Plötzlich der wichtigste Mann bei der Eintracht

aus Eintracht Frankfurt

Thema folgen
Fordert einiges, bleibt aber stets freundlich: Athletikcoach Martin Spohrer mit André Silva. Foto: Hübner

Martin Spohrer, Athletiktrainer beim Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, sorgt in Coronazeiten dafür, dass die Spieler am Tag X fit sind.

Anzeige

FRANKFURT. In normalen Zeiten stehen die Profifußballer im Mittelpunkt des Interesses in der Bundesliga. Auch die Trainer, auch die Manager. Das ist bei der Frankfurter Eintracht nicht anders als bei allen anderen Klubs. Doch jetzt müssen andere Prioritäten gesetzt werden rund um die Mannschaften und die Vereine. „Im personellen Wechsel werden Personen aus dem Mannschaftsumfeld wie dem Trainerteam, Teammanagement, Analyse oder Materialwart einen professionellen Tagesablauf gewährleisten“, hat Sportvorstand Fredi Bobic in einem der ersten Statements rund um die Coronakrise gesagt. Auch wir wollen die Gelegenheit nutzen, um in unregelmäßiger Folge die „Mannschaft hinter der Mannschaft“ oder auch wichtige Personen im Klub näher vorzustellen. Heute: Martin Spohrer (42), Athletik-trainer.

Er ist der Mann, der meist mit kurzen Hosen unterwegs ist, bei Wind und Wetter, auch auf der Auswechselbank. „Ich friere nicht so leicht“, sagt er lachend, „ich habe gerne Luft an den Beinen.“ Martin Spohrers Aufgaben bei den Spielen der Eintracht sind klar umrissen. Er leitet das Aufwärmprogramm der gesamten Mannschaft vor dem Spiel, mit Ausnahme der Torhüter, er arbeitet mit den Reservisten in der Halbzeit. Und er hält die Ersatzspieler mit Beginn der zweiten Halbzeit auf Trab.

Individuelles Training anhand eines Laktattests

Unter der Woche leitet Spohrer ebenfalls das Aufwärmtraining, das er und seine Kollegen erarbeitet haben. Das Athletik-Trainerteam besteht aktuell aus drei Männern. Neben Martin Spohrer ist das noch Markus Murrer, der allerdings nach einem Achillessehnenriss, der zudem während der Reha noch ein zweites Mal aufgebrochen war, gehandicapt ist. Der dritte Mann ist der als Ersatz für Murrer im Herbst letzten Jahres verpflichtete Andre Biritz.

Anzeige

Auf dieses Trio kommt es in diesen Zeiten ganz besonders an. Die Spieler, seit bald zwei Wochen in Quarantäne, machen ihre Hausaufgaben nach Plänen der Athletik-Trainer. Dahinter steckt viel Arbeit, den jeder einzelne Profi bekommt einen individuell auf ihn abgestellten Plan. „Da war es ganz hilfreich, dass wir noch vor der Pause einen Laktattest durchführen konnten und so die neuesten Daten haben“, erklärt Spohrer. Jeder Eintracht-Profi hat einen Fahrrad-Ergometer nach Hause geliefert bekommen. Darauf wird nach Anweisungen trainiert, die Spohrer und Kollegen über eine App übermittelt haben. Dazu gibt es Kraftprogramme, die erfüllt werden müssen, um für den „Tag X“ des Wiederbeginns gerüstet zu sein.

Stationen in Hoffenheim, Gladbach und Dortmund

Martin Spohrer war einer der ersten, die Fredi Bobic im Sommer 2016 neu zur Eintracht geholt hat. Seine Karriere hatte er 2008 als Torwarttrainer bei der TSG Hoffenheim gestartet, ein Jahr später wechselte der gebürtige Heidelberger das Aufgabenfeld und übernahm das Athletiktraining im Förderzentrum der TSG. Es folgten weitere Stationen als Konditionstrainer im Nachwuchs von Borussia Mönchengladbach sowie der U 23 von Borussia Dortmund. Nun arbeitet er in der vierten Saison bei der Eintracht. Sein Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2021. Martin Spohrer wohnt mit seiner Frau Sina und Töchterchen Leni (4) in Frankfurt. Aktuell sitzt er am Schreibtisch und berät die Spieler per Telefon. Sogar wenn die Ergo-Fahrräder mal nicht so laufen, wie sie sollen, wird er um Rat gefragt. „Dann muss ich per Handy reparieren“, lacht er. Es gehört zu seinen Vorzügen, dass er ein durch und durch optimistischer, fröhlicher und freundlicher Mensch ist. Auch darum ist er in diesen Tagen so wichtig.

Von Peppi Schmitt