Der SPORT ZUM SONNTAG

aus Der Sport zum Sonntag

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Bild mit Symbolcharakter: „Trainings- und Spielbetrieb ruhen. November-Tristesse am Grävenecker Sportplatz“ schrieb Gernot Lehr in seiner Mail zu seinem Foto. Tatsächlich spiegelt die Aufnahme die aktuell trostlose Stimmung bei den heimischen Kreisligafußballern wider. Ob die Runde, wie geplant, am 23. Februar fortgesetzt wird und wie dann der Terminplan aussehen wird, steht noch in den Sternen.                 Foto: Gernot Lehr

Amtshilfe für die dänische Ausgabe des "Kicker" und moralische Schützenhilfe für ein Torwart-Talent bei Eintracht Frankfurt leistet unser Kolumnist André Bethke.

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. Bei allerlei Spam-Mails im Postfach hätte es durchaus passieren können, dass ich die Nachricht mit dem Betreff „Help for Danish colleague“ ungelesen gelöscht hätte. Mein Kontakt zu Personen, die mich in Englisch anschreiben, hält sich nämlich in Grenzen. Anders Dehn, der für „Tipsbladet“, der dänischen Ausgabe des „Kicker“, schreibt, bat um Amtshilfe. Der Kollege war bei seiner Recherche zu Rekrutierungscamps von jungen Fußballern mit türkischen Wurzeln, die im Ausland leben, auf meine Kolumne aus dem Juni 2019 gestoßen. Er hatte nach Berkay Yildirim gegoogelt, über den ich damals ein paar Zeilen verloren hatte. Der für WGB Weilburg spielende Edelsberger war einer der 250 Kicker der Jahrgänge 1998 bis 2000 aus dem gesamten Bundesgebiet, die sich bei einem Sichtungstag in Dreieich den Talentscouts türkischer Clubs vorstellten. Yildirim zählte schließlich zu den Auserwählten, die eine Zusage zur Teilnahme an einem Trainingscamp in Izmir erhielten. Dort spielt dieser Kader dann auch gegen Profiteams, die zu dieser Zeit an der türkischen Ägäis ihre Saisonvorbereitung absolvierten. Der Abiturient bekam danach von Süper-Ligist Göztepe FK mit der Aussicht auf einen Vertrag das Angebot, über längere Dauer ein Probetraining zu absolvieren. Doch Berkay Yildirim verletzte sich und ein Franzose aus der U19 von Olympique Lyon rückte nach, berichtet der Edelsberger. Während er offenbar keinen schlechten Eindruck von diesem Trainingscamp hatte, erzählt der dänische Kollege von anderen Stimmen. So hätten seine jungen Landsleute 100 Euro bezahlen müssen, um an der Sichtung teilzunehmen, und noch mal 1000 Euro für den Trip in die Türkei. Das sei das Geld nicht wert gewesen, so der Tenor aus Dänemark. Davon war bei Berkay Yildirim keine Rede. Dafür ist der Traum von einer Profikarriere erst einmal ausgeträumt.

Ganz anders bei Elias Bördner. Das nach dem Abgang von Felix Wiedwald zur Nummer drei bei Eintracht Frankfurt aufgestiegene 18-jährige Torhütertalent aus Haintchen hat durchaus berechtigte Hoffnungen auf einen Profivertrag beim Bundesligisten. Inwieweit bei diesen Gesprächen auch sein Auftritt beim Testspiel am Donnerstag gegen den 1.FC Nürnberg berücksichtigt wird, ist nicht bekannt. Dort zeigte der noch zu den A-Junioren zählende Keeper insgesamt eine solide Leistung. Doch der Treffer zum 0:1 durch Johannes Geis bei der 0:2-Niederlage gegen den Zweitligisten ging auf seine Kappe. Und prompt bekam der Schlussmann eine schlechte Presse. „Torwart-Patzer sorgt für Testspiel-Niederlage“, „Elias Bördner gab beim 0:1 eine schlechte Figur ab“ und „Elias Bördner patzte bei dem haltbaren Schuss“. Ich kann da durchaus mitfühlen, denn ich habe noch im Gedächtnis, als im Tageblatt über mich zu lesen war: „Der junge Torhüter Bethke erwischte einen rabenschwarzen Tag.“ Ich hatte mir gegen den SV Allendorf eine direkte Ecke eingefangen, weil ich den Ball unterlaufen hatte, und zur Krönung einen indirekten Freistoß selbst reingelegt. War nicht so tragisch, war ja nur C-Liga. Drücken wir Elias Bördner die Daumen, dass für ihn so ein kleiner Patzer keine größeren Folgen hat.

Ich hoffe, dass Sie diese Zeilen bei guter Gesundheit gelesen haben. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und ein schönes Wochenende!