Eintracht Frankfurt so schlecht wie nie in dieser Saison

aus Eintracht Frankfurt

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Filip Kostic (rechts, hier im Duell mit dem Wolfsburger William) reihte sich nahtlos in die schwache Leistung seiner Teamkollegen ein. Foto: dpa

Nach der Niederlage gegen Wolfsburg prasselt heftige Kritik auf die Eintracht-Profis ein. Trainer Adi Hütter will vor dem Duell mit Arsenal London zurück zu den Wurzeln.

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FRANKFURT. „Das war nicht Frankfurt like.“ Das hat Adi Hütter nach der ersten Heimniederlage der Saison gesagt, dem 0:2 (0:1) gegen den VfL Wolfsburg. Treffender hätte der Trainer der Frankfurter Eintracht die 94 Minuten in der mit 50.500 Zuschauern fast ausverkauften Arena nicht zusammenfassen können. „Es war ein gebrauchter Tag“, assistierte Sportvorstand Fredi Bobic. So schlecht wie diesmal hatte die Eintracht in der ganzen Saison noch nicht gespielt, mal eine Halbzeit vielleicht, aber nie so durchgehend. „Bei uns hat die Spielidee gefehlt“, war dem in Interviews eigentlich besonders vorsichtigen Makoto Hasebe eine ziemlich deutliche Kritik rausgerutscht. Der japanische Libero, als einziger halbwegs in Normalform unterwegs, hatte von hinten den besten Überblick über die untauglichen Versuche der Mannschaft dem unbequemen Gegner beizukommen. „Die Mannschaft wollte, aber wir hatten diesmal nicht die Mittel“, räumte auch der Trainer unumwunden ein, bevor er sich an die Ursachenforschung machte. Hütters wichtigstes Fazit: „Wir müssen zurück zu den Wurzeln“.

Eintracht Frankfurt steht seit einigen Jahren für Leidenschaft, für Kampfkraft, für Tempo, für Wucht, für Herz, für nie aufgeben. All das war von der ersten bis zur letzten Minute gegen Wolfsburg nicht sichtbar. Übrigens auch nicht hörbar, denn die Fans haben sich mit ihrem eher einschläfernden denn aufrüttelnden Dauer-Sing-Sang den diesmal nicht bereiten Profis angepasst. Mit dem zweiten Wolfsburger Tor nach einem Fehler von Torwart Felix Wiedwald war die Partie in der 65. Minute bereits entschieden. Das 1:0 für die Gäste hatte Wout Weghorst in der 19. Minute per Kopf erzielt. Von der Eintracht kam kein Aufbäumen, es kam einfach nichts mehr. Der Trainer hatte seine Mannschaft nicht mehr erkannt. Und wurde deutlich. Die Kritik prasselte wie wie Peitschenschläge nieder: „Nicht griffig. Nicht aggressiv. Kein Gegenpressing. Kein Tiefgang. Keine Kreativität. Zu harmlos“. Noch Fragen? Nicht die Niederlage an sich hatte Hütter getroffen, sondern die Art und Weise. „Es stört mich besonders, dass wir unser Leistungspotential nicht abgerufen haben“, schimpfte er.

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Nicht einmal die Überzahl ab der 46. Minute nach der „gelb-roten“ Karte für den Wolfsburger Marcel Tisserand hatte den Frankfurtern Beine gemacht. Dabei wissen sie, wie es geht: Vor zwei Wochen hatten sie in Überzahl die Bayern mit 5:1 aus dem Stadion gefegt. Diesmal aber hat nichts funktioniert. Manchmal hab „das Feuer gefehlt“, stellte Djibril Sow eine erstaunliche Diagnose. Goncalo Paciencia wollte viel Chancen gesehen haben, die es aber nicht gegeben hatte. Genau zweimal war die Eintracht einem Treffer nahe. „Ich bin einfach sauer, weil wir es nicht gut gemacht haben“, ärgerte sich Bas Dost. Es war aus Frankfurter Sicht ein Spiel zum Vergessen, mannschaftlich und individuell.

Martin Hinteregger wirkte auf rechts diesmal deplatziert. Evan Ndicka spielte wieder so wie zu Beginn seiner Frankfurter Zeit, mutlos auf dem Weg nach vorne. Erik Durm fand über rechts im Grunde nicht statt. Djibril Sow war ein Totalausfall, Mijat Gacinovic nur läuferisch ein wenig besser. Paciencia rieb sich in Dauerzweikämpfen auf und Bas Dost war kaum am Ball. Die Aufzählung der Mängel ist nicht vollständig. Das Spiel sei manchmal „stupide“ gewesen, mäkelte Adi Hütter. Es wird am Trainer sein, die genauen Gründe für den krassen Leistungsabfall herauszufinden. Das muss schnell gehen, den am Donnerstag kämpft die Eintracht bei Arsenal London um die Chance, europäisch überwintern zu können. „Wenn wir so auftreten wie heute, werden wir Probleme haben“, stellte Hütter nüchtern fest, „wenn wir so auftreten wie gegen Leverkusen und Bayern, dann werden wir unsere Chancen haben.“

In der Liga haben die Frankfurter den Anschluss nach oben zunächst verloren. Das vorher als richtungsweisend bezeichnete Spiel gegen den „Angstgegner“ aus Wolfsburg, der nun viermal in Folge in Frankfurt gewonnen hat, hat die Richtung vorgegeben. Der Pfeil zeigt aktuell nach unten, auch wenn die Abstände in der Tabelle noch nicht dramatisch sind. Doch die Hoffnung, in den nächsten Wochen gegen schlechter platzierte Teams wie Mainz, Hertha, Köln oder Paderborn richtig Boden gut zu machen, könnte trügerisch sein. Denn neben all den fürs Wolfsburg-Spiel beschriebenen Mängel, gibt es auch zwei grundsätzliche Probleme. Zum einen ist die Eintracht als Team nicht mehr wirklich frisch, was nach den Belastungen mit nun schon 24 Pflichtspielen keine wirkliche Überraschung sein kann. Zum anderen, und das ist alarmierender, fehlt es im Spiel nach vorne an Kreativität. Selbst der eingewechselte Japaner Daichi Kamada, ein durchaus feiner Fußballer, war nicht in der Lage, irgendwelche Akzente zu setzen. Genau darum muss sich die Eintracht immer und ausschließlich auf ihre körperlichen und mentalen Stärken verlassen. Sind die mal nicht umzusetzen, wie diesmal, ist die Mannschaft verlassen.

Von Peppi Schmitt