Sportbegeisterte Familie Saul kann Rückkehr in stressigen...

Die sportbegeisterte Familie Saul mit (v. l.) Mutter Steffi, den Töchtern Lucy und Kaya sowie Vater Martin meistert die Corona-Krise auf ihre eigene Art. Foto: Familie Saul

Man könnte meinen, die extrem sportliche Familie Saul aus Biebertal freut sich vielleicht sogar ein wenig über die ungewohnte Ruhe während der Corona-Krise. Doch weit gefehlt!

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. Biebertal/WetzlarDie Sauls sind ein eingespieltes Team. Daran ändert auch die Corona-Krise nichts. Man könnte sogar meinen, die extrem sportliche Familie um Oberhaupt Martin Saul, der in der vergangenen Jahren für die männlichen B-Jugend-Handballer der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen verantwortlich zeichnete, freut sich sogar ein wenig über die ungewohnte Ruhe. Denn normalerweise sind die Wochen bei der in Rodheim-Bieber beheimateten Familie randvoll und mit sportlichen Aktivitäten verschiedenster Art nur so gespickt. Wer den jüngst 50 Jahre alt gewordenen Saul senior aber kennt, der weiß, dass ihm diese Zeiten der "verordneten Ruhe" gar nicht gefallen. Wie die vierköpfige Familie den sportlichen Alltag ansonsten so bewältigt, haben wir uns mal angeschaut.

Da ist zunächst der jüngste Spross im Hause Saul, Tochter Lucy. Die 15-Jährige lief in der vergangenen Handball-Saison für die wJSG Bieber/Heuchelheim sowohl in der C- als auch in der B-Jugend auf. Ihre ältere Schwester Kaya (18) war hingegen in der A-Jugend-Oberliga aktiv und trug in der abgelaufenen Spielzeit das Trikot des TV Hüttenberg. Neben Vater Martin, der seine Trainertätigkeit bei den Grün-Weißen im Juni beendet, ist auch Mutter Steffi sportlich unterwegs und spielt Tennis beim TC Krofdorf-Gleiberg. Bereits beim Blick auf die unterschiedlichsten Aktivitäten sowie Trainings- und Spielorte fällt auf, dass es ohne einen strukturierten Zeitplan schwierig werden würde, alle Termine unter einen Hut zu bringen.

Mit seiner jüngsten Tochter startet normalerweise auch montags immer die "Tour durch Hessen", die noch vor wenigen Monaten während der Runde einen wöchentlich wiederkehrenden Rhythmus darstellte. Dann steht nämlich für die Teenagerin das Stützpunkttraining in Frankfurt auf dem Programm, zu dem Neu-Fünfziger Martin und die Eltern anderer Spielerinnen immer abwechselnd Fahrgemeinschaften bilden. Am Dienstag trainierte Lucy dann selbst zweimal bei ihren wJSG-Teams, abends ging es noch zum Training nach Leihgestern. Während der Papa B-Jugend-Training hatte, ging es für Kaya bei der Hüttenberger A-Jugend zur Sache - ein echter Handballtag also.

Was Mittwoch ein wenig anders aussieht, nicht ohne dass sich an der Terminhatz etwas ändern würde. Im Gegenteil: Während für Mutter Steffi an diesem Tag Tennis auf dem Programm steht, fügt die jüngere Tochter noch die Tanzschule und Leichtathletik ihrem Wochenplan hinzu. Während die älteste einen ungewohnt freien Tag genießen kann, treibt Martin selbst Sport und hält sich mit ein wenig Basketball beim TSV Krofdorf-Gleiberg fit. Auch am Donnerstag und Freitag stehen zahlreiche Handballeinheiten auf dem Programm, dazu noch Leichtathletik, Woche für Woche steht im Zeichen des Sports.

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"Es ist völlig klar, dass es guter Organisation bedarf und wir uns immer gut absprechen müssen. Aber das haben wir denke ich sehr gut geschafft und sind da mittlerweile sehr gut eingespielt", schickt Martin Saul auch ein großes Lob an seine Frau Steffi - und fügt noch hinzu. "Zudem sind die Großeltern auch immer noch eine gute Unterstützung, wenn es doch mal enger werden sollte oder etwas Ungeplantes dazwischen kommt!"

Für elter- und großelterliche "Entlastung" dürfte zukünftig zumindest sorgen, dass Tochter Kaya ihren Führerschein schon geraume Zeit bestanden hat und durch ihre Volljährigkeit nun auch alleine zu Training oder Spielen fahren darf. Allerdings laboriert sie momentan noch an den Folgen eines Kreuzbandrisses, sodass derzeit eher Reha-Maßnahmen auf dem Wochenprogramm stehen.

Dass Martin Saul seine Trainertätigkeit in Dutenhofen und Münchholzhausen beendet, hängt auch mit Tochter Lucy zusammen, auf die eigentlich ein Praktikum im Handballinternat in Buxtehude gewartet hätte. Dies ist ob der Corona-Krise vorerst ausgesetzt, dennoch hofft der 50-Jährige, dass seine Jüngste noch in dessen Genuss kommt. "Während ich ja eher im Garten werkele in meiner Freizeit, absolviert Lucy viele Trainingsprogramme, auch online. Wenn sich die Voraussetzungen wieder bessern und sie das Praktikum angehen kann, dann möchte ich auch Zeit haben, um sie dabei zu unterstützen", betont der stolze Papa. Wie seine Gattin mit seinen "gärtnerischen Fähigkeiten" zufrieden ist, verschweigt er übrigens bewusst.

Augenzwinkernd sieht das Familienoberhaupt lediglich einen einzigen "Pluspunkt" an der aktuellen Lage. "Der Vorteil ist ganz klar, dass wir weniger tanken müssen. Normalerweise hält eine Füllung vielleicht anderthalb Wochen, jetzt drei oder vier", betont er, kann der augenblicklichen Situation trotz der gestiegenen freien Zeit aber ansonsten nichts abgewinnen. "Es ist ja bei uns allen so, dass wir für den Sport brennen. Daher nehmen wir diese Belastungen gerne in Kauf. Ich selbst habe ja in letzter Zeit das Abitur organisieren müssen, war daher auch oft an der Schule und damit beschäftigt. Meine Tochter Kaya war des Öfteren bei ihrem Freund, aber für Lucy waren die letzten Wochen schon wirklich schlimm", betont der Oberstufenleiter der Clemens-Brentano Europaschule (CBES) in Lollar.

Bei den sportlichen Aktivitäten ist Steffi momentan am besten dran, durch die Lockerungen ist es ihr nun schon wieder möglich, ihrem Tennissport nachzugehen. Und da die Nachwuchshandballerinnen aus Bieber und Heuchelheims in den vergangenen Tagen langsam, aber sicher wieder mit ein wenig Training begonnen haben, muss sich auch Tochter Lucy nun nicht mehr ausschließlich mit Home-Workouts beschäftigen.

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Wären die ausfallenen Fahrten und Termine für andere vielleicht ein Segen, können es die Sauls gar nicht abwarten, wieder in ihren gewohnten Alltag zurückzukehren. Ein eingespieltes Team sind sie ja, was nicht nur im Sport, sondern auch privat von großem Vorteil ist. Und der runde Geburtstag wird natürlich auch noch nachgefeiert.