Tapas, Flamenco, Museen – Paare auf Wolke 7 in Madrid

Der Ägyptische Tempel in Madrid ist die perfekte Kulisse für ein Rendezvous. Foto: Andrea Tapper

Zu zweit neue Orte zu erkunden macht besonders viel Spaß. Mit diesen zehn Tipps lernen Paare die spanische Hauptstadt auf eine besonders schöne Weise kennen.

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. 1. Der Tempel der ewigen Liebe

Paris hat den Eiffelturm, Amsterdam die Grachten. Aber Madrid hat als einzige Stadt Europas einen ägyptischen Originaltempel, der als perfekter Platz für ein Date gilt. Der Templo de Debod ist eine altägyptische Tempelanlage aus dem 2. Jahrhundert vor Christus. Spanien half Ägypten vor 50 Jahren beim Bau des Assuan-Staudamms mit einer großzügigen Spende. Im Gegenzug schifften die Ägypter den Tempel, der den Wassermassen weichen musste, über den Nil und das Mittelmeer in die spanische Hauptstadt – Stein für Stein. Die Madrilenen pilgern seit Jahrzehnten mit ihren Partnern zum Sonnenuntergang an diese stille Stelle (Metro: Plaza des España) inmitten ihrer pulsierenden, drei Millionen Einwohner zählenden, Hauptstadt.

Der Ägyptische Tempel in Madrid ist die perfekte Kulisse für ein Rendezvous. Foto: Andrea Tapper
Madrid ist ein schönes Reiseziel für Paare. Foto: Andrea Tapper

2. Auf Wolke Sieben über den Dächern

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Wo bekommt man den besten Überblick über Madrid? Auf den spektakulären Dachterrassen, wie sie inzwischen viele große Hotels bieten. Für vier Euro zugänglich (bisweilen mit Schlange stehen) ist das beliebte Dach des Kulturtreffs Circulo de Bellas Artes. Im Sommer weht hier ein angenehmes Lüftchen, im Herbst und Winter kuscheln Paare unter Heizstrahlern oder Decken auf dem urbanen Aussichtspunkt mit Bar und Restaurant Azotea. Das imposante Hochhaus stammt von 1926; die Kulturinstitution, die Ausstellungen und Events organisiert, von 1880.

3. Sterneküche und Luxus-Öko

Liebe geht durch den Magen: Neuester Sterne-Zugang in der Stadt der Feinschmecker und Flaneure ist Aurelio Morales. In seinem puristischen Cebo Restaurant im Zentrum bietet der erst 35-jährige Katalane für 80 Euro sein Original-Zehn-Gänge-Menü, das ihm 2018 den ersten Michelin-Stern bescherte – das perfekte Dinner für Zwei, ein Mix aus Molekular- und Mittelmeer-Küche. Ideal zum Lunch und für einen Zwischenstopp beim Einkauf im vornehmen Salamanca-Viertel ist das Reastaurant Huerta de Carabaña mit Luxus-Öko-Lebensmitteln aus eigenem Anbau.

Essen mit Showeffekt gibt es in der Gourmet-Food-Halle Platea. In dem früheren Glamour-Kino wird seit vier Jahren auf drei Etagen geschmaust, getrunken und gefeiert, mit Livemusik, Akrobaten und Haute Cuisine – hier kochen die jungen Wilden der Sterne-Küche.

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4. All that Jazz ... und Flamenco

In Madrid findet jedes Paar Veranstaltungen nach seinem Geschmack. Es gibt erstklassige Themenausstellungen in Museen, attraktive, alljährliche Food-Festivals und das Festival „JazzMadrid“, das in diesem Jahr bereits zum 18. Mal stattfand. Für den Paar-Trip ist eine Flamenco-Bar besonders empfehlenswert: Tablao Villa Rosa liegt auf der immer belebten Plaza de Santa Ana (drumherum sind viele Tapas-Bars angesiedelt), in deren Mitte eine Statue an den im Bürgerkrieg ermordeten Dichter García Lorca erinnert.

5. Auf den Spuren von Kultregisseur Pedro Almodovar

Kaum einer hat der Stadt, der Liebe und den Frauen Spaniens ein schöneres Denkmal gesetzt als Kultregisseur Pedro Almodovar mit seinen inzwischen 21 Filmen. Er gilt als der Woody Allen Spaniens. Der Viel-Filmer hat mit cineastischen Welterfolgen wie „Volver“ (2007) mit Penelope Cruz und „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ (1988) das Lebensgefühl der Madrilenen eingefangen. Auf seinen Spuren gibt es geführte Touren und individuelle Rundgänge.

