Eintracht Frankfurt droht Europa-League-Aus - 2:4 bei Benfica

aus Eintracht Frankfurt

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Makoto Hasebe (li.) von Eintracht Frankfurt in Aktion gegen Alex Grimaldo (M) und Franco Cervi (re.) von Lissabon.   Foto: dpa

Eine Niederlage kassierte Eintracht Frankfurt am Donnerstagabend im Viertelfinal-Hinspiel der Europa-League bei Benfica Lissabon.

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FRANKFURT. Die Siegesserie der Frankfurter Eintracht ist gerissen und auch die Reise durch Europa könnte in der portugiesischen Hauptstadt zu Ende gegangen sein. Die Frankfurter unterlagen Benfica Lissabon mit 2:4 (1:2) und haben damit für das Rückspiel am kommenden Donnerstag eine schlechte aber nicht komplett aussichtslose Ausgangsposition. Es war eine Begegnung, in der vieles schiefgelaufen ist für die Hessen, von der Torhüterleistung bei Kevin Trapp, der einen schwarzen Tag erwischt hatte, über einen frühen Platzverweis für Evan Ndicka bis hin zu einer in der zweiten Halbzeit komplett instabilen Leistung.

Die Eintracht wurde vor 54.000 Zuschauern, darunter 3200 aus der Heimat von Benfica phasenweise überrollt, wehrte sich aber bis zur letzten Minute. Lissabons neuer Star, der 19 Jahre alte Joao Felix erzielte drei Tore, Ruben Dias den vierten für die Gastgeber. Den zwischenzeitlichen Ausgleich hatte Luka Jovic geschossen, das zweite Frankfurter Tor Goncalo Paciencia geköpft.

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Rote Karte nach Foul im Strafraum

Für ein wenig Rätselraten hatten die beiden Trainer schon vor dem Spiel gesorgt. Benfica-Coach Bruno Large verzichtete überraschend auf Haris Seferovic, der ehemalige Frankfurter saß nur auf der Bank. Und Adi Hütter stellte relativ vorsichtig auf, brachte mit Hasebe, Fernandes und Rode im Grunde drei defensive Mittelfeldspieler vor der Dreier-Abwehrkette. An der offensiven Grundeinstellung änderte das aber nichts, Die Eintracht begann wie immer in der Europa-League mit voller Angriffswucht und überraschte Benfica damit ganz eindeutig. Jovic, der schon in der 4. Minute die gelbe Karte gesehen hatte, lief kaum sechzig Sekunden später alleine aufs Tor, war aber nicht schnell genug und wurde noch abgedrängt.

Die Eintracht war besser, überlegen – genau bis zur 19. Minute, dann drehte sich das ganze Spiel. Nach einer schnellen Kombination der Gastgeber, wusste sich Ndicka im Strafraum nur noch durch ein Foul gegen Gedson zu helfen. Schiedsrichter Taylor zögerte keine Sekunde, pfiff Elfmeter und stellte den Frankfurter vom Platz. Den Strafstoß verwandelte Jungstar Joao Felix, Trapp wäre fast dran gewesen. Nach zwanzig Minuten war der Plan der Eintracht hinfällig und Benfica in seinem Element. Trainer Hütter stellte natürlich sofort um, Hasebe ging zurück auf die Liberoposition, Jovic und Rebic zogen sich aus der Spitze etwas weiter zurück. Aber die Portugiesen spielten nun ihre ganze technische Klasse aus, ließ die Eintracht phasenweise richtig laufen. Zudem sah auch Rebic noch „Gelb“.

Die Eintracht war unterlegen, blieb aber immer im Spiel. Abraham köpfte freistehend über das Tor, Rebic wurde beim Torschuss abgeblockt. Und dann erzielten die Frankfurter den Ausgleich. Rode hatte den Ball erobert, Rebic hatte sich dann durchgesetzt und Jovic in der 40.Minute freistehend verwandelt. Der Jubel nach dem Tor gegen seinen Ex-Klub fiel dezent aus. Bis zur Pause überschlugen sich dann die Ereignisse. Benfica kam sofort zurück. Joao Felix erzielte in der 43. Minute seinen zweiten Treffer. Die Frankfurter störten zu spät, Felix kam frei zum Schuss, Trapp reagierte unglücklich – drin. Sekunden vor der Pause war dann wieder die Eintracht dran. Nach Kostics Schuss zappelte der Ball im Netz. Doch nach einigen Überlegungen hob der Linienrichter dann doch deutlich verspätet noch die Fahne. Gleich drei Frankfurter hatten im Abseits gestanden, zwar nicht eingegriffen, aber den Torhüter doch irritiert. Alle Proteste der Eintracht halfen nichts. Selbst Manager Bruno Hübner diskutierte beim Gang in die Pause mit dem Referee.

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So stark die Eintracht begonnen hatte, so stark kam nun Benfica aus der Kabine. Mit einem Doppelschlag innerhalb von dreieinhalb Minuten zwischen der 50. und 53. Minute wurde die Partie dann schnell entschieden. Nach einem Eckball, der am ersten Pfosten abgefälscht wurde, trudelte der Ball über Trapp hin weg und Dias köpfte aus kurzer Distanz ein. Die Eintracht wackelte jetzt bedenklich – und sie fiel. Kurz darauf war Joao Felix wieder frei im Strafraum und schoss Trapp den Ball aus zehn Metern durch die Beine.

Guzman für Jovic

Nun war die Luft raus bei den zuvor so tapfer kämpfenden Frankfurtern. Trainer Hütter warf die personelle Bremse rein, nahm Stürmer Jovic vom Platz und brachte Mittelfeldspieler Johnny de Guzman, um ein noch größeres Debakel zu verhindern. Dann kam auch noch Goncalo Paciencia für Rebic. Der Trainer dachte nun schon, zu Recht, an das Heimspiel am Sonntag gegen den FC Augsburg, das ja ebenfalls große Bedeutung haben wird. Benfica konnte das Spiel nun genießen, teilweise zelebrieren. Der Ball lief über viele Stationen durch die Reihen der rot-weißen, es waren nun wirklich ganz, ganz schwere Minuten für die Eintracht. Torwart Trapp verhinderte dann mit einer schönen Fußabwehr gegen den eingewechselten Haris Seferovic einen weiteren Gegentreffer. Und auf einmal war die Eintracht nochmal zurück im Spiel. Paciencia köpfte den Ball in der 72. Minute zum 4:2 ein.

Es war erstaunlich, wie die Eintracht sich aus fast aussichtsloser Situation noch einmal zurückkämpfte. Benfica verlor in der letzten Viertelstunde die Souveränität, hatte wohl auch ein paar konditionelle Probleme. Das war überraschend, haben sie doch dreiviertel der Partie mit einem Mann mehr gespielt. Die Eintracht stand nun vor der schwierigen taktischen Frage: Was konnte man in Unterzahl noch riskieren? Ein Rückstand von zwei Toren im Rückspiel aufzuholen, ist sicher schwierig, aber auch nicht völlig unmöglich.

Vorwürfe müssen sich die Frankfurter als Mannschaft nicht machen. Es hat nicht an Kampfgeist gefehlt, es wurden aber einfach zu viele individuelle Fehler gemacht. Der Platzverweis wog als Handicap schwer, der schwache Tag des Torwarts fiel auch ins Gewicht.

Von Peppi Schmitt