Marco Lesners Ziel: „Härter schlagen und weniger bewegen”

Trainiert seit 15 Wochen sechs Stunden am Tag: der Rüsselsheimer Boxer Marco Lesner (links), hier mit Coach José Varela (hinten) und Sparringspartner Sebastian Krautwald.

Der Rüsselsheimer Boxer kämpft in seiner Heimatstadt um den EM-Titel des Verbandes WBF. Im Interview spricht er über die Vorbereitung, Trainer José Varela und einen großen Traum.

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Herr Lesner, seit 15 Wochen trainieren Sie auf den EM-Kampf am Samstag hin. Sechs Stunden am Tag. Können Sie den Boxsack, die Handschuhe und den ganzen Gym überhaupt noch sehen?

Ich kann gar nichts mehr sehen und bin ziemlich fertig. Meine Muskeln sind total übersäuert, ich werde die nächsten Tage nur noch am Tropf hängen und mir Magnesium und Anderes reinpfeffern. In meinem Alter ist es schon schwer, sich vier Monate lang physisch und mental fit zu machen. Mein Körper ist nicht mehr so belastbar, ich brauche Pausen.

Sind Sie mit dem Stand der Vorbereitung zufrieden oder könnten Sie weiter sein?

Es war alles andere als optimal. Die beiden letzten Vorbereitungen auf meine Kämpfe liefen spitze. Jetzt war ich in den letzten vier Wochen dreimal verletzt, am Rücken, am Fuß und zuletzt an einer Sehne im Arm. Ich hatte Höllenschmerzen und dachte schon an eine Kampfabsage. Mir fehlen dadurch insgesamt zwei Wochen Vorbereitung. Und da wird es mit der Luft eng werden über zehn Runden.

Aber Sie denken, dass es trotzdem zum Titel reicht?

Es muss reichen. Das Publikum wird mich tragen.

Inwiefern?

Es kommen Fans aus ganz Deutschland, sogar ein Eintracht-Frankfurt-Fanclub aus Edinburgh. Wenn mir am Ende in zwei, drei Runden die Luft fehlt, wird mich die Menge bis zum Gong schreien.

Jubel nach dem Gewinn der Europameisterschaft im Dezember 2021: Marco Lesner (rechts) mit Verlierer Gerisio Aduashvili.
Jubel nach dem Gewinn der Europameisterschaft im Dezember 2021: Marco Lesner (rechts) mit Verlierer Gerisio Aduashvili. (© Archivfoto: Frank Heinen)
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Was wissen Sie vom Gegner?

Adnan Redzovic ist 45 Jahre alt, Bosnier und kommt aus Sarajevo. Er hatte in 30 Profikämpfen 23 Siege, davon elf durch K.o., und sechs von sieben Niederlagen waren durch K.o. Er ist 1,88 Meter groß und wiegt 112 Kilogramm. Das ist eine ganz schöne Kante. Er ist Linksausleger, was mir liegt. Aber er steht voll im Saft, hat vor zwei Wochen erst einen Kampf gewonnen.

Worauf kommt es an?

Da er größer und schwerer ist als ich und mir etwas die Luft fehlt, muss es mit blanker Gewalt gehen. Ich ziele auf einen K.o., denn zehn Runden müssen es nicht sein. Ich habe mir einige Videos von Adnan angeschaut, der ist echt knackig – ein Gegner auf Augenhöhe. Aber ich will den Zuschauern in meiner Heimatstadt auch was bieten.

Als Eintracht-Fan war Boxer Marco Lesner beim Europa League-Finale in Sevilla und stürzte von einer Mauer (im Kreis). Ordner und Fans halfen ihm wieder auf.
Als Eintracht-Fan war Boxer Marco Lesner beim Europa League-Finale in Sevilla und stürzte von einer Mauer (im Kreis). Ordner und Fans halfen ihm wieder auf. (© Imago)

Sie haben als Junge in derselben Halle 1986 den EM-Kampf des Rüsselsheimers José Varela gesehen. Was bedeutet Ihnen es, dass Sie es im Spätherbst Ihrer Karriere nun auch zu einem großen Kampftag in ihrer Heimatstadt geschafft haben?

Das ist etwas ganz Besonderes. Ich kriege schon Gänsehaut, wenn ich daran denke. In meiner Heimatstadt zu kämpfen, ist schon die Erfüllung eines Jugendtraums. Und dann steht Varela noch in meiner Ecke. Der erfolgreichste Boxer Hessens aller Zeiten. Ihn als Trainer zu haben, ist eine große Ehre.

