Adler fordern München

Es ist schon ein bisschen her, dass die Adler auf dem Eis standen. Am 9. April schaltet Mannheim Köln im Halbfinale aus. Foto: dpa

Traumfinale in der DEL ist perfekt: Am Donnerstag erwartet Hauptrundensieger Mannheim den Titelverteidiger München zum ersten Spiel in der SAP Arena.

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MANNHEIM. Als die Mannheimer Adler am Dienstagvormittag in die finale Phase der Vorbereitung auf die Finalserie in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) eingestiegen sind, musste der Gegner erst noch seine Halbfinalarbeit verrichten. Sieben Spiele brauchte der Abonnement-Meister EHC München, um das Überraschungsteam Augsburger Panther in der längsten Serie der DEL-Geschichte zu eliminieren. So kommt es ab dem heutigen Donnerstag zum Traumfinale.

Die Adler wollen in maximal sieben Spielen als Hauptrundenprimus den zuletzt dreimal in Serie erfolgreichen Branchenkrösus aus München vom Thron stürzen. Nach der besten Hauptrunde der DEL-Geschichte starten die Mannheimer am Gründonnerstag (19.30 Uhr) mit einem Spiel vor eigenem Publikum und hätten auch in einem entscheidenden siebten Duell Heimrecht in der SAP Arena. Spätestens am Dienstag, 30. April, ist klar, wer Meister ist.

Die Mannheimer Adler werden nicht müde zu betonen, dass die Kraftfrage keine ist. Der Hauptrundensieger ist relativ problemlos durch die Playoffs marschiert, hat im Viertelfinale gegen Nürnberg ein Spiel abgegeben und in der Vorschlussrunde die Kölner Haie mit 4:0 abblitzen lassen. Die Münchener dagegen mussten ackern, standen in einer harten Serie gegen Augsburg 504:46 Minuten auf dem Eis. Die Adler brauchten für beide Serien nur knapp 40 Minuten mehr, um ins Endspiel einzuziehen.

Welche Rolle spielt also die Kraft? Welche Rolle spielt für München der Rhythmus, weil der EHC ohne Unterbrechung durchspielen kann? Fakt ist, dass die Mannheimer ausgeruhter in die Serie gehen werden. „Wir wollen die Pause zu unserem Vorteil nutzen“, sagt Adler-Angreifer Markus Eisenschmid.

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Das Trainerteam der Mannheimer gestaltete die zweite längere Pause in den Playoffs nach dem Halbfinale etwas anders als nach dem Viertelfinale. Einen Königsweg gebe es ohnehin nicht, meint Chefcoach Pavel Gross. „Wir haben uns die Pause erarbeitet, das muss man positiv sehen“, so Gross. Während am Montag noch eine recht ausgelassene Stimmung im Training herrschte, wurde die Intensität am Dienstag dann spürbar hochgefahren. „Wir haben Tempo gemacht“, so Gross, „wir wollten Geschwindigkeit reinbringen und die Beine bewegen.“

Über seine Aufstellung wollte Gross am Dienstag nichts verraten. Klar ist, dass die Mannheimer mit voller Kapelle antreten können, kein Spieler ist verletzt, alle Mann an Bord. Das zieht aber nach sich, dass es Härtefälle geben wird, die gegen München auf der Tribüne landen. „Wir haben Qualität und Tiefe im Kader, und wir haben Qualität in der Tiefe“, sagt Gross. Für die Spieler in der Zuschauerrolle ist es natürlich keine einfache Situation. Sie können damit natürlich nicht zufrieden sein, machen aber keinen Stunk. „Für uns ist es gut, wenn es die Spieler stört, dass sie nicht dabei sind“, sagt Assistenztrainer Mike Pellegrims. Auch Gross ist das Luxusproblem lieber als ein großes Lazarett: „Wir haben eine gesunde Mannschaft, die voller Energie ist.“

Zum nicht zu unterschätzenden Faktor könnten auch die Zuschauer werden. Durch ihre historische Hauptrunde haben sich die Adler das Heimrecht bis zu einem möglichen siebten Spiel gesichert. In einer Stadt, die sich selbst als „Eishockeystadt“ bezeichnet, kann das den Ausschlag geben. Natürlich sind die ersten beiden Heimspiele ausverkauft. „Die ganze Region freut sich auf das Finale“, so Stürmer David Wolf.

Von Philipp Sémon