Kamada lässt die Eintracht jubeln: Achtelfinale in Sicht

aus Eintracht Frankfurt

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Frankfurts Daichi Kamada (2.v.r.) erzielt das Tor zum 2:0 gegen Salzburgs Torhüter Cican Stankovic.  Foto: Arne Dedert/dpa

Nach einem Torefestival kann Eintracht Frankfurt wohl für das Achtelfinale der Europa League planen - dank Daichi Kamada. Der überragende Japaner traf gleich dreimal.

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FRANKFURT. Als Daichi Kamada zehn Minuten vor dem Schlusspfiff ausgewechselt wurde, genoss er sichtlich die stehenden Ovationen im Stadion. Der Japaner war beim 4:1 (2:0)-Hinspielerfolg der Frankfurter Eintracht in der Europa League gegen RB Salzburg der Mann des Abends: Kamada hatte die hessischen Bundesliga-Fußballer mit einem Dreierpack (12./43./53.) in Front gebracht. Den vierten Treffer steuerte Filip Kostic (56.) bei.

Den schwachen Gästen gelang nur der Ehrentreffer von Hee-Chan Hwang (83.) per Foulelfmeter. Die Tür zum Achtelfinale ist damit weit geöffnet, die magischen Europacup-Nächte der Eintracht dürften auch nach dem Rückspiel nächsten Donnerstag in Österreich weitergehen.

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Das Spiel stand natürlich auch unter dem Eindruck des rassistischen Anschlags von Hanau. Beide Mannschaften trugen Trauerflor, kurz vor dem Anpfiff gab es eine Schweigeminute. Als vereinzelte Chaoten diese mit Rufen störten, riefen tausende Eintracht-Fans „Nazis raus!“. Ein bewegender Moment im Frankfurter Stadtwald.

Kritik an Uefa

Zuvor war auch die von der Uefa untersagte Choreografie noch mal Thema. SGE-Vorstand Axel Hellmann kritisierte scharf: „Das geht gegen Fans, gegen die Fankultur und gegen den Fußball.“ Das Verbot stoße „sauer auf. Es ist ein Schlag ins Gesicht unserer Bemühungen, in der Fanszene Sicherheitsaspekte zu vermitteln“. Hellmann bezeichnete die Uefa als „weltfremden Verband“. Die Uefa hatte den Frankfurtern nicht erlaubt, vor der Begegnung 20.000 Wunderkerzen abzubrennen – obwohl die Erlaubnis aller zuständigen Behörden vorlag. Der Eintracht-Boss kündigte an: „Wir haben der Uefa am Mittwoch in einem Brief geschrieben, dass wir das zum Anlass nehmen, ein paar Praktiken der Verbände zu überprüfen.“

Auf dem Rasen wirkten die Salzburger vor 47.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena zunächst quirliger, drangen direkt zwei, drei Mal in den Frankfurter Strafraum ein. Doch die Hausherren gewannen schnell die Oberhand. Eintracht-Trainer Adi Hütter hatte seine Startformation im Vergleich zum bitteren 0:4 in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund auf drei Positionen verändert: Kamada, Djibril Sow und Makoto Hasebe begannen für Timothy Chandler, Mijat Gacinovic und den gesperrten Martin Hinteregger. Hasebe brachte rasch Sicherheit in die Defensive, in der Stefan Ilsanker Hintereggers Part in der Innenverteidigung übernahm. Und vorne war Kamada nicht zu stoppen.

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Die zwölfte Minute: Die Gastgeber düpierten die Salzburger Hintermannschaft mit einem schnellen Einwurf, Almamy Touré bediente Kamada, der Keeper Cican Stankovic aus kurzer Distanz keine Chance ließ. Neun Minuten später: Erneut ein flinker Einwurf, erneut zog Kamada ab – und verfehlte nur um Zentimeter. In der 33. Minute verpasste Kostic ebenfalls nur haarscharf. Und die hoch gehandelten Salzburger? Die fanden keine Lücke, die Frankfurter agierten abgeklärt und diszipliniert.

Fans feiern Team

Und mit Spielfreude. Einen sehenswerten Spielzug über das ganze Feld, eingeleitet von Hasebe, verlängert von Sow, vollendete Kamada im Stile eines ganz Großen. Der Japaner tanzte die Salzburger Abwehr aus und lupfte gekonnt über Stankovic hinweg zum 2:0 ins Tor. Nach dem Seitenwechsel spielte sich die Eintracht dann in einen wahren Rausch. Evan Ndicka flankte, Kamada köpfte ein – der dritte Treffer des 23-Jährigen. Drei Minuten danach passte André Silva zu Kostic, der aus spitzem Winkel das 4:0 besorgte. Und nur wenig später hatte Sebastian Rode das 5:0 auf dem Fuß, verzog aber leicht.

Die Fans feierten ihre Mannschaft. Und die wollte immer noch mehr. Ndicka und der eingewechselte Goncalo Paciencia scheiterten in der 78. Minute binnen Sekunden an Stankovic. Stattdessen trafen aber die Gäste. Sow brachte Andreas Ulmer zu Fall, Hwang verlud SGE-Torwart Kevin Trapp. Am Ende schallte es „Im Herzen von Europa“ durch die Arena.