Eintracht-Trainer Hütter will Sinne schärfen

aus Eintracht Frankfurt

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Adi Hütter, Trainer von Eintracht Frankfurt. Foto: dpa

Eintracht Frankfurt steht sowohl in der Europa League als auch in der Bundesliga vor richtungsweisenden Spielen. Vor dem Auswärtsspiel bei Arsenal London zieht Trainer Hütter...

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FRANKFURT. Kein freier Tag („Nicht nach so einem Spiel“), zwei Tage Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit und eine klare Ansage Richtung Mannschaft: „Wir müssen zurück zu den Wurzeln“. Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter hat die Zügel nach der 0:2-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg und vor dem Auswärtsspiel in der Europa-League bei Arsenal London am Donnerstag deutlich angezogen. Als „Strafe“ in irgendeiner Form will er das nicht betrachtet haben, wohl mehr als Schärfung der Sinne. Trotz der jüngsten Rückschläge mit drei Niederlagen in Folge ist (noch) nichts verloren für die Eintracht. Doch die schnelle Spielabfolge birgt nun die Gefahr sich zum falschen Zeitpunkt eine Krise zu nehmen und bis Weihnachten viel zu verlieren.

Das Spiel im „Emirates“ gegen Arsenal hat eine hohe Bedeutung, auch wenn die Frankfurter am Donnerstag egal in welcher Konstellation weder definitiv ausscheiden noch weiterkommen kommen können. Noch gibt es in der Europa-League-Gruppe F viele Möglichkeiten. Aktuell liegt Arsenal mit 10 Punkten vor Standard Lüttich und der Eintracht (beide 6) und Guimaraes (1). Alle vier können noch die nächste Runde erreichen, alle vier können noch rausfliegen. Das dies auch die eigentlich souverän in Führung liegenden Engländer betrifft, macht die Frankfurter Aufgabe noch schwerer. Arsenal braucht zum Einzug ins Sechzehntelfinale noch einen Punkt, bei zwei Niederlagen in den letzten beiden Begegnungen gegen die Eintracht und in Lüttich könnten sie plötzlich der weinende Dritte sein. Gegenüber Lüttich gilt für die Eintracht: Sie muss entweder einen Punkt mehr holen als der direkte Kontrahent oder bei gleicher Punktausbeute mindestens ein Tor mehr schießen als die Belgier.

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Der Frankfurter Trainer wird sich mit den Details der Tabellenarithmetik nicht beschäftigen, er wird vielmehr versuchen, seine Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen. In Europa haben die Frankfurter in der vergangenen Saison für viele Überraschungen gesorgt, auch auswärts. So eine Überraschung hält Hütter auch bei Arsenal für möglich, „wenn wir so spielen wie gegen Bayern oder Bayer.“ Andererseits würde eine Leistung wie gegen Wolfsburg sicher nicht zu einem Sieg reichen. Personell kann der Eintracht-Coach wohl aus den „Vollen“ schöpfen. Frederik Rönnow geht es nach seiner schweren Erkältung, die ihn am Einsatz gegen Wolfsburg gehindert hat, wieder deutlich besser. Am Montag war er beim Training. Der dänische Nationalkeeper wird in London spielen können. Alles andere wäre auch eine mittlere Katstrophe, denn neben Kevin Trapp (verletzt) würde ja auch Felix Wiedwald (nicht gemeldet) nicht zur Verfügung stehen. Dann müsste Jan Zimmermann spielen, der sein letztes Pflichtspiel am 21. November 2016 bestritten hat, damals noch für 1860 München in der Zweiten Liga gegen den 1.FC Kaiserslautern.

Kostic kostet mindestens 50 Millionen Euro

Zurückkehren ins Aufgebot und damit auch in die Anfangself werden David Abraham und Gelson Fernandes. Auch Danny da Costa wird von Beginn an spielen, ziemlich sicher auch André Silva. Der Frankfurter Trainer wird also inklusive Torwart fast die halbe Mannschaft verändern. Da sollten konditionelle Schwierigkeiten eher eine untergeordnete Rolle spielen. Ankommen wird es in erster Linie auf die Geschlossenheit des Teams, ab er auch auf die Form einzelner Spieler.

Gerade von Filip Kostic ist die Eintracht extrem abhängig, in dieser Saison noch mehr als schon in der letzten. Der serbische Nationalspieler ist aktuell der einzige, der wirklich den Unterschied ausmachen kann, egal gegen welchen Gegner. Dem Klub ist es im Sommer nicht gelungen, einen halbwegs gleichwertigen „Backup“ für Kostic zu holen. Gedacht war dafür eigentlich Erik Durm, doch der wird vom Trainer bevorzugt auf der anderen Seite eingesetzt. Versuche mit Timothy Chandler haben sich als Notlösungen herausgestellt.

Obwohl Kostic noch bis 2023 unter Vertrag steht, rechnen nicht wenige damit, dass er der nächste Millionen-Euro-Verkauf sein wird. Aktuell wird der Marktwert des Außenspielers auf 38 Millionen Euro geschätzt. „Bei einem 50-Millionen-Euro-Angebot wird es sehr schwer einen solchen Spieler zu halten“, hat Sportvorstand Fredi Bobic schon mal eine Marke gesetzt. „Unverkäuflich“ sei bei einem Klub wie der Eintracht jedenfalls kein Spieler. Zumindest nicht auf Dauer, denn vor dieser Saison hatten die Frankfurter schon viele Angebote abgelehnt. Was ihnen nicht schwer gefallen ist, nachdem ja die Topstürmer Luka Jovic und Sébastien Haller teuer verkauft werden konnten und genügend Geld in der Kasse war. Im nächsten Sommer ist die Ausgangsposition eine andere.

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Von Peppi Schmitt