Die notwendige Verpflichtung ist da

HANDBALL HSG Wetzlar holt Cavor / Linkshänder darf gegen die Rhein-Neckar Löwen noch nicht spielen

Stefan Cavor wechselt zur HSG. (Foto: HSG Wetzlar)

Vor der Partie am Sonntag gegen die Rhein-Neckar Löwen (Anwurf: 15 Uhr) gab der Bundesligist die Verpflichtung des montenegrinischen Nationalspieler Stefan Cavor bekannt. Der Rückraumakteur wechselt mit sofortiger Wirkung vom ungarischen EHF-Pokal-Teilnehmer Csurgói KK an die Lahn und unterzeichnete einen Vertrag bis Saisonende. Der 22-Jährige soll Joao Ferraz ersetzen. Der Portugiese fällt mit einer Schulterverletzung länger aus. Cavor ist nach Kaspar Kvist und Emil Berggren bereits die dritte Nachverpflichtung der Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen in der laufenden Runde.

„Wir freuen uns sehr, dass sich Stefan entschieden hat, sich der HSG Wetzlar anzuschließen“, wird Björn Seipp in einer Pressemitteilung des Vereins zitiert. Der Geschäftsführer der Dom-
städter bezeichnet Cavor als „talentierten Spieler. „Er bringt alles mit, was wir gesucht haben. Mit seinen erst 22 Jahren verfügt Stefan bereits über extrem gute körperliche Voraussetzungen. Dazu ist er torgefährlich und kann auf der Halbposition in der Abwehr spielen. Jetzt gilt es, ihn so schnell wie möglich in die Mannschaft und unser System zu integrieren.“

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Dies wird die Aufgabe von Wandschneider sein. Doch ganz so einfach ist das für den Übungsleiter nicht. Da die Spielgenehmigung noch nicht vorliegt, läuft der neue Mann, der die Trikotnummer 77 bekommt, am Sonntag gegen den Deutschen Meister noch nicht auf. Nach der Partie in Mannheim ist der Montenegriner mit der Auswahl seines Landes unterwegs, seine Premiere soll der 1,97 Meter große und 100 Kilogramm schwere Linkshänder schließlich in der Rittal-Arena gegen den VfL Gummersbach (12. November) geben. „Diese Verpflichtung ist für uns alle gut und absolut notwendig. Er soll uns dabei helfen, dass wir in der Bundesliga bleiben“, erklärt Wandschneider, der nun wieder mehr Alternativen im rechten Rückraum hat.

Durch den neuen Mann kann Evars Klesniks sich wieder auf seine Rolle als Abwehrchef konzentrieren

Dadurch kann sich auch Defensivspezialist Evars Klesniks wieder ganz auf die Abwehrarbeit konzentrieren, und der zuletzt formverbesserte Vladan Lipovina bekommt mit seinem Landsmann eine Entlastung.

Beim nächsten Gegner, den Rhein-Neckar Löwen, haben sie die neuesten Entwicklungen in Wetzlar registriert. „Ich bin gespannt, ob er gegen uns schon spielen wird“, erklärte Trainer Nikolai Jacobsen gegenüber dieser Zeitung. Eine Frage, die sich mittlerweile erübrigt hat. Doch auch so hat der Löwen-Dompteur großen Respekt vor den Grün-Weißen: „Mein Kollege Kai Wandschneider schafft es jedes Jahr wieder, eine starke Mannschaft auf das Feld zu schicken. Welches Potenzial die HSG besitzt, haben sie nicht zuletzt beim Sieg gegen den THW Kiel gezeigt.“

Beim Pokalsieg in Erlangen konnte es sich der ehemalige Weltklasse-Linksaußen aus Dänemark sogar erlauben, seinen Kreisläufer Gedeon Guardiola, der über Leistenprobleme klagte, zu schonen. Lediglich eine Pleite kassierten die Mannheimer bisher in dieser Saison, zu Hause gab es eine 17:21-Niederlage gegen die SG Flensburg-Handewitt, zuletzt zeigte die Leistungskurve des Deutschen Meisters deutlich nach oben. Jacobsen hat die Wetzlarer Spieler unter die Lupe genommen. Seine Erkenntnisse: „Benjamin Buric hat als neuer Torhüter überzeugt. Und Philipp Weber ist unheimlich gut drauf und hat als Neuzugang sofort Verantwortung übernommen. Auch Jannik Kohlbacher spielt bisher eine starke Saison.“

Doch gerade um die beiden Letztgenannten sorgt sich Kai Wandschneider noch. Kohlbacher verletzte sich im Pokal am Daumen, als Leipzigs Torhüter Jens Vortmann ihm auf die Hand trat. Weber macht die Schulterblessur, die er sich am vergangenen Sonntag gegen Flensburg zuzog, weiterhin zu schaffen. „Es war kein Risiko, ihn im Pokal zu bringen. Die Ärzte hatten Grünes Licht gegeben. Dass er nun eine Überbelastung hat, ist normal“, erklärt sein Trainer, der sich nicht festlegen möchte, ob das Duo auch zum Einsatz kommt: „Beide haben mit dem Training ausgesetzt. Wir müssen abwarten.“

Wandschneider und seine Truppe wollen sich in Mannheim 
„so teuer wie 
möglich verkaufen“

Doch auch mit den beiden Nationalspielern steht dem Tabellenachten eine Herkulesaufgabe bevor. Die Löwen sind auf jeder Position doppelt gut besetzt, haben mit dem Schweizer Andy Schmid einen der spielintelligentesten Mitte-Männer der Liga sowie den beiden Außen Patrick Groetzki (rechts) und Valur Sigurdsson eine überragende Flügelzange in ihren Reihen. „Sie sind in der Breite vielleicht nicht so gut besetzt wie Flensburg-Handewitt, aber können über 60 Minuten Vollgas gehen“, sagt Wandschneider, der eine klare Marschroute vorgibt: „Wir wollen uns so teuer wie möglich dort verkaufen.“

Nach der Begegnung in der SAP-Arena haben die Wetzlarer die „großen Vier“ mit Flensburg-Handewitt, Kiel, Berlin und Löwen hinter sich und können nach der Länderspielpause frisch angreifen – und das mit Stefan Cavor. „Ich bin froh, hier zu sein und mich in der besten Liga der Welt beweisen zu können. Ich hoffe, dass ich die Erwartungen in mich erfüllen kann. Auf jeden Fall werde ich alles, was ich habe, geben, um dem Club und dem Team helfen zu können“, wird der Rückraumakteur auf der Vereinsseite der HSG zitiert.

Sätze, die sein Trainer Kai Wandschneider sicherlich gerne zur Kenntnis nimmt. Denn nach wie vor hat der Sportwissenschaftler keinen 18er Kader zur Verfügung. Dafür aber einen neuen Linkshänder.


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