Die großen Gewinner bei der Eintracht: Durm, Barkok und Sow

aus Eintracht Frankfurt

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Wechselt Eintracht-Spieler Aymen Barkok (links) im Sommer nach Mainz? Oder doch schon im Winter? Archivfoto: dpa

Sow, Durm und Barkok zählen zu den Überraschungen im Eintracht-Kader. Sportvorstand Fredi Bobic zeigt sich mit dem Konzept, den Jungen mehr Spielpraxis zu ermöglichen, zufrieden.

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FRANKFURT. Am 17.Januar bestreitet David Abraham (34) sein letztes Spiel für die Frankfurter Eintracht. Das Vorrundenfinale gegen den FC Schalke 04 wird auch zum Finale der Karriere für den Kapitän der „Adler“. Die Suche nach einem Nachfolger für den Argentinier, der in seine Heimat zurückkehren wird, ist in vollem Gange. Die erste Option ist der Brasilianer Tuta, 22 Jahre jung, zweifellos talentiert, aber mit durchaus anderen Vorzügen ausgestattet als der noch immer pfeilschnelle und zweikampfstarke Abraham.

Bobic hält am Konzept für junge Spieler fest

In Augsburg am letzten Samstag hatten bei Tuta Licht und Schatten gewechselt. „Ich bin sehr zufrieden mit seiner Entwicklung“, sagt Sportvorstand Fredi Bobic, „junge Spieler, vor allem wenn sie von einem anderen Kontinent zu uns kommen, brauchen eine gewisse Zeit.“ Tuta sei nach Daichi Kamada und Aymen Barkok ein weiterer Beweis, „dass unser Konzept, jungen Spielern nochmals bei anderen Vereinen Spielpraxis zu ermöglichen, stimmt.“

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Ob die Eintracht sich freilich alleine auf die kontinuierliche Weiterentwicklung von Tuta verlassen wird, ließ der Sportboss offen. „Wir schauen, ob etwas möglich ist“, sagt Bobic, „das ist in erster Linie eine wirtschaftliche Frage.“ Eine sportliche Notwendigkeit sehe er „nicht unbedingt.“ Wahrscheinlicher sei es während der winterlichen Transferperiode, „dem einen oder anderen, der derzeit hintenansteht, den Weg zu einer anderen Chance zu ermöglichen.“ Das bezieht sich offensichtlich auf den abwanderungswilligen Danny da Costa (wir berichteten).

Da Costa (27) ist das „Opfer“ einer Leistungsexplosion des Kollegen Erik Durm (28). Der ehemalige Dortmunder, Mitglied des Weltmeister-Kaders 2014, ist der ganz große Gewinner im bisherigen Saisonverlauf. Durm ist von Null auf Hundert durchgestartet. In den ersten sieben Spielen hat er nicht ein einziges Mal auch nur im Kader gestanden. In den letzten sechs Spielen hat er immer in der Anfangself gestanden. Gespräche über eine Auflösung des bis 2023 laufenden Vertrages, die im Winter geführt werden sollten, sind längst vom Tisch. „Ich bin einfach nur glücklich“, hat Durm jüngst gesagt, „ich habe jeden Tag versucht, im Training alles rauszuhauen und auf meine Chance gewartet. Der Trainer hat mir diese gegeben, darüber bin ich froh.“

"Er ist ein Rohdiamant"

Trainer Adi Hütter hatte sich von den Trainingsleistungen des aus dem englischen Huddersfield geholten Verteidigers überzeugen lassen. „Erik hat einen harten Weg hinter sich“, lobt er, „wie er sich zurückgefightet hat, hat mir imponiert.“ Durm ist nicht der einzige Gewinner. Zu dieser Kategorie zählt zweifellos auch Aymen Barkok (22). Im Sommer 2019 hatte die Eintracht das Eigengewächs an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen. Barkok sollte unter Trainer Friedhelm Funkel Spielpraxis sammeln. Das klappte nur ganz zu Beginn, später aber gar nicht mehr. Zurückgeworfen durch eine Schulterverletzung hatte Barkok den Anschluss verloren. Unter Funkels Nachfolger Uwe Rösler bekam er gar keine Chance mehr. Die Rückkehr nach Frankfurt war Erlösung einerseits und Ansporn andererseits.

Zu Hause hat Barkok, der das Kicken in der Nordweststadt gelernt hat, am Riederwald ausgebildet wurde und auch mal für die Jugend der Offenbacher Kickers gespielt hat, zu alter Stärke zurückgefunden. „Er ist ein Rohdiamant“, hatte einst Trainer Niko Kovac gesagt, als er Barkok noch im Jugendalter in die Bundesliga gebracht hatte. Jetzt, nach 12 Einsätzen in dieser Saison, zwei Toren und drei Torvorlagen, steht Barkok bei der Eintracht für Aufbruch und für technisch guten Fußball.

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Er hat die Erwartungen bislang jedenfalls weit übertroffen. „Bei Aymen konnten wir diese Geschwindigkeit der Entwicklung vielleicht nicht erwarten, weil er in Düsseldorf auch bedingt durch Verletzungen nicht so performt hat, wie wir uns das erhofft hatten“, räumt Boss Bobic ein, gibt allerdings auch den Mahner. Barkok werde in seinen Leistungen „Schwankungen unterliegen“, glaubt er, „er ist auf einem sehr guten Weg, darf aber nicht abheben.“ Dass der ehemalige deutsche Junioren-Nationalspieler so ganz „nebenbei“ noch den Weg in die marokkanische Nationalmannschaft gefunden hat, rundet sein starkes halbes Jahr ab.

Positiv entwickelt hat sich auch Djibril Sow (23). Der Schweizer Nationalspieler hatte ein schweres erstes Jahr hinter sich und zu Beginn der Saison auch noch seinen Stammplatz gänzlich verloren. Die Entwicklung verlief ganz ähnlich wie beim Kollegen Durm: An den ersten sieben Spieltagen kaum oder gar nicht berücksichtigt, seit sechs Spielen immer in der Anfangself. Sow hat an der Seite von Sebastian Rode endlich seinen Platz im Team gefunden. Womöglich amortisiert sich die 10-Millionen-Euro-Ablöse, die die Eintracht letztes Jahr an Young Boys Bern gezahlt hat, doch noch.

Von Peppi Schmitt