimini liegt, kommt mit ihrer viereckigen Burg jedoch ganz groß heraus. Die mittelalterliche Festung, die auf einem 150 Meter hohen Hügel steht, gilt als eine der am besten erhaltenen des Landes. Sie wird von zwei riesigen Mauerringen geschützt und verzaubert mit ihren zahlreichen Zinnen und Türmchen. Der Ausblick von dort ist fantastisch: Auf der einen Seite die nur drei Kilometer entfernte Adria, auf der anderen die hügelige Landschaft der Marken mit ihren Olivenhainen und Weinbergen. Die Lage des Burgdorfs, das sich Hauptstadt des Mittelalters nennt, hat viele Vorteile: In wenigen Minuten ist man an den Stränden von Cattolica, Gabicce Mare oder dem stylishen Spaggia Bagni 32 oder in den Weinbergen von Pesaro und Urbino.

Perugia: Stadt für Schoko- und Jazzliebhaber

Sie liegt im Herzen Italiens und wer einmal da war, schließt sie ins Herz: Perugia, die Regionalhauptstadt Umbriens. Als eine der zwölf wichtigsten etruskischen Städte blickt die Universitätsstadt auf eine spannende Geschichte zurück, aus der viele Bauwerke erhalten sind. Die Altstadt aus dem 14. Jahrhundert ist ein einzigartiges Schmuckstück, deshalb wird sie als eine der schönsten nicht nur Mittelitaliens, sondern des ganzen Landes bezeichnet. Schon der Eintritt ins Zentrum ist beeindruckend: Durch das Tor San Pietro gelangt man zu der gotischen Basilika San Domenico mit seiner Klosteranlage, in der auch das archäologische Nationalmuseum Umbriens untergebracht ist. Weitere Höhepunkte sind das Umbria Jazz Festival und, jeden Oktober, die Eurochocolate. Dann steht die gesamte Innenstadt im Zeichen von Schokolade – was jedes Jahr mehr als eine Million Schokofans aus aller Welt anlockt.

Tropea: Vulkane und Kathedrale an der Stiefelspitze

Sie ist die Schöne im äußersten Süden: Die Normannen haben der Kleinstadt Tropea ihr Wahrzeichen gegeben, die Kathedrale Santa Maria dell’Isola. Das Besondere an dem imposanten Bauwerk in Weiß ist, dass es auf einem Sandsteinfelsen direkt am türkisfarbenen Meer mit seinen weißen Stränden steht. Schon aus der Ferne hat dieser Anblick magische Anziehungskraft und jeder Tropea-Besucher will sofort die steilen Stufen zur Kathedrale mit der außergewöhnlichen Architektur hinaufsteigen. Denn er ahnt, was ihn dort erwartet: Ein Panoramablick über Traumstrände, glasklares Meerwasser, die Landschaft Kalabriens und die sieben zu Sizilien gehörenden Liparischen Inseln. Die Vulkaninselchen gehören zum Weltnaturerbe der Unesco. Wer etwas Unvergessliches erleben will, nimmt eine Fähre zum noch aktiven Vulkan Stromboli. Zurück in dem 6600-Einwohner-Städtchen, das auf einem 40 Meter hohen Felsen über dem Meer klebt, gibt es in der Altstadt viel zu sehen: Barocke Bauten zwischen engen Gassen und kleinen Plätzen mit ein paar Tischen und Stühlen, die als Restaurant dienen. Hier wird eine typische Spezialität serviert: Pizza Cipolla mit süßlichen roten Zwiebeln, die in Kalabrien angebaut werden.

Von Michaela Strassmair