Die Stunde des kleinen Mannes

aus HSG Wetzlar

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Rechtsaußen Tim Rüdiger nutzt seine Ersatzrolle beim erneut schwachen Auftritt von Handball-Bundesligst HSG Wetzlarim Pokal gegen Meslungen.

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WETZLAR/GIESSEN. "Das war ein geiles Gefühl für mich persönlich. Bei mir hat es geklappt." Wenn es beim großen Verlierer HSG Wetzlar einen Gewinner gab, dann war das Tim Rüdiger. Mit fünf blitzsauberen Toren bei zwei Fehlversuchen sorgte der Nachwuchs- und Ersatzmann für die wenigen Glanzpunkte im ansonsten flauen Spiel des heimischen Handball-Bundesligisten im Viertelfinale des DHB-Pokals, das den Mittelhessen mit 20:28 (8:13) eine bittere Niederlage im Hessenderby gegen MT Melsungen bescherte.

"Er hat ein tolles Spiel gemacht. Zwar hat er auch zwei Fehlwürfe gehabt, aber gerade in Überzahl die Bälle reingeworfen", befand auch Trainer Kai Wandschneider, der den 20 Jahre alten Linkshänder aus der Oberliga-Mannschaft der HSG hochgeholt hatte, nachdem mit Kristian Björnsen und Lars Weissgerber die beiden etatmäßigen Rechtsaußen verletzungsbedingt ausgefallen waren. Und da die Lösung mit einem der beiden Halbrechten Joao Ferraz und Stefan Cavor auf dem Außenflügel nicht fruchtete, schickte Wandschneider den aus Alsfeld stammenden Rüdiger in der 22. Minute auf das Spielfeld - was dieser weidlich nutzte, um erneut auf sich aufmerksam zu machen.

Denn schon nach dem Ende der A-Jugend sollte der Linkshänder zur Saison 2017/18 in den Erstliga-Kader aufrücken, was aber vor allem durch gesundheitliche Probleme gestoppt wurde. Zudem hegten Wandschneider und Co. Bedenken, dass die Eliteliga für den (aus Bundesliga-Sicht nur) 1,70 Meter messenden und 65 Kilogramm schweren Nachwuchsmann eine Nummer zu groß sein könnte.

Erst einmal hat der Debütant mit der Trikotnummer 34 bewiesen, dass er auch Bundesliga kann. Möglicherweise muss er auch am Samstag wieder statt in der U23 in der Oberliga im Oberhaus ran, wenn Frisch Auf Göppingen (um 20.30 Uhr) in der Arena an der Lahn gastiert. Denn noch sind die HSG-Verantwortlichen bei ihrer Suche nach einem zwischenzeitlichen Ersatzmann für das verletzte Rechtsaußen-Duo noch nicht fündig geworden.

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Tim Rüdiger sorgte wie erwähnt für die wenigen positiven Momente für die Wetzlarer Anhänger unter den nur etwas mehr als 2800 Zuschauern im Arenen-Rund. Ansonsten blieben die Akteure in den grünen Trikots einmal mehr viel schuldig. "Ein Hessenderby ist ja immer etwas Besonderes. Heute sind dabei zwei Teams mit wenig Selbstbewusstsein aufeinandergetroffen, das hat man deutlich gesehen", urteilte später mit Michael Allendorf ein Melsunger Spieler, der auch schon von 2006 bis 2010 vier Jahre den HSG-Dress getragen hat. "Bei uns haben heute viele Sachen besser geklappt", freute sich der Linksaußen, um quasi entschuldigend nachzuschieben: "Wetzlar hat auch mehr Verletzte gehabt."

Das ist aber für die Verantwortlichen des Mittelhessen-Clubs derzeit nur eine Randepisode. Sie sind ratlos ob der schwachen Auftritte ihrer Farben in der Offensive, vornehmlich im Rückraum. Bezeichnend, dass bei den Wetzlarern von den sieben eingesetzten Rückraumspielern keiner mehr als zwei Tore zur mageren Gesamtausbeute von 20 beizusteuern vermochte.

"Im Moment habe ich das Gefühl, dass sich jeder Spieler umguckt und fragt, wer gibt mir Halt", formulierte es Trainer Wandscheider. "Wenn man so im Angriff spielt, kann man kein Spiel gewinnen", ergänzte sein Geschäftsführer Björn Seipp.

Besonders eklatant zeigt sich die Angriffs-Misere beim Abschluss. Entweder verweigern die Rückraumakteure gute Einwurfchancen oder sie ballern schlechte Gelegenheiten in den gegnerischen Block. Wenn sie nicht vorher ein misslungenes Anspiel produzieren. Eine schwere Aufgabe für den Wetzlarer Trainer, hier wieder für mehr Selbstbewusstsein und Durchschlagskraft zu sorgen. Aber wenn nicht jetzt, wann dann? Denn nach der Göppingen-Partie geht es in den danach folgenden vier Spielen unter anderem gegen Gummersbach, Minden und Ludwigshafen. Wenn auch hier der Erfolg ausbleibt, dann sieht es ganz düster aus für die HSG Wetzlar.