Leiser Abgang befürchtet

Es ist derzeit völlig ungewiss, ob Dennis Meub (rechts) und die SG Ulfa/Langd die Saison fortsetzen können.  Foto: erg/Archiv

Steffen Becker verlässt Ende der Saison SG Ulfa/Langd, würde gerne nochmal an der Linie stehen, hat aber neuen Verein gefunden.

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. Langd (pem/rd). Beim Büdinger Fußball-A-Ligisten SG Ulfa/Langd steht der Abgang von Trainer Steffen Becker zum Saisonende schon fest - und der Coach befürchtet, wegen der Corona-Krise nicht mehr für die SG an der Seitenlinie stehen zu können. "Das ist natürlich eine ganz außergewöhnliche Situation. Ich habe wenig Hoffnung, dass wir noch mal spielen. Aber so ein Abgang wäre nicht schön", sagt der 52-Jährige, der kürzlich auch zum stellvertretenden Vorsitzenden der Gießener Trainervereinigung gewählt wurde.

Becker wird im Sommer von Spielertrainer Blerton Terzija beerbt, der derzeit für Blau-Weiß Schotten spielt. Seit fast 25 Jahren betreut Becker, leidenschaftlicher Fan des 1. FC Köln, Mannschaften, zuerst bei der Jugend, dann im Seniorenbereich. Er ist ein Trainer mit Leib und Seele. Während der Fußball komplett ruht, müssen nun andere Beschäftigungen her: "Ich habe ja mein Haus und meinen Garten, und ich bin ein Rasenliebhaber - darum kümmere ich mich." Bis zu einem gewissen Grad sei die Pause aber auch willkommen. Eigentlich wollte er im Sommer eine Auszeit als Trainer nehmen. Nun hat er aber doch bei der FSG Bessingen/Ettingshausen/Langsdorf im Fußballkreis Gießen angeheuert, seiner eigentlichen fußballerischen Heimat. Becker löst damit Urgestein Thorsten Schultheis ab, "der in den elterlichen Betrieb einsteigt und deshalb nicht mehr viel Zeit hat", wie der Sportliche Leiter Thomas Pröhl (Langsdorf) weiß. "Er hat hervorragende Arbeit geleistet, mit Steffen Becker haben wir aber einen Wunschkandidaten verpflichten können." Becker selbst findet beim Tabellenzweiten der Kreisliga A Gießen ein bestelltes Feld vor. "Ich hätte mir sogar mal eine Pause vorstellen können, aber Bessingen war schon immer eine Adresse, die mich gereizt hat."

Der Abgang in Ulfa sei in beiderseitiger Absprache erfolgt, betont der Coach. Die Mannschaft steht auf dem zwölften Tabellenplatz der Kreisliga A, holte bisher nur drei Siege und drei Remis in 18 Spielen. Es würde noch schlechter aussehen, hätte der als erster Absteiger feststehende SV Altwiedermus seine Mannschaft nicht zurückgezogen. Daher sagt Becker auch: "Mit dem bisherigen Engagement stehen wir zurecht da unten. Es muss frischer Wind in die Mannschaft, mit einem neuen Spielertrainer, der vielleicht noch einige Spieler zur SG holt."

Dass die SG wieder an frühere Zeiten anknüpft, wo sie zwischen Kreisliga A und Kreisoberliga pendelte, sieht er kurzfristig als schwierig an. Dazu fehle momentan der Nachwuchs.

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In seinen fast drei Jahren erlebte Becker, der im Sommer 2017 zur damaligen SG Ulfa/Gonterskirchen/Langd kam, manches Wechselbad. "Der Anfang in der ersten Saison war unwahrscheinlich schwer, weil viele Leistungsträger nicht mehr zur Verfügung standen. Zur Vorrunde schienen wir schon abgeschlagen." Dann sei ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. "Plötzlich kam Bewegung rein, in den Heimspielen waren wir eine Festung." Nach einer tollen Rückrunde sicherte sich die Mannschaft den neunten Platz.

Der Rückzug des SV Gonterskirchen sei seinerzeit sportlich nicht so entscheidend ins Gewicht gefallen. Becker: "Wir hatten zunächst noch den Schwung in die neue Runde mitnehmen können." Bereits zu Jahresbeginn 2019 sei dann jedoch der Leistungseinbruch gekommen, den die SG bisher nicht abschütteln konnte. Ein dauerhaftes Leistungstief, das den Ur-Garbenteicher, der unter anderem dreieinhalb Jahre den FC Großen-Buseck trainierte, schließlich bewog, die Reißleine zu ziehen.

Steffen Becker hat nun prompt bei der FSG Bessingen eine neue Herausforderung gefunden. Wie lange er bei Ulfa/Langd allerdings noch bis zum Start warten muss, um vielleicht doch noch einmal an der Linie zu stehen, ist ungewiss.