Eintracht Frankfurt: Es wird unbequeme Entscheidungen geben

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Der Frankfurter Makoto Hasebe (l) und Kölns Salih Özcan haben nur Augen für den Ball.  Foto: dpa

Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt berät über Gehaltsverzicht und Kurzarbeit. Welche Spielerverträge verlängert werden, ist noch unklar.

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FRANKFURT. Der Fußball ist in den Hintergrund getreten in den vergangenen Wochen. Und doch müssen bei den Klubs auch sportliche Planungen vorangetrieben werden. Bei der Frankfurter Eintracht zeichnet dafür Sportvorstand Fredi Bobic verantwortlich. Seit Freitag steht der Eintracht-Boss nicht mehr unter häuslicher Quarantäne und arbeitet wieder im Büro in der Arena. „Wir haben viel zu tun, das geht den Kollegen nicht anders“, sagt er, „mein Telefonknopf im Ohr ist wie eingepflanzt.“ Dabei befindet sich die Eintracht in Bezug auf die Verträge mit den Spielern in einer vergleichsweise komfortablen Position. Nur sechs Verträge laufen aus, darunter sind mit Makoto Hasebe und Gelson Fernandes lediglich zwei absolute Stammspieler. Dazu noch die Kontrakte der Nachwuchsspieler Sahverdin Cetin und Patrick Finger sowie der Routiniers Johnny de Guzman und Marco Russ. Bobic: „Wir versuchen, unsere Hausaufgaben zu machen.“

Über einzelne Spieler wollte der Frankfurter Fußballboss in einem Interview bei „Sky“ nicht sprechen, deutete freilich an, dass nicht alleine sportliche Belange in die Entscheidungen über eventuelle Vertragsverlängerungen einfließen würden. „Es wird unbequeme und schwere Entscheidungen geben“, sagte er, „welche Investitionen man tätigen kann, hat alles mit dem Budget zu tun, nicht mehr alleine mit sportlichem Verstand.“ Er habe selbst noch kein Gefühl wie der Transfersommer aussehen werde. „Es wird sehr anspruchsvoll für alle, sauber zu planen und die Zeit zu überstehen“, glaubt er, „es werden auch Fehler passieren, weil es ja keiner erlernen und sich keiner darauf vorbereiten konnte.“ Er gebe Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß völlig Recht, der nach Corona eine „veränderte Fußball-Welt“ erwartet.

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Kostic-Transfer ist unwahrscheinlich

Für die Eintracht kann Bobic die personelle Lage relativ entspannt beobachten. 19 Spieler stehen über die Saison hinaus unter Vertrag, darunter alle Stars wie Kevin Trapp, Martin Hinteregger, Sebastian Rode, André Silva, Bas Dost oder Filip Kostic. Die Ausgangspositionen im einen oder anderen Fall haben sich freilich verändert. Ein Verkauf von Kostic, wie allgemein wegen dessen Klasse erwartet, wird es wohl kaum geben. Bis vor ein paar Wochen hätte die Eintracht noch mit einer Ablösesumme von 40 Millionen Euro aufwärts für den serbischen Flügelflitzer rechnen können. Nun aber wird es kaum einen Klub geben, der eine solche Summe bereit und in der Lage ist zu bezahlen. Zudem wird die Eintracht ihr „bestes Pferd im Stall“ auch nicht unter Wert verkaufen. Auch Kostic selbst, der sich gerade eine Immobilie in Frankfurt zugelegt hat, wird sicher nicht mit aller Macht auf seinen Abschied drängen.

Eine im Rückblick glückliche Entscheidung war es, die beiden Leihverträge von Ante Rebic (von der Eintracht zum AC Mailand) und André Silva (vom AC Mailand zur Eintracht) auf zwei Jahre anzulegen. Sie laufen also noch bis 2021. Beide haben inzwischen in ihren neuen Klubs gezündet, aktuelle besteht kein Handlungsbedarf. Meldungen, die Eintracht wolle Silva so schnell wie möglich dauerhaft verpflichten, sind nicht mehr als ein Gerücht. „Die Leute, mit denen ich im letzten Sommer bei Milan verhandelt habe, sind nicht mehr im Amt“, beschreibt Bobic die Lage, „und Paulo Maldini hat aktuell andere Sorgen.“ Der neue Manager des AC Mailand wurde positiv auf Corona getestet. Die Eigentümer des AC Mailand sitzen im London und hätten im Moment auch ganz andere Probleme. Bobic: „Wenn die Zeit reif ist, werden wir irgendwann darüber sprechen“. Das kann freilich dauern. Noch eien im Nachhinein hilfreiche Entscheidung: Mit Ragnar Ache haben die Frankfurter schon vor Wochen einen neuen Stürmer von Sparta Rotterdam für die neue Saison verpflichtet.

Auch bei der Eintracht wird natürlich über Gehaltsverzicht der Profis und Kurzarbeit für die Mitarbeiter nachgedacht. Beides sei „möglich“, sagt Bobic. Die Gespräche würden in den nächsten Wochen intensiviert, nachdem Finanzvorstand Oliver Frankenbach die wichtigsten finanziellen Eckdaten zusammengetragen hat. „Wir haben jetzt alle Zahlen und können in aller Ruhe durchgehen, was wir in allen Abteilungen einsparen können und wo wir einen Investitionsstopp vornehmen müssen.“ Die Spieler und alle anderen Mitarbeiter müssten ihren Teil dazu beitragen, „sodass wir niemand entlassen müssen.“ Eingestellt ist die Eintracht auf einen sportlichen Neustart Ende April/Anfang Mai. In der Liga gelte es dann, den Abstand zur direkten Abstiegszone (aktuell sechs Punkte) zu vergrößern. „Wenn ein Mittelfeldplatz rauskommt in dieser Saison, ist alles nicht so schlimm“, sagt Bobic, „ein Jahr ohne Europa wäre vielleicht zum Durchschnaufen auch nicht so übel für uns.“ Und schließlich gibt es ja noch die Pokal-Chance. „Vielleicht hält ja der Pokal noch ein Schmankerl für uns bereit“, sagt er. Die Eintracht muss im Halbfinale beim FC Bayern München antreten.

Von Peppi Schmitt