So hilft Nej Daghfous 05-Profis als Integrationsbeauftragter

aus Mainz 05

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Fussball - Trainingslager - 1. FSV Mainz 05 - Marbella - 08.01.23, 
Nejmeddin Daghfous

- Foto: Frank Heinen/rscp-photo

Ex-Klopp-Schützling mit Vorliebe für Kaffee und Sprachen: Nejmeddin Daghfous erzählt, wie er ausländische Fußballer von Mainz 05 beim Einleben unterstützt.

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Mainz. Ob Mainz-05-Neuzugang Andreas Hanche-Olsen Kaffee mag, ist bislang nicht überliefert. Doch wenn er mit Nejmeddin Daghfous die Stadt erkundet, muss er sich wohl an das Koffeingetränk gewöhnen – oder einen Tee ordern. Der Integrationsbeauftragte des Fußball-Bundesligisten führt neue Spieler bei einer ersten Rundtour nämlich stets in ein Café. „Ich bin ein Kaffee-Freak. Daher müssen die Jungs erstmal Kaffee trinken“, sagt Daghfous - genannt: „Nej” - und lacht.

Seit wenigen Monaten arbeitet der 36-Jährige als Integrationsbeauftragter für Mainz 05. Dabei hat er vor allem die Aufgabe, ausländischen Spielern das Einleben in der Stadt zu erleichtern, die die deutsche Sprache kaum beherrschen. Geht es darum, sich als Bürger der Stadt Mainz anzumelden, den Medizincheck bei Mainz zu bestreiten, ein Bankkonto in Deutschland zu eröffnen oder eine Wohnung zu suchen, ist Daghfous an der Seite der Profis. „Mittlerweile haben wir alle in den eigenen vier Wänden unterbringen können – auch wenn es bei manchem Spieler lange gedauert hat“, sagt Daghfous, der neben dem Wohnungsmarkt auch das Leben eines Profifußballers kennt.

Ex-Profi unter Jürgen Klopp spricht fünf Sprachen

Unter Jürgen Klopp durfte Daghfous einst in 15 Zweitliga-Spielen für Mainz 05 auflaufen. Nachfolger Jörn Andersen verschmähte den Offensivspieler dann. Der wechselte nach Paderborn – und erlebte später doch ein Bundesliga-Spiel mit den Mainzern. Thomas Tuchel wechselte den zwischenzeitlich zurückgekehrten Offensivspieler im Mai 2013 gegen Borussia Mönchengladbach ein. „Das war ein echtes Highlight – ich war bei meinem Bundesliga-Debüt ja schon 27“, erinnert sich Daghfous.

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Inzwischen gehört er fest zum Erstliga-Stab bei Mainz 05. Als Integrationsbeauftragter mit Dolmetscher-Talent. Im Trainingslager in Marbella übersetzte er Spieler-Interviews, im Bundesliga-Alltag steht er bereit, wenn es ihn in Mannschaftssitzungen, bei Video-Analysen oder Team-Besprechungen braucht. Der Sohn tunesischer Eltern, in Kassel aufgewachsen, spricht fünf Sprachen: Arabisch, Deutsch, Französisch, Englisch und Türkisch. Letzteres habe er über Freunde gelernt. „In Sprachen war ich in der Schule immer gut, in Mathe nicht so ganz“, erzählt ein schmunzelnder Daghfous, dem ein guter Draht zu den Spielern nachgesagt wird.

Frust über Karriereende ist abgehakt

Abgehakt hat er den Ärger über das eigene Karriereende als Fußballer. Kickers Offenbach warf ihm eine tätliche Auseinandersetzung mit einem Mitspieler vor, der Streit landete vor Gericht. „Die Geschichte stimmte nicht. Man wollte mir das Szenario in die Schuhe schieben und mich von der Gehaltsliste bekommen, weil ich der Topverdiener war“, behauptet Daghfous. Seine Laufbahn beendete er 2022 beim Regionalligisten FC Gießen. Ein Praktikum bei Mainz 05 folgte, dann der schnelle Aufstieg zum Integrationsbeauftragten. Sein Ziel in Zukunft? Trainer werden. Geht es darum, was der deutsche Fußballer den Spielern abverlange, kann Nejmeddin Daghfous den ausländischen Profis von Mainz 05 bereits Tipps geben. „Physis, immer für die Mannschaft arbeiten und diese Grundlagen konstant auf den Platz bringen“, weiß das Sprachtalent mit der Vorliebe für Kaffee.