Über Führungsspieler und „Kometenschießen“

Nils Ackermann vom VfB Lohra. Foto: FuPa/Thies Meyer

Was sind „sogenannte Führungsspieler“, worum handelt es sich beim „Kometenschießen“? Darüber hat FuPa.net Mittelhessen, Kooperationspartner dieser Zeitung, mit Nils...

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HINTERLAND. Was sind „sogenannte Führungsspieler“, worum handelt es sich beim „Kometenschießen“? Darüber hat FuPa.net Mittelhessen, Kooperationspartner dieser Zeitung, mit Nils Ackermann vom Tabellendritten der Fußball-B-Liga Biedenkopf, dem VfB Lohra, unterhalten. Ackermann wurde in der „Interview-Staffel“ zuvor von Yannick Weber vom Verbandsligisten FV Breidenbach in seinem Interview nominiert.

Hallo Nils, Yannick hat es angeteasert, Du musst es erklären. Was hat es mit dem „sogenannten Führungsspieler“ auf sich?

Wie es zu dieser Situation gekommen ist, ist tatsächlich eine sehr lustige Geschichte. Wir waren vor zwei Jahren im Urlaub, das heißt, fünf Jungs aus drei unterschiedlichen Vereinen. Da war es so, dass Yannick beim FSV 1926 Fernwald spielte und mit Niko Semlitsch (Anm. d. Red.: aktuell Sportlicher Leiter bei TuBa Pohlheim) einen Trainer beziehungsweise Betreuter hatte, der im Raum Gießen sehr bekannt und ein alter Hase ist, hatte. Der hat damals gesagt, dass er nicht nur die „sogenannten“ Führungsspieler, sondern auch die anderen braucht. Wie so eins zum anderen kam, haben wir uns gegenseitig als „sogenannte“ Führungsspieler betitelt. Es ist halt seitdem eine Art Insider und auch immer etwas lustig gemeint.

Beim VfB Lohra gibt es einige Spieler wie Dich, die bereits über einen längeren Zeitraum und teilweise über Jahre im Verein spielen. Was macht den Club so besonders?

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Dafür gibt es mehrere Argumente. Es ist zum einen das familiäre Gefühl, was dort herrscht. Wir sind auch abseits vom Fußballplatz gut miteinander befreundet, sodass man sich dadurch nicht nur bei Vereinsaktionen, sondern auch bei privaten Sachen wie Umzügen hilft. Aber auch das gemeinschaftliche Feiern am Wochenende, natürlich eher freitags, da wir sonntags meist spielen, darf nicht fehlen. Zum anderen ist das größte Argument für den Verein meiner Meinung nach, dass der Verein seit fünf Jahren mit dem neu installierten Trainer Kevin Klapp, der seit der Saison 2015/2016 das Zepter in der Hand hält, einen gewissen und konkreten Plan bis hin zur Vision verfolgt. Seit eineinhalb Jahren unterstützt Uwe Neik als Teammanager den Kevin, gerade was die Umsetzung angeht.

Wie siehst Du generell die Entwicklung im Amateurfußball?

Sehr, sehr bedenklich. Das ist meine persönliche Meinung, weil es mir sehr missfällt, dass in den niedrigen Ligen schon Geld für Spieler bezahlt wird. Dadurch gehen einfach die Grundwerte vom Fußball verloren, weil die Spieler in den unteren Ligen, trotz einer guten Perspektive in ihrem Verein, ihn einfach wegen des Geldes verlassen. Deshalb sehe ich gerade in der Corona-Krise eine Chance, dass sich der Vereinsfußball in dieser Hinsicht ändert. Ich würde es sehr begrüßen, wenn mehr Spieler ein bisschen heimatbezogener denken würden und sie dadurch dann eben nicht nur auf das Geld schauen, sondern mit ihrem Verein etwas entwickeln wollen.

Was sagst Du zum aktuellen Beschluss, dass die Bundesliga am 16. Mai fortgesetzt wird?

Ich habe gehofft, dass die Frage nicht kommt. Ich bin ein Mensch, der sich viele Gedanken macht, sich dazu viele Meinungen anhört, sodass man auch unterschiedliche Standpunkte und Personengruppen berücksichtigen muss. Es gibt die intensiveren Fans, die definitiv von und für die Emotionen und das Dabeisein beziehungsweise Stadionfeeling leben. Diese Fans kann ich auch verstehen, da das Fußballspielen ohne Fans im Stadion definitiv nichts ist. Dann gibt es die Vereine, die heutzutage nicht nur noch Vereine, sondern eben auch Großunternehmen sind. Daher wird es nie eine Lösung geben, die eben alle Beteiligten glücklich macht. Es geht für mich im Fußball darum, dass die Vereine nicht in die Insolvenz geraten, aber gleichzeitig die Spirale, die sich eh schon zu weit gedreht hat, nicht noch weiter überdreht. Für mich ist wieder wichtig, dass hier eine gesunde gesellschaftliche Lösung gefunden wird.

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Dein Vorgänger Yannick Weber hat natürlich auch eine Frage an Dich: Inwiefern hat sich die Aufwärmübung „Kometenschießen“ beim VfB Lohra etabliert?

Erst einmal muss ich mich bei Yannick für die tollen Instruktionen bedanken und gleichzeitig auf den Sommerurlaub verweisen. Es war tatsächlich im Sommerurlaub am Strand, als fünf Fußballer einen Ball dabei und dazu eine Menge Bier getrunken hatten. Es kam dann eben so: Es gibt ein lustiges Video von der Sendung „Das T steht für Coach“ von Hans Sarpei auf der Plattform Youtube, wo eben Fußballer nach einer Kiste Bier unaufgewärmt und vor dem Training auf dem Platz schauen, wer den Ball am höchsten schießt. Das haben wir dann auch am vollen Strand gemacht, natürlich zur geringen Begeisterung der umliegenden Leute. Jetzt zur Frage: Nach dem Urlaub hat es sich vor dem Training etabliert, allerdings ohne die Kiste Bier vorher. Was aber nach einiger Zeit durch den Kevin aufgrund der Muskelverletzungsgefahr untersagt wurde.

Eine ungewöhnliche Frage zum Schluss: Wenn Du eine Biersorte wärest, welche wärest Du?

Jetzt kann ich nur was Falsches sagen. Es kommt ja immer darauf an, wo und mit wem ich unterwegs bin, da ich ja auch geschäftlich deutschlandweit unterwegs bin. Ich wäre tatsächlich ein heimisches Bier, das Bosch-Bier, das dort herkommt, wo Yannick Fußball spielt. Warum? Weil es geschmacklich und von den Zutaten das Hochwertigste ist und ich mich auch nicht unter Wert verkaufen lassen würde. Es ist ein harmonisches Bier und das passt auch zu mir (lacht).

Das Interview führt Louis Lambert für FuPa.net Mittelhessen.