Spitzenreiter Adler Mannheim hat richtige Schlüsse gezogen

Chad Kolarik (42) feiert mit seinen Mannheimer Teamkollegen eines der 186 Saisontore. Foto: imago

Schon zweimal zuvor haben die Mannheimer Adler ihren internen Punkterekord gebrochen – und wurden jeweils Deutscher Meister. Der DEL-Rekord ist ein gutes Omen – zumal sechs...

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MANNHEIM. Den 16 Jahre alten Punkterekord der Eisbären Berlin (109) pulverisiert, den eigenen Klubrekord aus den Jahren 2007 und 2015 von je 107 ebenso: Die Mannheimer Adler stehen aktuell bei 112 Zählern und arbeiten in der Deutschen Eishockey-Liga eifrig daran, die Dominanz des Abonnement-Meisters EHC München, der zuletzt drei Titel in Folge holte, zu durchbrechen. Zwei Spieltage vor Ende der Hauptrunde liegen die Nordbadener drei Punkte vor den Bayern, wollen ihren Spitzenplatz verteidigen und in den Play-offs den Angriff auf den Titel starten. Wir analysieren, was die Adler so stark macht.

Der große Umbruch: Im vergangenen Sommer erfolgte das große Reinemachen. Schon während der erfolglosen Vorsaison mussten Trainer Sean Simpson und Manager Teal Fowler gehen. Ex-Meistertrainer Bill Stewart übernahm in der Not, führte die Adler noch bis ins Halbfinale und fungiert heute als Chefscout. Adler-Gesellschafter Daniel Hopp krempelte die sportliche Führung nach dem Aus gegen München komplett um, kein Stein blieb auf dem anderen. Der Tscheche Pavel Gross kam als neuer Trainer aus Wolfsburg. Sportmanager wurde der eher unbekannte Schwede Jan-Axel Alavaara, zuvor als Scout bei den Buffalo Sabres tätig. „Die Ergebnisse nach dem Umbruch sind sehr positiv, das freut uns“, sagt Klubchef Hopp.

Offensivstärke: Wenn die Adler auf dem Eis stehen, dann klingelt es in schöner Regelmäßigkeit. Keine Mannschaft in der DEL traf öfter. In 50 Spielen kommen die Mannheimer auf 186 Treffer, das sind 3,72 pro Spiel. Doch auch in der Abwehr stehen die Mannheimer sicher, ließen mit 112 Gegentreffern nur drei mehr zu als die beste Defensive aus München. Das Spektakel goutieren auch die Fans: Der Zuschauerschnitt in der SAP Arena stieg in dieser Spielzeit auf über 11 300.

Kadertiefe: Wenn alle Spieler gesund sind, hat Pavel Gross die Qual der Wahl. Kaum ein Kader in der DEL hat so viel Tiefe wie jener der Adler, da kann nur noch Abo-Meister München mithalten. Die Mannheimer haben auch in der zweiten oder dritten Reihe noch enorme Qualitäten. Allein zehn Spieler haben eine zweistellige Zahl an Treffern erzielt. Die Kadertiefe macht es so schwer für den Gegner, denn: Er bekommt einfach keine Verschnaufpause.

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Charakter: Im Hintergrund arbeitet der neue Sportmanager Alavaara geräuschlos, aber äußerst erfolgreich. Nicht nur Talent, auch Charaktereigenschaften spielten bei der Kaderzusammenstellung eine Rolle. Pavel Gross über seine Jungs: „Das sind gute Leute, gute Menschen mit einem guten Charakter. Das macht sich bei der Arbeitseinstellung bemerkbar, wir können sehr gut mit ihnen arbeiten.“

Das skandinavische Element: Die Adler scouteten ihre Importspieler früher ausnahmslos auf dem nordamerikanischen Markt. Dort ist der Klub immer noch sehr aktiv. Pavel Gross verbrachte erst die letzte Länderspielpause in Buffalo und Toronto. Doch der Schwede Alavaara verfügt über sehr gute Kontakte nach Skandinavien. Mit Tommi Huhtala und Joonas Lehtivuori stehen erstmals zwei Finnen im Kader der Adler – und sind absolute Führungsspieler.

Der Faktor Trainer: Mit Pavel Gross konnte Gesellschafter Daniel Hopp seinen Wunschtrainer in die Kurpfalz locken. In Wolfsburg schrieb Gross trotz bescheidener Mittel eine Erfolgsgeschichte. Der 50-jährige Tscheche sollte die Adler binnen drei Jahren wieder titelfähig machen. Nun steht er mit seiner Mannschaft bereits in der ersten Saison auf Rang eins und ist neben München Kandidat Nummer eins auf die Meisterschaft.

Gross gilt als detailversessener, akribischer Arbeiter mit großem Eishockey-Sachverstand. Die Adler nutzen neueste Technologien, haben während der Spiele Scouts auf den Tribünen verteilt, die direkten Kontakt zur Trainerbank haben, um Schwächen des Gegners noch schneller analysieren und ausnutzen zu können. Auch menschlich kann Gross die früher nicht immer einfache Mannheimer Kabine hinter sich bringen. Und Gross weiß, wie man in Mannheim Titel gewinnt: Als Spieler holte er mit den Adlern zwischen 1997 und 1999 dreimal in Folge die Deutsche Meisterschaft. Torwart Dennis Endras fasst die Erfolgsformel zusammen: „Er weiß, was er will. Und wir Jungs wissen, was er will.“