6. Bei Tapas bleibt man nicht allein (und auch nicht zu zweit)

Perfekt etwa für den ersten Tag nach der Ankunft ist der hundertjährige Mercado de San Miguel, wo sich – typisch Spanien – zwischen frischem Gemüse und Fisch Dutzende von Ess-Ständen drängen. Die geselligsten Tapas-Bars reihen sich rund um die Cava Baja. Darunter findet sich die fünf Jahrhunderte alte Taberna Del Capitan Alatriste. Schwer angesagt ist wieder das Getränk Vermú vom Fass, für 2,50 Euro, etwa im Anciana Rey de Los Vinos, der marmornen Traditionsbar gegenüber der Almudena-Kathedrale. Madrid ist im Vergleich zu anderen europäischen Großstädten günstig. Es gibt kaum einen Unterschied zwischen lokalen und touristischen Gaststätten.

7. Rendezvous im Museum

Für den Museumsbesuch ist Madrid der perfekte Ort. Dort stehen nicht nur drei der berühmtesten Museen der Welt an einer Kunstmeile, auch ist der Eintritt zu bestimmten Zeiten frei, zum Beispiel in den letzten beiden Öffnungsstunden im Prado-Museum. Eine Museums-App hilft dabei, sich dem Kunst-Overkill zu entziehen und konkrete Werke unterhaltsam herauszupicken. Acht Kunstwerke pro Museum können auch Kunstmuffel als Einstieg ertragen. Das Thyssen Bornemisza Museum, ein Vermächtnis der Habsburger, zeigt herausragende Themenausstellungen, bis zum Januar 2019 etwa Max Beckmann. Das goldene Licht Madrids hat Meister aller Epochen inspiriert.

8. Shopping für Sie und Ihn

Beim Shoppen kommt es auf den Stadtteil an (in spanisch barrio). Einst heruntergekommen, bietet Chueca, der Lieblingsstadtteil von Filmemacher Almodovar, heute Design-Boutiquen und junge Ketten. Der beste Einstieg ist die Plaza de Chueca mit gleichnamiger Metrostation. Gut sortiert ist der Kunst- und Designbuchladen Panta Rhei (C/Hernán Cortés 7). Fast ganzjährig sitzen dort Gäste vor Kneipen in der Mittagssonne, obwohl es im Winter in der höchstgelegenen Hauptstadt Europas (650 m) auch mal frieren oder sogar schneien kann. Salesas heißt der aufstrebende Boho-Stadtteil mit urbanen Lofts und Öko-Cafés. Es ist traditionell ein Zentrum der Modekreativen mit originellen Läden und Concept Stores wie Anclademar. Im mittelalterlichen La Latina südlich der Plaza Mayor stöbert ganz Madrid sonntags auf dem Rastro-Flohmarkt.

9. Auf Liebespfaden im Romantik-Museum

Liebling vieler Madrilenen ist das verspielte Museo del Romanticismo im Stadtteil Salesas, das in 26 Zimmern authentisch ein gutbürgerliches Wohnhaus Anfang des 19. Jahrhunderts widerspiegelt und damit eine der großen Befreiungen Madrids – vom Absolutismus in die Romantik. Ölgemälde der als freizügig bekannten Jung-Königin Isabella II. im hellblauen schulterfreien Kleid hängen an den Wänden. Ihr Gemahl Franz D’Assisi galt als unfruchtbar, sie bekam dennoch neun Kinder. Das samtbezogene Plumpsklo des Vaters in einer Vitrine gibt eine Vorstellung davon, woher das Sprichwort „auf dem Thron sitzen“ stammt. Son Mateo, 13, Salesas, geöffnet täglich, außer Montag.

10. Rudern im Glück

In Gedenken an Alfonso XII., dem Sohn und Thronnachfolger von Isabella II. rudern bis heute Pärchen auf dem künstlich angelegten See im Retiro-Park, der größten von vielen, gut gepflegten Grünzonen in Madrid. Ein Besuch ist bei schönem Wetter besonders empfehlenswert. Der 128 Hektar große Park mit seinem gläsernen Gewächspalast von 1887, in dem heute Kunstinstallationen stattfinden, ist der Garten Madrids. Hier genießen auch jene Hauptstädter die Natur, die weder ein Meer noch einen großen Fluss vor der Haustür haben.

Von Andrea Tapper