Ziel Hawaii nur knapp verpasst

Auf dem Rad nicht zu stoppen: Vincent Größer. Foto: Größer

Vincent Größer absolviert einen starken Ironman Tallinn, hat die Weltmeisterschaftsteilnahme auf Hawaii bereits fest im Blick, muss sich aber mit Rang zwei begnügen.

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. Gießen (red). "Wenn man bis fünf Kilometer vor dem Ziel führt, und die Hawaii-Quali so dicht vor Augen hat, ist es natürlich enttäuschend, wenn man dann am Ende doch nur als Zweiter seiner Altersklasse das Rennen beendet", resümierte Größer im Ziel des Ironman Tallinn. Tatsächlich hatte der 23-Jährige gerade ein glänzendes Debüt über die Ironman-Langdistanz über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren sowie 42,2 Kilometer Laufen gegeben und mit 9:03:13 Stunden eine fantastische Zeit erreicht.

Doch der Reihe nach: Pünktlich um 7.30 Uhr Ortszeit erfolgte der Startschuss zum Ironman Tallinn/Estland 2020, der auf Grund der Corona-Pandemie von August auf September verschoben worden war. Einige ambitionierte Athleten nutzten den Wettbewerb, um die wettkampffreie Zeit zu beenden und zumindest einen Wettkampf in diesem Jahr zu absolvieren. Größer erreichte nach 59:17 Minuten das Ufer des Harku-Sees, was die drittschnellste Zeit seiner Altersklasse (18-24 Jahre) sowie rund fünf Minuten Rückstand auf den härtesten Widersacher um den Sieg - und damit auch die Qualifikation für die Ironman Weltmeisterschaften auf Hawaii im nächsten Jahr - bedeuteten.

Auf dem Rad galt es, die Vorgabe des Trainers Mario Schmidt-Wendling umzusetzen, die ersten Kilometer mit etwa 230 Watt und dann auf das eigentlich geplante Wettkampfniveau von 260 bis 270 Watt zu steigern. Dabei sollte bis zur zweiten Wechselzone ein komfortabler Vorsprung auf die Konkurrenz herausgefahren werden. Diese Vorgabe gelang dem Fernwälder mit 4:35:40 Stunden nahezu perfekt. Größer gelang die schnellste Radzeit des Tages sowie ein neunminütiger Vorsprung auf den Esten Karl Mell.

Auch im abschließenden Marathonlauf gelang es zunächst, im Wettkampfplan zu bleiben. Der Plan: Pro Kilometer etwa 4:45 Minuten benötigen. Tatsächlich sah es zunächst so aus, als sollte das Vorhaben gelingen. Mell hatte bis dahin lediglich etwa 3:30 Minuten aufgeholt, während der Vorsprung Größers immer noch etwa sechs Minuten betrug. Doch kam alles anders. Wieder einmal zeigte sich, dass ein Marathonlauf erst spät entschieden wird. Während Größer sein Tempo nicht mehr steigern konnte, drehte Mell ab Kilometer 30 noch einmal richtig auf. Ein zusätzlicher Leistungsabfall Größers spielte dem Esten zusätzlich in die Karten. Der Balte gewann schließlich in einer Gesamtzeit von 8:58:08 Stunden den Ironman Tallin 2020 in der Altersklasse 18-24 und sicherte sich damit den einzigen Slot, der für die Weltmeisterschaft auf Hawaii 2021 vergeben wird.

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Größer erreicht das Ziel nach ebenfalls starken 9:03:13 Stunden und darf sich mit der Erkenntnis trösten, einen sensationellen Einstand auf der Langdistanz gegeben und dabei eine Zeit erreicht zu haben, die bei jedem Ironman in 2019 zum Sieg in der AK 18-24 und damit zur Hawaii-Quali gereicht hätte. Nun heißt es für Vincent Größer, die positiven Aspekte der ersten Langdistanz mitzunehmen, weiter fokussiert und zielstrebig auf das große Ziel hinzuarbeiten und in der ersten Jahreshälfte 2021 beim Ironman Hamburg oder Ironman Switzerland einen erneuten Anlauf zu nehmen. So gelingt ihm vielleicht doch noch der verspätete Sprung auf das Archipel.