Was gibt er Ihnen?

Die Zusammenarbeit läuft seit einem Jahr prima. Er ist auch in meinem Verein Invictus Rüsselsheim als Wettkampftrainer tätig. Seine Erfahrung ist Wahnsinn. Er bringt mir mit 47 noch Sachen bei, die ich nicht für möglich hielt. Wir haben meinen Stil noch einmal komplett geändert. Ich hoffe, dass ich im Kampf umsetzen kann, was wir einstudiert haben, aber ich bin guter Dinge.

Was hat Varela an Ihrem Stil geändert?

In einem Satz zusammengefasst: härter schlagen und weniger bewegen. Ich soll mit meinen Mitteln ökonomischer arbeiten.

Denken Sie manchmal daran, welche Profikarriere möglich gewesen wäre, wenn Sie einen Trainer wie Varela mit Anfang 20 gehabt hätten?

Hätte, hätte, Fahrradkette. Ich habe mein Leben gelebt. Aber natürlich hätte ich viel mehr erreichen können. Als ich 21 war, lag ein Profivertrag von Promoter Ebby Thust auf dem Tisch, aber ich habe ihn nicht unterschrieben, weil ich mir das nicht zugetraut habe. Das war ein Fehler, aber jetzt mache ich das Beste draus und schaue, wohin meine Reise als Profiboxer noch geht.

Sie haben den EM-Titel des Verbandes UBF verloren, weil sie ihn nicht innerhalb neun Monate verteidigt haben. Woran lag das? Auch an Ihrem Mauersturz beim Europa-League-Finale Eintracht Frankfurt gegen Glasgow Rangers in Sevilla?

Nein, daran lag es nicht, ich war danach schnell wieder fit. Ich habe den Titel zurückgegeben, weil ich einen Schritt höher gehen wollte. Ich wollte WBF-Europameister werden, weil der Verband zu den Top sechs in der Welt gehört. Da war sogar Evander Holyfield mal Weltmeister.

Wie wichtig sind Ihnen die vier Kämpfe mit Invictus-Boxern am Samstag?

Sehr wichtig. Sie sind wie meine eigenen Kinder. Ich mache mir dadurch zusätzlich Stress, weil ich die ganze Planung und Organisation an der Backe habe, die Jungs fit mache. Aber für die Boxer ist es etwas ganz Besonderes, in dieser Halle vor einer solchen Menge in ihrem Alter aufzutreten. Das ist mein Geschenk an sie.

Wie hoch ist Ihr finanzielles Risiko mit dem Kampftag?

Ich habe schon richtig Ausgaben. Und weil ich keinen Manager habe, keinen Boxstall, der mich fördert, und keine Sponsoren, muss ich die Kosten erst einmal selbst tragen. Ich hoffe, dass ich null auf null rauskomme.

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Marco Lesner zu Beginn seiner Karriere mit Trainer Thomas Oetker.
Marco Lesner zu Beginn seiner Karriere mit Trainer Thomas Oetker. (© Repro: Uwe Krämer)

Sie werden im Januar 48 Jahre alt. Was kommt nach dem Kampf am Samstag im Falle eines Sieges und was im Falle einer Niederlage?

Bei einer Niederlage weiß ich es nicht, da will ich auch gar nicht drüber nachdenken. Bei einem Sieg würde ich gerne noch ein Jahr dranhängen, wenn meine Lebensgefährtin das mitmacht. Mein Traum ist, noch einmal im Ausland zu boxen. Mal sehen, was es für Angebote gibt, wenn ich den WBF-Titel habe, der öffnet mir sicher neue Türen. Im Herbst hatte ich schon zwei Anfragen für Kämpfe in London und Kopenhagen. Einen großen Kampf will ich noch mitnehmen. Wenn die Knochen halten, sehen wir uns vielleicht noch einmal in der Großsporthalle.

Für internationale Boxgroßkampftage in Rüsselsheim sorgte in den achtziger Jahren José Varela. Er steht am Samstag als Trainer in der Ringecke bei Marco Lesners EM-Kampf.
Für internationale Boxgroßkampftage in Rüsselsheim sorgte in den achtziger Jahren José Varela. Er steht am Samstag als Trainer in der Ringecke bei Marco Lesners EM-Kampf. (© Repro: Uwe Krämer)