Pokal-Halbfinale in München: Ein aussichtsloses Unterfangen?

aus Eintracht Frankfurt

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Münchener Übermacht: Wie schon vor 20 Tagen beim 2:5 im Bundesliga-Spiel bei den Bayern werden André Silva (am Ball) und Co. einen schweren Stand haben. Foto: dpa

Warum aber Sportvorstand Fredi Bobic für Eintracht Frankfurt im Pokal-Halbfinale bei den Bayern eine „kleine Chance“ sieht.

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FRANKFURT. Für die Fans der Frankfurter Eintracht wäre es der Höhepunkt der Saison. Am Mittwoch würden sich sicher bis zu 10.000 auf den Weg machen nach München, um die Eintracht im Halbfinale des DFB-Pokals gegen den FC Bayern lautstark zu unterstützen. Die ARD könnte sich Rekordeinschaltquoten erhoffen beim Pokalspiel der alten Rivalen. Doch in Zeiten von Corona ist halt nun mal alles anders. Das Spiel wird zwar im öffentlich-rechtlichen Fernsehen live übertragen, genau wie bei Sky, aber es muss ohne Zuschauer stattfinden. Ohne die Emotionen von den Rängen und damit ohne die vermeintlich stärksten Verbündeten der Außenseiter aus Frankfurt.

So bleibt es ein weiteres „Geisterspiel“ oder besser „Fernsehspiel“, in dem die Chancen der Frankfurter auf dem Papier gegen den Nullpunkt tendieren. Seit 20 Jahren haben sie nicht mehr in München gewonnen, vor 20 Tagen gerade erst das Bundesligaspiel mit 2:5 verloren. Die Formkurve der Bayern in der Bundesliga zeigt steil nach oben, führt direkt zur achten Deutschen Meisterschaft in Folge, die Eintracht dagegen hat zwar die Abstiegsgefahr weitgehend gebannt, ist aber im tiefen Mittelmaß versunken.

Ein Blick in die Pokalstatistik macht der Eintracht Mut

Gibt es überhaupt irgendeinen Ansatzpunkt, der für die Frankfurter sprechen könnte? Da hilft nur ein Blick in die Statistik. Das letzte Pokalspiel gegen die Bayern hat die Eintracht gewonnen, es war das Finale 2018. Und das einzige Halbfinale, in dem die beiden Südrivalen in ihrer langen Historie aufeinandergetroffen sind, haben auch die Frankfurter gewonnen. Das ist aber schon 46 Jahre her. Damals, am 13. April 1974, siegte die Eintracht, die später gegen den HSV auch den Pokal holte, im Waldstadion vor 62 000 Zuschauern mit 3:2. Bernd Hölzenbein, Thomas Rohrbach und Jürgen Kalb mit einem Elfmeter in der letzten Minute sorgten bei Gegentreffern von Uli Hoeneß und Paul Breitner für den Sieg. Ein kleiner Muntermacher, der aber sicher nicht mehr für irgendwelche Hoffnungen in diesen Tagen sorgen kann.

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„Keine Frage: Das ist die schwerste aller möglichen Konstellationen, wir sind in einer absoluten Außenseiterrolle“, hatte Sportvorstand Fredi Bobic schon gleich nach der Auslosung gesagt, „aber wir werden nichts herschenken und alles versuchen, um unseren Traum vom Finale dennoch zu verwirklichen“. Am Sonntag hat Bobic jetzt fast schon ein wenig trotzig gesagt: „Natürlich haben wir eine Chance, wenn auch eine kleine…“

Sebastian Rode: „Brauchen einen absoluten Sahnetag“

Das wissen auch die Spieler. „Wir brauchen einen absoluten Sahnetag, an dem alles passt“, sagt Sebastian Rode, einst selbst bei den Bayern unter Vertrag, „jeder muss für den anderen kämpfen, damit wir unser Ziel erreichen“. An guten Tagen könne die Eintracht jeden Gegner schlagen. Was sie in dieser Saison schon unter Beweis gestellt, unter anderem mit einem 5:1 gegen genau diese Bayern. Freilich nie im fremden Stadion. Timothy Chandler blickt dennoch schon mal im Spaß nach vorne auf ein mögliches Endspiel, das ja auch ohne Publikum im riesigen Berliner Olympiastadion stattfinden wird. „Es wäre schon komisch. Ich habe 2018 erlebt, und jetzt stell dir vor, du fliegst nach Frankfurt zurück und darfst keinen Autokorso machen“, so der Chandler. Dabei könnte ein Autokorso ja stattfinden. „Aber keiner steht an der Straße. Das wäre echt schräg“, sagte er.

Der Frankfurter Trainer Adi Hütter setzt derweil auf ein während der Europa-League-Saison durchaus bereits bewährtes Modell. Er hat seinen Spielern einen freien Tag spendiert. Am Sonntag war nur „Auslaufen“ nach der Pleite gegen Mainz, am Montag durften alle zu Hause bleiben. „Vielleicht hilft es, die Köpfe freizubekommen“, sagte der Eintracht-Coach, der zu allem Überfluss auch noch auf seinen besten Spieler verzichten muss. Filip Kostic ist nach einer Roten Karte aus dem Viertelfinale gegen Werder Bremen gesperrt.

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Von Peppi Schmitt