Nach Pleite gegen Mainz: „Uns hat die Frische gefehlt“

aus Eintracht Frankfurt

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Der Frankfurter Kostic im Kampf um den Ball. Foto: dpa

Mit der 0:2-Niederlage gegen den FSV Mainz 05 hat die Frankfurter Eintracht ihre Heimstärke verloren. Dennoch spricht Mittelfeldspieler Sebastian Rode von einer guten Woche.

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FRANKFURT. Es war eine Woche der Wahrheit für die Frankfurter Eintracht. Die reinen Zahlen hören sich gar nicht so schlecht an: Drei Spiele, zwei Siege, eine Niederlage. Es gibt aber auch eine andere Wahrheit. Diese drei Begegnungen haben einmal mehr gezeigt, dass diese Mannschaft nur noch Durchschnitt ist. Mal gehobener Durchschnitt wie zuletzt in Bremen, mal unterer Durchschnitt wie nun beim 0:2 (0:1) gegen den FSV Mainz 05. Eintracht Frankfurt ist das neue Mittelmaß mit der Möglichkeit von Ausschlägen nach oben wie unten. Manager Bruno Hübner glaubt, „dass wir noch punkten müssen“, um die Abstiegsgefahr endgültig zu bannen. Doch das ist bei der Schwäche der Konkurrenz im Keller eher unwahrscheinlich und Blicke nach oben verbieten sich spätestens nach der Leistung und der Niederlage gegen biedere Mainzer. „Wir hatten trotzdem eine gute Woche“, fasste Mittelfeldspieler Sebastian Rode zusammen.

Die Frankfurter spielen eine Saison wie auf einer Berg- und Talbahn, mal auf, mal ab, zuletzt häufiger ab. Das war in der Vorrunde so und in der Rückrunde auch. Das war vor der Corona-Pause so und es war nach der Corona-Pause so. „Wir haben zu viele Höhen und Tiefen“, stellte Rode frustriert fest, „wenn wir nicht an unsere Leistungsgrenze kommen, dann wird es schwer, ein Spiel zu gewinnen.“ Gegen Mainz waren die Frankfurter meilenweit davon entfernt, an ihre Leistungsgrenze zu kommen. Einfachste Mittel wie Kampf und Leidenschaft hatten den Gästen genügt, wichtige Punkte im Abstiegskampf zu holen. Von der ersten Minute an war spürbar, dass die Nachbarn vom Rhein den Sieg mehr wollten, dass sie mehr investierten und die Eintracht dieser Leidenschaft nicht wirklich viel entgegenzusetzen hatte. Zwei aus Frankfurter Sicht deprimierende Zahlen: Die Mainzer liefen fast drei Kilometer mehr als die Eintracht. Und die Eintracht hatte genau null (!) Schüsse aufs gegnerische Tor abgegeben. Der Gegner sei „frischer, aggressiver, agiler“ gewesen, gestand Adi Hütter ein, „wir haben es nicht geschafft, ihnen weh zu tun“. Aus Sicht des Trainers könnte dies an der englischen Woche gelegen haben. „Uns hat im vierten Spiel innerhalb von zwölf Tagen die Frische gefehlt“, sagte er.

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Taktisch nicht diszipliniert gespielt

Das mag sein. Doch der Hauptgrund war es sicher nicht. Vielmehr gehört zur Wahrheit diese Wochen, eigentlich der ganzen Saison, dass diese Mannschaft eben nur noch Durchschnitt ist. Zu selten passt vieles zusammen, zu oft greift vieles nicht ineinander. Gegen Mainz hatte Hütter mal wieder zwei Stürmer aufgeboten, die aber kaum ins Spiel eingebunden waren. Bas Dost hat alle seine Kopfballduelle gewonnen, doch es kam nichts Brauchbares dabei raus, weil es keine Abnehmer gab. Das mangelhafte Angriffsspiel war keine Frage der Aufstellung, sondern es ist eine Frage der Qualität der einzelnen Mannschaftsteile. Das sieht auch der Trainer so. „Es hat sicher nicht daran gelegen, dass wir mit zwei Spitzen gespielt haben“, sagte Hütter, „wir haben heute taktisch einfach nicht diszipliniert gespielt.“

Wahr ist auch, dass sich die Eintracht in dieser Saison auf zu wenige Grundelemente verlassen kann. Vielleicht auf Torwart Kevin Trapp, der zuverlässig hält, auch auf Makoto Hasebe, der Ruhe ins Spiel bringt, auch wenn er diesmal einen entscheidenden Zweikampf vor dem 0:2 verloren hat. Auch auf die Kämpfer Martin Hinteregger und Sebastian Rode, die machen was sie können. Und, schon seltener, auf Filip Kostic, der zu oft gezwungen ist, auf eigene Faust zu kämpfen. Alle anderen und alles andere wie Taktik oder Aufstellung aber sind ist beliebig. Mal läuft es wie in Bremen, mal läuft es nicht wie gegen Mainz.

Neue Heimschwäche nur eine Nebensache

Eine Wahrheit ist auch, dass die Heimstärke wie weggeblasen ist. Seit fünf Spielen, die Europa-League-Partie gegen Babel hinzugezählt, haben die Frankfurter zuhause nicht mehr gewonnen, nur gegen Freiburg einen Punkt geholt, aber gegen Basel, Union, Gladbach und nun Mainz verloren. Das hängt ein wenig mit dem leeren Stadion zusammen, aber auch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn auch mit Publikum hat es ja schon der Vorrunde gegen Wolfsburg oder Köln herbe Rückschläge in der eigenen Arena gegeben. „Nur eine Randnotiz“ ist für den Trainer die neue Heimschwäche. „Ich sehe keinen Zusammenhang darin, dass wir ohne Zuschauer einen Heimfluch haben", sagt Adi Hütter, „wir haben noch zwei Heimspiele und ich bin optimistisch, dass wir in dieser Saison noch Punkte machen in diesem Stadion." Was gegen Schalke und Paderborn, nun wirklich nicht die Schwergewichte der Liga, zu beweisen sein wird.

Die Woche der Wahrheit hat der Eintracht nicht nur dem Klassenerhalt ganz nahe gebracht sondern auch wichtige Fingerzeige für die Zukunft gegeben. Das Image der „grauen Maus“, in den letzten Jahren mit Entschlossenheit und Mut, mit Glück und Geschick abgelegt, könnte ganz schnell zurückkehren, wenn im Sommer nicht gehandelt wird. So schwer der Transfermarkt auch durch die äußeren Umstände sein wird, so wichtig wird es für die Eintracht sein, Veränderungen innerhalb des Kaders vorzunehmen.

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Von Peppi Schmitt