Adler erwarten München zum DEL-Topspiel

Pavel Gross übt scharfe Kritik an der DEL. Foto: dpa

Die DEL steuert auf die Playoffs zu: Doch Mannheims Trainer Pavel Gross knöpft sich erst mal die Ligabosse vor und spricht von einem „Pflaster auf dem Mund“.

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MANNHEIM. 107, das war bis Dienstag der Punkterekord der Mannheimer Adler in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), aufgestellt in der Saison 2014/2015 unter Cheftrainer Geoff Ward und zuvor 2006/2007 unter Greg Poss. Am Ende beider Spielzeiten stand für die Nordbadener die Meisterschaft zu Buche. Nun also ein neuer Bestwert mit 109 Zählern, und noch sind vier Hauptrundenpartien zu absolvieren. Die Adler können also bestenfalls noch zwölf weitere Zähler obendrauf packen und auf 121 kommen.

„Miserabel“ nannte Cheftrainer Pavel Gross vor kurzem einmal im Spaß den bisher bestehenden Punkterekord und bewies dabei feinen Humor. Man muss wissen, dass dem 50-Jährigen derlei Rekorde ziemlich egal sind.

Am Dienstag, nach dem recht wilden 6:5 seiner Adler gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven war Gross allerdings weniger zum Spaßen aufgelegt. Er knöpfte sich die DEL und deren restriktive Kommunikationspolitik vor und kritisierte, bei der Pressekonferenz nach dem Spiel auf die Leistungen der Schiedsrichter angesprochen, die Ligabosse scharf: „Es ist alles verboten hier in der Liga, es ist alles verboten, wir haben ein Pflaster auf den Mund bekommen“, sagte der gebürtige Tscheche. Schiedsrichterleistungen dürfen in der DEL von Trainern und Managern öffentlich nicht gerügt werden, kritische Äußerungen werden in der Regel sanktioniert. Gross glaubt, die DEL werde sich so auf keinen Fall weiterentwickeln. „Die Liga wird dadurch ganz schwer besser, wenn wir keine öffentliche Kritik haben, da ist uns der Fußball meilenweit voraus. Deswegen ist die Bundesliga eine der besten Ligen in der Welt, denn man kann mit positiver Kritik umgehen.“

Ob Gross‘ Generalkritik letztlich auch zu Sanktionen führt, wird man abwarten müssen. Rein sportlich setzt der Trainer mit seiner Mannschaft in dieser Spielzeit neue (Punkte-) Maßstäbe. Dennoch: Hauptrunde ist Hauptrunde und Playoffs sind Playoffs. Und wenn du im Viertelfinale in sieben Spielen ausscheidest, hat der beste Punkterekord nichts gebracht.

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Inwieweit die Adler bereits in Playoff-Form sind, können sie am Freitagabend (19.30 Uhr) testen, wenn der einzige verbliebene Verfolger EHC München in der SAP Arena gastiert. Erster gegen Zweiter – eine mögliche Finalkonstellation? Das ist noch weit weg, im letzten Duell der Hauptrunde geht es für beide Mannschaften erstmal um das Heimrecht bis in eine mögliche Finalserie. Mit einem Sieg könnten die Adler beinahe alle Zweifel beseitigen. „Wir wollen die Hauptrunde auf dem ersten Platz beenden und die Partie gegen Bremerhaven war ein guter Test, ob wir für dieses Vorhaben bereit sind“, sagt Garret Festerling. Zuletzt schwächelte aber die Adler-Defensive, bot bei jeweils fünf Gegentreffern in Wolfsburg und gegen Bremerhaven zu viele Lücken. München dürfte diese gnadenlos ausnutzen. Die Partie ist ausverkauft.