Der SPORT ZUM SONNTAG

aus Der Sport zum Sonntag

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In Gedenken an den im vergangenen Jahr verstorbenen Hermann Klaus hat die LSG Goldener Grund ihrem Wurfhaus den Namen des langjährigen Sportkreisvorsitzenden verliehen. Foto: Martin Rumpf

Beim Rückblick auf die vergangenen Wochen habe ich das Gefühl, dass ich meine Meinung darüber, ob die Fußballsaison fortgesetzt oder abgebrochen wird, so oft gewechselt...

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. Mittlerweile ist es mir echt egal. Das sage ich auch, weil ich selbst nicht weiß, was richtig und was falsch ist. Deshalb möchte ich auch nicht in der Haut der Verantwortlichen des Hessischen Fußball-Verbandes stecken, die an diesem Samstag per Videokonferenz der Entscheidungsfindung wieder ein Stück näher kommen wollen. Andere Landesverbände sind da schon einen Schritt weiter. Die Bayern waren Vorreiter, haben eine Beschlussvorlage gefasst und ihre Vereine darüber abstimmen lassen. Dabei votierte bei einer Abstimmungsbeteiligung von 73,5 Prozent der Clubs eine Zwei-Drittel-Mehrheit für den Vorschlag, die Spielzeit ab 1. September 2020 – wenn durch staatliche Vorgaben möglich – auf sportlichem Wege zu Ende zu bringen.

Auch der Verband Mittelrhein fragte die Basis nach ihrer Meinung und dürfte sich nach dem Ergebnis gefühlt haben wie Goethes Faust: „Da steh’ ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!“ Satte 82,5 Prozent beteiligten sich am Voting, doch 50,14 Prozent Stimmen für eine Fortsetzung der Runde sorgten nicht gerade für Erleuchtung bei den Verbandsoberen.

Da hat der Fußball-Verband Rheinland ein klareres Bild erhalten – aber ein ganz anderes. Zwar äußerten sich nur 68 Prozent der Vereine, doch die taten das mit 83,5 Prozent für einen Abbruch sehr deutlich. „Das Ergebnis ist ein Meinungsbild, keine Entscheidung“, stellte der Verbandsvorstand auf seiner Homepage klar. Sogar noch deutlicher fiel das Votum beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen aus. Nachdem sich gleich 88 Prozent der Vereine für einen Saisonabbruch ausgesprochen hatten, folgten alle Kreisfußballwarte einstimmig diesem Weg. Bleibt die Frage, wie es in Hessen weitergeht. Eine Vereinsbefragung wäre auf keinen Fall eine schlechte Maßnahme zur Entscheidungsfindung.

Wie wohl Hermann Klaus als Jahrzehnte langer Fußballfunktionär in einer solchen Extremsituation gehandelt hätte? Wir werden es nie erfahren. Aber ganz sicher können wir sein, dass sich der im vergangenen Jahr verstorbene Sportkreisvorsitzende sehr gefreut hätte, wenn er gesehen hätte, was sich die LSG Goldener Grund da hatte einfallen lassen. Der Verein hat sein 2013 für rund 100 000 Euro und mit 800 freiwilligen Helferstunden errichtetes Wurfhaus in Niederselters verputzt, angestrichen und in Hermann Klaus-Wurfhaus umbenannt. Die Einweihung soll am 15. November folgen. An diesem Tag wäre der Heckholzhäuser 76 Jahre alt geworden.

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Ich hoffe, dass Sie diese Zeilen bei guter Gesundheit gelesen haben. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und ein schönes Wochenende!